Warten auf die Planung

Fragen und Antworten zur Suedlink-Trasse: Was auf Anwohner zukommt

Verlegegraben für ein Gleichstrom-Kabel: Solch ein Graben nimmt ein 320-Kilovolt-Kabelpaar (plus und minus) auf. Vier solcher Stränge machen insgesamt Suedlink aus. Während eine Überlandleitung 1,5 Mio. Euro pro Kilometer kostet, schlägt eine Erdleitung mit dem Drei- bis Achtfachen zu Buche. Foto: Tennet

Kreis Kassel. Noch ist völlig unklar, ob die geplante Suedlink-Erdkabel-Stromtrasse den westlichen Teil des Landkreises Kassel tatsächlich berühren wird.

Trotz Geradlinigkeitsvorgabe (Luftlinie) könne es zu vielen Kilometern Abweichung kommen, sagt Thomas Wagner, Referent für Bürgerbeteiligung beim Vorhabenträger Tennet. Wann mit genaueren Planungsdetails zu rechnen ist und was möglicherweise auf Anwohner zukommt, klären folgende Fragen und Antworten:

Wann legt Tennet als Vorhabenträger die ersten genauen Trassenvorschläge vor? 

Frühestens im Herbst 2016 wird Tennet erste Angaben zu möglichen Korridoren machen können. Im Frühjahr 2017 soll dann der erste Antrag auf Bundesfachplanung gestellt werden. Das heißt: Die Bundesnetzagentur entscheidet dann, welche der von Tennet vorgeschlagenen Korridore weiter und genauer untersucht werden dürfen. Diese genauen Untersuchungen werden etwa zwei Jahre andauern. Die Ergebnisse gehen erneut an die Bundesnetzagentur, die dann entscheidet, für welche Trasse ein Bauantrag gestellt werden darf.

Inwieweit werden Anwohner mitreden können? 

Vor allem ab 2017, wenn es um die detaillierte Untersuchung von Trassenvarianten geht, werden Behörden, Kommunen und Verbände mit ins Boot genommen. „Dieses lokale Wissen ist wichtig“, sagt Thomas Wagner. Zudem gebe es nach den Detailuntersuchungen eine Offenlegung der Pläne. Ohnehin gebe es in jeder Planungsphase Möglichkeiten der Teilhabe.

Welche Dimensionen werden die Trassen haben? 

Beim Ausheben der bis zu zwei Meter tiefen Kabelgräben wird eine 20 bis 40 Meter breite Bauschneise benötigt. Gebaut wird in bis zu vier Kilometer langen Abschnitten. Eine Trasse besteht nach bisheriger Planung aus zwei 320-Kilovolt-Kabelpaaren (plus und minus), was also das Ausheben von zwei parallel laufenden Gräben für eine Trasse erforderlich macht. Sind die Kabel verlegt, ergibt sich eine Trassenbreite von zehn bis 15 Metern.

Wird es Nachteile für die Landwirtschaft geben? 

Nein. Vieh- und Landwirtschaft wird weiterhin direkt auf der Trasse möglich sein, selbst Mais darf angebaut werden, der bis zu 1,20 Meter tief wurzelt. Nicht möglich ist das Anpflanzen von Gehölzen. Auch Gebäude dürfen später nicht auf der Trassenlinie errichtet werden.

Laut Bundesamt für Strahlenschutz erzeugen Gleichstrom-Erdkabel außerhalb des Bodens keine elektrischen Felder, nur eng begrenzt magnetische.

Wie zuverlässig ist die Erdkabeltechnik? 

Erdkabel haben je nach Bauart eine Lebenserwartung von 50 bis 80 Jahren. Überlandleitungen haben eine ähnlich lange Lebensdauer, sind jedoch anfälliger gegenüber Störungen und Defekten. Dafür können Fehler an Überlandleitungen schneller und preiswerter repariert werden.

Was passiert bei Störungen wie einem Kabelbruch? 

Kabelbrüche in Erdkabeln kommen kaum vor. Störungen gibt es meist an den sogenannten Muffen, die zwei Erdkabelabschnitte miteinander verbinden. Kommt es dennoch zu einem Kabelbruch, kann dieser mit ausgefeilter Glasfasertechnik schnell lokalisiert und innerhalb von vier Tagen repariert werden.

Hätte ein Kabelbruch Folgen für die Stromversorgung vor Ort? 

Nein, weil der in Norddeutschland produzierte Strom für den Verbrauch in Süddeutschland vorgesehen ist. Die Stromversorgung in der Region Kassel wird in erster Linie durch 380-Kilovolt-Hochspannungs-Überlandleitungen (Wechselstrom) gesichert. „Aber selbst wenn ein Erdkabel ausfällt, kann dieser Leistungsabfall von einem Gigawatt durch das verbliebene Stromnetz noch gut aufgefangen werden“, sagt Wagner.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.tennet.eu oder unter www.netzausbau.de.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.