Versteckte Steine im Reinhardswald

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Naturdenkmal: Sechs kleinere und ein größerer Gedenkstein erinnern im Reinhardswald an Gefallene aus den beiden Weltkriegen. Für die Instandsetzung der Gedenkstätte hat sich Reinhardt Wallbach eingesetzt.

Reinhardswald. Es ist ein malerischer Ort im Reinhardswald. Zwischen den noch kahlen Ästen moosbewachsener Eichen schimmert im Hintergrund die Wasseroberfläche des Unteren Lägerteiches.

Ein leises Knarzen ist zu hören, wenn der Wind durch die Bäume streicht. Ansonsten herrscht tiefe Stille. Eine Stille, die zu diesem besonderen Platz oberhalb von Wilhelmshausen passt. Sechs schlicht behauene kleinere Sandsteinblöcke und ein größerer Stein erinnern hier seit Jahrzehnten an Gefallene aus den beiden Weltkriegen.

Einer von ihnen war Forstrat Ludwig Kieke, der vor gut 100 Jahren, am 22. Februar 1916, im Ersten Weltkrieg fiel. Sein Name, sein Beruf und der Tag seines Todes sind auf einem der kleineren Steine zu lesen. Die anderen fünf Steine erinnern an Forstreferendar Georg Sellheim und Oberjäger Georg Paul, die im Juni 1916 starben, an Oberforstmeister Karl Fricke und Ingenieur Hubert Wie, gefallen im Jahr 1914, sowie an Lehrer Hans Paul, dessen Todestag der 26. Oktober 1915 ist.

Sieben Eichen gepflanzt

„Die Steine wurden in den 20er-Jahren von den Familien der Verstorbenen gesetzt, zum Gedenken an gefallene Forstmitarbeiter des Gutsbezirks Reinhardswald und an gefallene Angehörige von Forstmitarbeitern“, erklärt Petra Walter, Revierleiterin der Revierförsterei Holzhausen, in deren Gemarkung die Gedenkstätte liegt. Neben den Steinen wurden sieben Eichen gepflanzt, eine in der Mitte und sechs im Rund. Ein größerer Gedenkstein, der nach 1945 aufgestellt worden ist, trägt die Namen von dreizehn Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Instandsetzung der Steine

„Ich kann gut nachvollziehen, warum dieser Ort ausgewählt worden ist. Das ist ein besonders schöner Ort der Ruhe“, sagt die Försterin. Doch das war nicht immer so. Petra Walter weist auf zwei Besonderheiten in unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte hin. Zum einen befand sich dort im Mittelalter die alte Wüstung Ratterkirche. Zum anderen sind auf der gegenüberliegenden Seite des Forstweges Erdwälle zu sehen - Überreste einer Flak-Stellung aus dem Zweiten Weltkrieg.

Anfang 2013 wurde die Gedenkstätte vom hessischen Landesamt für Denkmalpflege zum Kulturdenkmal ernannt, da sie „eindrücklich den beruflichen Kontext der Verstorbenen verkörpert, aus dem sie durch den Krieg gerissen wurden“, so die Begründung des Landesamtes.

Eingesetzt hatte sich dafür Reinhardt Wallbach, der aus Vaake stammt und den Reinhardswald wie seine Westentasche kennt. Schon als Kind streifte er durch den Wald, später erkundete er 30 Jahre lang joggend jeden Pfad und stieß dabei auf die Gedenksteine. „Das ist eine bemerkenswerte Gedenkstätte, die kaum bekannt ist“, sagt der 80-Jährige, der sich auch für die Restaurierung der Steine einsetzte. Im Zuge der Ernennung zum Kulturdenkmal gab es Geld, sodass die Steine instand gesetzt wurden.

„Von den Gefallenen gibt es sicherlich Nachfahren, die den Platz gar nicht kennen“, vermutet Wallbach. Dass die Verstorbenen trotzdem noch nicht in Vergessenheit geraten sind, davon zeugt ein kleines Gesteck, das am Fuße des großen Gedenksteines liegt. (pmi)

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