Bluttat von Lohfelden: Messerattacke auf Flüchtling stellt Polizei vor Rätsel

Der Tatort: Auf der Crumbacher Straße an der Einmündung zur Straße am Fieseler-Werk wurde der 22-jährige Flüchtling am späten Abend des 6. Januar schwer verletzt aufgefunden. Er war dort niedergestochen worden. Von dem angeblichen Täter, einem Radfahrer mit Rucksack, fehlt trotz intensiver Fahndung jede Spur. Archivfoto: Malmus

Lohfelden. Fünf Wochen nach dem gewalttätigen Angriff auf einen 22-jährigen Flüchtling in Lohfelden steht die Polizei weiterhin vor einem Rätsel.

Bei den Ermittlungen zu der Tat, die sich am Abend des 6. Januar ereignete, sind die Beamten bislang keinen Schritt weitergekommen. „Es gibt keinen neuen Stand“, sagte Polizeisprecher Jürgen Wolf auf HNA-Anfrage.

Dabei war die Fahndung von Beginn an auf Hochtouren gelaufen. Beim Polizeipräsidium Nordhessen wurde eine Sonderkommission eingerichtet, die Staatsanwaltschaft Kassel setzte eine Belohnung von 3000 Euro aus.

Der Tathergang 

Die Erkenntnisse der Polizei stützen sich bislang fast ausschließlich auf die Angaben des Flüchtling, der am Tatabend gegen 22 Uhr von einem Autofahrer blutüberströmt auf der Crumbacher Straße/Einmündung Am Fieseler-Werk gefunden wurde.

Das Opfer, das erhebliche Verletzungen an der Schulter aufwies und laut Wolf noch immer im Krankenhaus behandelt wird, machte nur vage Angaben zu dem angeblichen Täter. Demnach näherte sich der Mann (jünger als 30, mit Rucksack) auf einem älteren Fahrrad. Wenig später verspürte der Flüchtling einen Schlag gegen den Rücken, der Radfahrer habe sich daraufhin in Richtung Marie-Curie-Straße entfernt.

Die Tatwaffe 

Am Morgen nach der Tat fanden Polizisten in der Nähe des Tatorts zwei Messer. Sie wurden kriminaltechnisch untersucht. „Die Messer sind nicht die Tatwaffen“, sagte Dr. Götz Wied, Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft, am Dienstag gegenüber dieser Zeitung. Auf ihnen seien „keine tatrelevanten Spuren“ gefunden worden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen laut Wied allerdings davon aus, dass dem Opfer die Verletzungen mit einem Messer beigebracht wurden. Die Waffe wurde allerdings nicht gefunden.

Die Zeugen 

Ihre Hoffnung setzten die Beamten auf einen Mann, der zum Zeitpunkt der Tat im Bereich der Crumbacher Straße seinen Hund ausgeführt hat. Dieser Zeuge hat sich nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Wied allerdings bis heute nicht gemeldet. Zwar seien auch andere Hinweise eingegangen, zu einer heißen Spur führten diese aber nicht.

Die Fahndung 

Bei der Fahndung bedienten sich die Ermittler der Soko „Fieseler“ einem bewährten Instrument: dem Plakat. In sechs Sprachen verfasst, wurde es in der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge im früheren Hornbach-Gartenmarkt in Lohfelden aufgehängt. Dort lebte das 22-jährige Opfer.

Die Einrichtung liegt etwa 300 Meter von dem Tatort entfernt im Lohfeldener Gewerbegebiet. Doch auch die Plakatfahndung führte zu nichts.

So geht es weiter 

Nach Angaben von Polizeisprecher Wolf wird zwar weiterhin ermittelt. „Der Fall wird nicht natürlich zu den Akten gelegt“, sagte Wolf. Weil alle relevanten Spuren und Hinweise durch die Beamten abgearbeitet wurden, werde die Soko aber demnächst aufgelöst.

Hinweise zu der Bluttat von Lohfelden nimmt die Kasseler Polizei weiterhin unter der Telefonnummer 0561/9100 entgegen.

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