Windkraft bringt Geld für Region - Studie zeigt wie und für wen

Allein der Windpark Söhrewald-Niestetal beschert dem Großraum Kassel binnen 20 Jahren rund 58 Millionen Euro an regionaler Wertschöpfung – aber nur, weil regionale Akteure den Windpark geplant und umgesetzt haben und ihn nun auch betreiben. Foto: Schmidt/Aibotix/nh

Kreis Kassel. Windparks können viel Geld für die Region bringen, sehr viel Geld sogar - aber nur, wenn sie von regionalen Akteuren (wie örtlichen Energiegenossenschaften) und unter Beteiligung kommunaler Partner (wie die Städtischen Werke) entwickelt und betrieben werden.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für dezentrale Energietechnologien mit Sitz in Kassel (IdE), die in Kooperation mit der Uni Kassel von der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) in Auftrag gegeben wurde (siehe Kasten).

58 Mio. Euro Einnahmen 

Die Zahlen sprechen für sich: Allein ein Windpark der Größe der Anlage Söhrewald-Niestetal mit sieben Windrädern der Drei-Megawatt-Klasse kann der Region binnen 20 Jahren 58 Millionen Euro regionaler Einnahmen bescheren. Wird solch ein Windpark jedoch von überregional tätigen Wettbewerbern betrieben, schrumpft der Gewinn auf nur noch sieben Millionen Euro zusammen.

Heike Wetzel

Grund: „Die Praxis zeigt, dass externe Projektentwickler deutlich weniger Aufträge an regional ansässige Firmen vergeben - mit allen Negativfolgen für die Arbeitsmarktlage vor Ort mitsamt der Minus-Effekte auf Kaufkraft und kommunaler Steuereinnahmen“, sagt Prof. Heike Wetzel vom Institut für Volkswirtschaftslehre und Dezentrale Energiewirtschaft der Uni Kassel. Zudem suchten sich externe Entwickler in aller Regel keine lokale Bank zur Finanzierung aus. „Auch betreiben sie die Anlagen meist nicht selbst, sondern beauftragen deutschlandweit tätige Unternehmen“, sagt Wetzel. So flössen letztlich die Gewinne von Windparks in großen Teilen ab - nicht selten in internationale Investment-Fonds. „Bei einem Bürgerbeteiligungsmodell jedoch bleibt die Wertschöpfung aus Windkraftanlagen weitgehend der Region erhalten - und damit auch die Akzeptanz gegenüber den Windparks.“

Falsche Gewichtung 

Thorsten Ebert

SUN-Geschäftsführer Dr. Thorsten Ebert kritisiert in diesem Zusammenhang ganz offen die aktuelle Vergabepraxis des Landes Hessen für Windkraftflächen. Demnach beeinflusst derzeit die Höhe eines Pachtangebots zu 80 Prozent die Vergabeentscheidung. Nur zu 20 Prozent fließen Aspekte der Bürgerbeteiligung und der regionalen Wertschöpfung in die Auswahlentscheidung ein. „Dabei müsste es genau umgekehrt sein, will das Land Hessen tatsächlich wirksam und effektiv etwas für die Regionalentwicklung tun“, sagt Ebert.

1190 Arbeitsplätze 

Denn der Schatz, der hier zu heben sei, sei groß. „Rechnet man das Beispiel Söhrewald-Niestetal auf ganz Nordhessen mit einem Potenzial von etwa 270 Windkraftanlagen hoch, gingen der Region etwa drei Milliarden Euro verloren, wenn Windparks nicht durch örtliche Akteure und Partner entwickelt und betrieben würden - „ganz zu schweigen von den direkt und indirekt entstehenden rund 1190 Arbeitsplätzen, die in der Region sonst nicht entstehen würden“.

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