Prozess zieht sich in die Länge

Trotz DNA-Spuren: 53-Jähriger bestreitet Vergewaltigung

Kreis Kassel. Der Prozess vor dem Landgericht Kassel gegen einen 53 Jahre alten, seit Sommer 2015 in Untersuchungshaft sitzenden Mann aus dem Kreis Kassel zieht sich in die Länge.

Der Mann ist von der Staatsanwaltschat wegen Vergewaltigung und gewerbsmäßigen beziehungsweise versuchten Diebstahls in 24 Fällen sowie Verstoßes gegen das Waffengesetzt angeklagt. Nach der ursprünglichen Planung sollte das Verfahren dieser Woche enden. Nun wurde an einem Tag zusätzlich verhandelt. Zwei weitere Termine stehen an - am 6. und 22. Juli. Am 22. Juli wird das Urteil erwartet.

Im Oktober 2000 soll der Mann in Wuppertal eine damals 52 Jahre alte Frau, die sich von der Ballettstunde auf dem Heimweg befand, mit einem zehn Zentimeter langen Messer bedroht und hinter einer Hecke vergewaltigt haben. Das hat er inzwischen allerdings bestritten und von der Ehefrau und Mutter ein Alibi bekommen.

„Was ich war, gebe ich zu, und ich werde mich zu allen Punkten äußern”, hatte der Angeklagte zum Prozessauftakt am 20. Mai gesagt. „Ich war auf Schmuck und Bargeld aus”, hatte er zu den 24 Wohnhaus-Einbrüchen erklärt, die er nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei zwischen Mai 2007 und Juli 2015 in Kassel, Lohfelden, Niestetal, Schauenburg und Melsungen begangen hat. Der Gesamtwert der Beute soll demnach bei fast 90 000 Euro liegen.

Bis ins letzte Detail verlas der Vorsitzende Richter Dreyer Gutachten der Kriminalpolizei und des Landeskriminalamtes (LKA) zu den einzelnen Einbrüchen. Untersucht wurden unter anderem Spuren an Fensterrahmen und Griffen, aber auch Blut- und Fußabdruckspuren, weil er vorwiegend Samba-Sportschuhe getragen haben soll. Auf Steinen und Pflastersteinen, mit denen Fenster zertrümmert wurden, wurden DNA-Spuren entdeckt, die laut Gutachten dem Beschuldigten zuzuordnen sind.

In den vorhergehenden Verhandlungstagen habe sein Mandant die Einbrüche „bis auf drei bis vier” gestanden, auch wenn die Spurenlage gegen ihn spreche. Das sagte gestern Rechtsanwalt Jürgen Ahrens gegenüber der HNA. Die ihm zur Last gelegte Vergewaltigung habe er eindeutig bestritten. Eine Sachverständige des LKA Nordrhein-Westfalen habe erklärt, DNA-Spuren an der Ballettkleidung der Wuppertalerin seien dem Angeklagten zuzuordnen.

Der Beschuldigte habe versichert, nie in Wuppertal gewesen zu sein. Am Tattag am 17. Oktober 2000 sei er auf der Geburtstagsfeier seiner Mutter gewesen. Die Mutter und seine Ehefrau hätten dies vor Gericht bestätigt, erklärte der Anwalt. Bis auf ein Jahr seien beide Söhne immer auf ihrem Geburtstag gewesen, habe die Mutter gesagt.

Das Opfer habe den Beschuldigten in der Verhandlung nicht erkannt, sagte Ahrens. Er werde nun versuchen, dem Gericht zu beweisen, dass bei dem LKA-Gutachten ein Fehler vorliege.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.