Über 1000 jugendliche Flüchtlinge im Landkreis Kassel: Intensive Betreuung nötig

Junge Flüchtlinge: Im Landkreis Kassel leben davon derzeit über 1000. Darunter sind 200, die ohne Begleitung nach Deutschland kamen. Probleme gibt es nach Auskunft der Kreisverwaltung mit den jungen Menschen nicht. Alle wollten ihre Chance nutzen und seien bemüht, sich gut in ihrer neuen Heimat zu integrieren. Das Foto zeigt syrische Flüchtlingskinder in einem Lager in der türkischen Provinz Antakaya. Foto: dpa

Kreis Kassel. Weniger Flüchtlinge bedeutet für den Landkreis Kassel nicht gleichzeitig weniger Arbeit. Jetzt kümmert sich der Landkreis intensiv um die Integration besonders der jüngeren.

Die augenblickliche Zeit des Durchatmens nutzen die zuständigen Stellen vielmehr, um den nach der Flucht in Nordhessen gestrandeten Menschen bei der Integration in ihrer neuen Heimat beistehen zu können. Ein Umstand, dem in den vergangenen Monaten nicht immer die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden konnte, als es vordringlich darum ging, für die Flüchtlinge eine Bleibe zu finden.

Sabine Scherer

Eine intensive Betreuung brauchen bei dem Start in ein neues Leben vor allem Kinder und Jugendliche, die ohne Angehörige in einer Unterkunft im Landkreis leben. In der Amtssprache als „unbegleitete, minderjährige Ausländer“ (Uma) geführt, leben davon derzeit 201 Mädchen und Jungen im Landkreis. Wie Jugendamtsleiterin Sabine Scherer sagt, kommen die vornehmlich 15- bis 17-Jährigen aus insgesamt 45 Herkunftsländern.

Untergebracht sind sie in Einrichtungen des Kreises mit durchschnittlich zehn bis 12 Plätzen. Der Tagesablauf der jungen Flüchtlinge, so sagt Scherer, unterscheide sich dabei kaum von dem deutscher Jugendlicher. Nach der Schule stünden Hausaufgaben oder Sprachkurse auf dem Terminplan und anschließend Freizeitangebote je nach Neigung.

Probleme, was den Schulbesuch oder die Sprachkurse anbelange, so betont die Amtsleiterin, gebe es bei den Jugendlichen keine. „Die jungen Menschen wollen ihre Chance nutzen. Vielen ist es in ihren Herkunftsländern nicht möglich, eine Schule zu besuchen. Da sehen sie es als Auszeichnung an, am Unterricht teilzunehmen“, beschreibt Scherer ihre Erfahrungen.

Jörg Roßberg

Ähnlich geräuschlos verläuft es mit den minderjährigen Flüchtlingen, die im Kreis ihrer Familie nach Deutschland gekommen sind. 823 sind es derzeit, 471 sind noch schulpflichtig, rechnet Jörg Roßberg vom Landkreis vor. Auch sie nutzen nach der Schule Angebote von Vereinen oder das Freizeitprogramm von Sozialarbeitern und Ehrenamtlichen. Wie Roßberg sagt, nähmen jugendliche Flüchtlinge zunehmend auch Freizeiten des Kreises wahr. Angesichts der Vorbehalte gegen staatliche Stellen, die viele der Flüchtlinge hätten, eine positive Entwicklung.

Keine Prognose wagt man beim Landkreis, was die Entwicklung der Flüchtlingszahlen anbelangt. Kreisbeigeordnete Susanne Selbert zeigt sich zwar gleichfalls erfreut über die augenblickliche Stagnation der Zuweisungen. Sie geht aber davon aus, dass die Zahlen im Sommer ansteigen werden. Selbst wenn die sogenannte Balkan-Route für Flüchtlinge weiter unpassierbar bleibe, würden sich neue Wege öffnen, ist sie überzeugt. Konkrete Zahlen zu nennen, so sagt sie, sei aber unseriös.

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