Massenhaft ziehen derzeit Amphibien zu Laichgewässern

4000 Tiere in 36 Stunden: Vorsicht vor Kröten auf den Straßen

Paarungszeit: Krötenmännchen sichern sich manchmal schon während der Wanderung ein Weibchen, indem sie sich mit ihren braunen bis schwarzen Brunstschwielen am Weibchen festklammern, um sich tragen zu lassen. Foto: Gerlinde Yakisikli

Nieste / Wilhelmsthal. Springflutartig hat in Stadt und Kreis Kassel die Wanderung der Kröten zu ihren Laichgebieten begonnen.

Beispiel Nieste: Helfer vom Naturschutzverein, die am Wochenende zum Schutz der Amphibien vor dem Straßenverkehr im Einsatz waren, zählten in nur 36 Stunden rund 4000 Tiere. Normalerweise rechne man hier mit 5000 Tieren pro Saison, berichtet Thorsten Finke vom Naturschutzverein Nieste. Er vermutet, dass die lang anhaltende Kälte im Frühjahr die biologische Uhr der Kröten langsamer laufen und sie bis dahin im Boden schlummern ließ.

Auch in Wilhelmsthal lockt der milde Winter Kröten und Molche aus ihren Verstecken. „Ausgezehrt machen sie sich in der Dämmerung – möglichst bei über fünf Grad und etwas Regen – auf den oft mühsamen, zwei bis drei Kilometer langen Weg zu ihren Laichgewässern“, sagt Nabu-Mitglied Gerlinde Yakisikli. Die Naturschützerin ist derzeit jeden Morgen in Wilhelmsthal unterwegs. Denn nach ihren Angaben geht die größte Gefahr für die Amphibien nicht von Fressfeinden, sondern von Menschen aus – durch Straßen, Versiegelungen, Zuschütten von Gewässerlebensräumen und durch den Einsatz von Pestiziden.

Tod auf den Straßen

Da sie bei ihrer Wanderung viel befahrene Straßen überqueren müssten, sterben viele Tiere. „Um das zu verhindern, bauen Helfer von Nabu, Salix, den Grünen (Ortsgruppe) und andere Freiwillige wieder in Zusammenarbeit mit Hessen-Forst eine mobile Amphibienleitanlage mit circa 30 Fangeimern auf“, berichtet Yakisikli. Die in Eimern gefangenen Tiere werden eingesammelt, nach Männchen und Weibchen getrennt und schriftlich erfasst.

So werden Art, Anzahl, Geschlecht und Hauptüberquerungsstellen entlang der Anlage dokumentiert. Yakisikli: „Die Ergebnisse können beim Bau der geplanten und genehmigten, aber leider noch nicht verwirklichten stationären Amphibienleitanlage von Bedeutung sein.“ (rax/alh)

Info: Schulklassen, die sich bei Wilhelmsthal über die Kröten informieren wollen, melden sich bei Gerlinde Yakisikli, Tel. 05673 / 99 68 99.

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