Steuerklau im Thai-Salon im Landkreis Kassel: 49-Jährige erhält Bewährungsstrafe 

Kassel / Wolfhagen. Wegen Steuerhinterziehung ist die 49-jährige Chefin von drei thailändischen Massagepraxen gestern von Amtsrichter Klaus Döll zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Das Beispiel der Frau aus dem Kreisteil Wolfhagen hält für alle Kleingewerbler eine Botschaft bereit: Hebe alle Belege zu deinen Umsätzen sorgfältig auf – oder wirf sie komplett weg.

Die zierliche Frau, die vor 25 Jahren aus Thailand nach Deutschland gekommen ist und mit ihrem deutschen Mann zwei erwachsene Söhne hat, hatte dies nicht beherzigt. Seit 2003 betrieb sie in Kassel zwei und in Bielefeld eine dritte Massagepraxis, deren Umsätze in den Jahren 2007 und 2008 handschriftlich erfasst wurden.

Bei einer Betriebsprüfung im Jahr 2012 stellte sich heraus, dass die Belege für die Umsätze lückenhaft waren. Die Chefin hatte große Teile davon einfach weggeworfen.

Aber eben nur zum Teil: Auf dem Boden eines Kartons fanden die Steuerprüfer die kompletten Schriftstücke für drei Monate und siehe da: Dort war der Umsatz rund 35 Prozent höher als in der Steuererklärung. Die Finanzleute rechneten dies auf die Umsätze der folgenden Jahre hoch und kamen auf eine Nachforderung für Umsatz-, Gewerbe- und Einkommenssteuer von 115.000 Euro.

Die Angeklagte zeigte sich geständig und reuig, machte über ihre Verteidigerin allerdings auch deutlich, dass die Umsätze wegen der explodierenden Zahl von Thaimassage-Praxen im Raum Kassel längst nicht so hoch waren wie von den Steuerschätzern angenommen.

Das akzeptierten auch Staatsanwaltschaft und Richter Döll, der die Anklagen für die hochgerechnete Steuerschuld einstellte.

Blieben noch hinterzogene Steuern von 70.000 Euro inklusive des gleichfalls verschwiegenen Verkaufserlöses der Bielefelder Praxis übrig.

Strafmildernd wirkte sich auch aus, dass die Frau ihre beiden Kasseler Praxen inzwischen verkauft hat und mit dem Erlös ihre Steuerschulden fast vollständig ans Finanzamt zurückgezahlt hat.

Amtsrichter Döll folgte mit seinem Strafmaß exakt dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Weil die Angeklagte heute nur noch Hausfrau ist werde sie auch die Zeit für 150 gemeinnützige Arbeitsstunden finden, meinte der Richter und hatte auch gleich eine Idee, wo die abzuleisten wären: „Vielleicht können Sie ja im Seniorenheim die verspannten Nacken massieren. Die Leute würden das bestimmt zu schätzen wissen.“

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