"Erlöse um gut 30 Prozent zurückgegangen"

Landwirtschaftliche Woche in Baunatal: Bauern klagen über Preiseinbrüche

+
Landwirtschaft ist ihre Leidenschaft: Karsten Schmal, neuer Präsident des hessischen Bauernverbands (von links), Erich Schaumburg, Chef des Kasseler Kreisbauernverbandes, Heinrich Heidel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaftliche Woche, Hildegard Schuster, Präsidentin des Landfrauenverbands, und Prof. Dr. Steffen Hoy von der Uni Gießen beim Auftakt zur Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal.

Baunatal. Ein schwächelnder Export landwirtschaftlicher Produkte, sinkende Erzeugerpreise und eine Konzentration im Einzelhandel, die die Erlöse weiter drückt. Zur Eröffnung der Landwirtschaftlichen Woche, zu der bis Donnerstag in der Baunataler Stadthalle 2000 Fachbesucher erwartet werden, zeichnete der Hessische Bauernverband ein tristes Bild von der wirtschaftlichen Situation der Landwirte.

Die Erlöse seien im abgelaufenen Jahr im Schnitt gut 30 Prozent zurückgegangen, sagte der seit Dezember neue Präsident des Verbandes, Karsten Schmal, während einer Pressekonferenz. „Die Situation hat sich dramatisch verschlechtert“, erklärte der Waldecker bitter.

Einbrüche seien sowohl bei der Vieh- und Schweinehaltung als auch beim Ackerbau und der Milchwirtschaft zu verzeichnen, sagte Schmal. Nordhessen sei wegen seines großen Anteils an Milchviehhaltung besonders betroffen. Bei Preisen unter 30 Cent, wie sie jetzt teilweisenur gezahlt würden, könne der Landwirt nicht mehr kostendeckend arbeiten. Besser sehe es nur bei der Bio-Milcherzeugung aus, erklärte der Bauernpräsident. Landwirte, die ohnehin in einigen Jahren ihren Job aufgeben wollten, überlegten sich jetzt, dies früher zu tun.

Protest der Milchbauern: Mit dieser Kuh machten die Landwirte vor der Stadthalle Baunatal auf ihre schwierige Lage aufmerksam.

In der Kasseler Region komme noch erschwerend hinzu, dass die Landwirte nicht einfach ihre Produktion ausdehnen könnten, sagte Erich Schaumburg (Niestetal), Vorsitzender des Kreisbauernverbands, auf Anfrage der HNA. Die Landwirte litten hier wegen des Bau-Booms unter zurückgehenden Ackerflächen. Heinrich Heidel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaftliche Woche, appellierte denn auch während seiner Begrüßung an die Kommunen, zunächst einmal die ungenutzten Brachflächen im Innenbereich zu nutzen und landwirtschaftliches Gelände zu schonen.

Bauernpräsident Schmal sieht aber auch Licht am Ende des Tunnels. Er hoffe, dass die Preise ab Mitte dieses Jahres wieder steigen und der Export von Agrarprodukten trotz des fortbestehenden Russland-Embargos wieder anziehen werde. Schmal hat sich außerdem auf die Fahnen geschrieben, das Image der deutschen Landwirte durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern.

Beispielsweise mit der Besichtigung von modernen Schweineställen und Ferkelzuchtbetrieben wolle man Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen. „Wir werden oft als Tierquäler hingestellt“, sagte Heidel. Der Bauernverband will enger mit der Wissenschaft zusammenarbeiten und für Transparenz sorgen, um solche Vorurteile abzubauen. Professor Dr. Steffen Hoy von der Universität Gießen sprach sich für mehr praxisorientierte Forschung in der Landwirtschaft aus. Zu deren Finanzierung sollten auch die Landwirte selbst einen Beitrag leisten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.