Ärztemangel wird politisch

Landkreis vergibt Arzt-Stipendien für Zusage, auf dem Land zu arbeiten

Längere Arbeitszeiten, mehr Patienten, größere Versorgungsgebiete auf dem Land: All das schreckt die beiden Stipendiatinnen Amelie Mathusek (links) und Manuela Möller nicht zurück. Insgesamt 30 Anwärter hatten sich bei der Kassel School of Medicine beworben, die beiden schnitten am besten ab. Foto: Naumann

Kreis Kassel. Mit einer Initiative will der Landkreis Kassel jetzt junge Ärzte an die Region binden. Um dem Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken geht der Landkreis neue Wege und vergibt erstmalig Stipendien an Medizin-Studenten der Kassel School of Medicine (KSM).

Die beiden sind jung, talentiert und haben überhaupt kein Problem damit, später einmal als Ärztinnen auf dem Land zu arbeiten. Amelie Mathusek aus Immenhausen, 22 Jahre alt, und Manuela Möller aus Welkers bei Fulda, 19 Jahre alt, sind die ersten angehenden Medizinerinnen aus der Region, die genau aus diesem Grund ein Stipendium des Landkreises Kassel bekommen haben.

Tatsächlich verpflichten sie sich damit, nach dem Studium und der anschließenden Facharztausbildung für mindestens fünf Jahre entweder als Fachärzte in Krankenhäusern oder als niedergelassene Ärzte in freien Praxen zu arbeiten. Ihnen macht es nichts aus, was für immer mehr Nachwuchsmediziner unvorstellbar zu sein scheint - längere Arbeitszeiten, mehr Patienten, größere Versorgungsgebiete auf dem Land. Beide fühlen sich eng mit ihrer Heimat verbunden und wollen sie später auch nicht missen.

„Wir wollen mit unserer Initiative dem drohenden Ärztemangel auf dem Land etwas entgegenstellen“, sagt Landrat Uwe Schmidt (SPD), wohl wissend, dass das Problem mit nur zwei Stipendien nicht gelöst werden kann (siehe Hintergrund). „Aber immerhin haben wir inzwischen die Gesundheitsversorgung auch als politisches Thema erkannt, bei dem wir lenkend eingreifen wollen“, sagt Schmidt.

Tatsächlich sei es inzwischen sehr schwierig geworden, Nachwuchsmediziner für ein Leben und Arbeiten auf dem Land zu begeistern, ergänzt Landkreissprecher Harald Kühlborn. Um an dieser Stelle nachzuhelfen, sei eine attraktive Form der Ausbildung gewählt worden. So werden beide Stipendiatinnen ihr Studium an der Kassel School of Medicine (KSM) absolvieren. Sie ist im Klinikum Kassel beheimatet und das Ergebnis einer engen Kooperation der Gesundheit Nordhessen Holding AG (GNH) mit der University of Southampton in England.

„Das englische Studienmodell ist besonders praxisorientiert“, sagt Karsten Honsel, GNH-Vorstandsvorsitzender und KSM-Geschäftsführer. Studiert werde zunächst zwei Jahre an der Uni in Southampton, bis es dann für drei weitere Jahre in die Kreiskliniken der GNH in Kassel, Hofgeismar und Wolfhagen ginge. 12.000 Euro pro Jahr kostet solch ein Stipendium.

Es ist genau diese Form der Ausbildung, die Amelie Mathusek und Manuela Möller wollen. „Ich arbeite lieber in einer kleineren, überschaubaren Klinik oder in einer Gemeinschaftspraxis auf dem Land, als in einem großen Komplex in anonymer Stadtumgebung“, sagt Manuela Möller. Diese Einstellung hat ihr zumindest bei der Bewerbung um das Stipendiat geholfen. Ob sie später als niedergelassene Allgemeinmedizinerin oder als Fachärztin arbeiten will, ist für sie noch offen.

Offen für den Landkreis ist es indessen auch, ob diese Form der Stipendienvergabe ein wirksames Mittel zur Vermeidung des absehbaren Ärztenotstandes auf dem Land sein kann. Zwar habe schon der Landkreis Fulda Stipendien dieser Art vergeben, und auch in Bayern gebe es inzwischen ein Stipendiatenprogramm des Landes. Doch ob das fruchte, sei erst in einigen Jahren erkennbar.

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