Ahle-Wurscht-Tag am 23. Oktober - Interview Chef der Grimmheimat

Kulturgut der Nordhessen: "Ahle Wurscht ist Heimatgefühl"

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Ihr zu Ehren wird gefeiert: Die Ahle Wurscht ist ein kulinarisches Kulturgut der Nordhessen und steht am 23. Oktober zum fünften Mal im Mittelpunkt.

Lohfelden. Wie hoch die „Stracke“ oder „Runde“ bei den Nordhessen im Kurs steht, zeigt sich immer an einem besonderen Tag im Jahr, dem Ahle-Wurscht-Tag.

Zum fünften Mal findet am Sonntag, 23. Oktober, von 11 bis 17 Uhr der Ahle-Wurscht-Tag auf dem Löwenhof in Lohfelden, Bachstraße 36, statt. Organisiert wird er von Markus Exner, Projektleiter der Grimmheimat Nordhessen. Wir sprachen mit ihm über die Ahle Wurscht und über die Bedeutung der Spezialität für Nordhessen.

Herr Exner, was hat die Wurst mit der Grimm-Heimat Nordhessen zu tun? 

Markus Exner: Die Ahle Wurscht ist Nordhessens kulinarischer Botschafter. Sie ist ein hochwertiges Gourmetprodukt, das es nur in der Grimm-Heimat Nordhessen gibt. Ihre Einzigartigkeit basiert auf dem glücklichen Zusammenwirken eines relativ kühlen und feuchten Mittelgebirgsklimas mit den in Lehm gemauerten Wurschtekammern der Fachwerkhäuser und einer langen Tradition von Selbstversorgerhaushalten. Die Ahle Wurscht kann man in Herstellungsart, Geschmack und Qualität nur hier produzieren.

Beobachten Sie bei den Menschen in der Region die Tendenz, sich wieder mehr ins Heimatgefühl zu stürzen? 

Exner: Ja, der Begriff „Heimat“ wird gerade von der jüngeren Generation wiederentdeckt. In einer globalisierten Welt, in Zeiten virtueller Räume und digitaler Vernetzung ist die Sehnsucht nach Orientierung, einer Zugehörigkeit und Verwurzelung größer denn je. Die Menschen wollen der Beliebigkeit, dem Austauschbaren etwas entgegensetzen. Sie wollen das Authentische erleben, das Unverwechselbare, und sie wollen regionale Produkte. Das Wissen, wo und wie etwas hergestellt wird, schafft Vertrauen und fördert die Zufriedenheit.

Setzt hier der Ahle Wurscht-Tag an? 

Exner: Wir klären auf, was in der Ahlen Wurscht steckt, welche Zutaten, woher das Fleisch kommt und wie es verarbeitet wird. In der echten Ahlen sind nur reine Gewürze, keine Geschmacksverstärker, Reifebeschleuniger oder Konservierungsstoffe. Das Fleisch kommt von Bauern aus der Region und stammt von schweren Wurstschweinen, gerne alte Rassen, und eben nicht von Tieren einer schnellen Masthaltung. Mit dem Genuss der Ahlen Wurscht kann ich Nordhessen sinnlich erleben, schmecken. Regionale Produkte und traditionelles Handwerk geben uns eben ein Stück Heimatgefühl.

Zur Person: 

Markus Exner (52), Projektleiter Grimm-Heimat Nordhessen, organisiert den Ahle-Wurscht-Tag zum zweiten Mal. Er ist auch selbst ein großer Fan dieser Spezialität. Seine Schauspielausbildung und ein Studium der Theaterwissenschaften absolvierte er in München. In Nordhessen hat er sich nicht nur als Theaterleiter der Komödie Kassel einen Namen gemacht, sondern auch durch ungewöhnliche Marketingkonzepte sowie das überregionale Projekt „Der Herkules besucht die Welt“.

Hintergrund: Das Geheimnis der Ahlen Wurscht

Die nordhessische Wurstspezialität geht auf traditionelle Hausschlachtungen zurück. Die Ahle Wurscht ist eine lang gereifte Rohwurst, eine Mettwurstspezialität aus Schweinefleisch. Jeder Metzger hütet sein eigenes, kleines Geheimnis der Herstellung. Aber zwei Dinge haben alle gemeinsam: Bei der Herstellung muss das Fleisch noch schlachtwarm sein, außerdem wird sie in Naturdarm gefüllt. Grundgewürze sind Salz, Pfeffer, Knoblauch, Salpeter und Zucker – jeder Fleischer hat aber sein eigene traditionelle, geheime Rezeptur. Die rund zusammengebundenen bezeichnet der Nordhesse als „Dürre Runde“, die geraden Würste als „Stracke“. Die Ahle Wurscht reift zwischen drei Monaten und einem Jahr in einem kühlen Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit. Deshalb sollte sie auch zu Hause in kühlen, dunklen Räumen aufbewahrt werden. (cge)

Der Ahle-Wurscht-Tag: 

Mitgliedsbetriebe des Fördervereins Nordhessische Ahle Wurscht sowie weitere regionale Erzeuger bieten ihre Wurst auf dem Löwenhof in Lohfelden an. Sie informieren über Zutaten, Reifezeiten und Geschmacksrichtungen. Zudem erläutert ein Fachvortrag um 13 und 15 Uhr die traditionelle Herstellung des „Schmeckewöhlerchens“. Fürs passende Brot und leibliche Wohl sorgen ein Bäcker sowie Löwenhof-Wirt Hans-Jürgen Fehr. Damit auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommt, setzen die Papa Belas Dixie Kings mit beschwingten Jazz-Klassikern der 20er- und 30er-Jahre den musikalischen Rahmen.

Aus dem Archiv: Der Ahle-Wurst-Tag 2012

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