Situation in Lohfelden katastrophal

Eltern klagen über marode Sport- und Schulhallen im Kreis Kassel

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Betreten verboten: Ein Schild an der Eingangstür der Halle der Regenbogenschule in Lohfelden (Wilhelm-Richter-Halle) weist auf die laufenden Arbeiten an der Halle hin

Kreis Kassel. Wer in Lohfelden beim Sporteln ein Dach über dem Kopf haben will, der hat Pech: Zum Schulstart nach den Sommerferien ist ein Großteil der Sporthallen in Lohfelden noch immer nicht nutzbar.

„Drei von vier Hallen in Lohfelden sind geschlossen“, sagt Familienvater Frank Bürger aus Lohfelden. Seine Tochter ist in der vergangenen Woche in die Regenbogenschule eingeschult worden. „Ihr Sportunterricht findet im Moment in der Schulaula statt.“ Er selbst spielt Tischtennis bei der  FSK Lohfelden und weiß: Auch die Vereine müssen wegen der Hallensituation umplanen.

„Keine Ausnahme“

Die Hallensituation in Lohfelden ist keine Ausnahme im Kreis, sagt Stephan Wassmuth, Vorsitzender des Kreiselternbeirats: „Im Großen und Ganzen sind alle Hallen im Altkreis marode, die Instandhaltung der Hallen ist ein großes Problem“, so Wassmuth, der ebenso in Lohfelden wohnt.

Den Zustand der Hallen in einer sportlich so aktiven Gemeinde wie Lohfelden nennt er katastrophal. „Wir klagen seit Jahren an, dass nicht genug Geld in die Hand genommen wird.“ Die für die Hallen zuständigen Träger, in diesem Fall ist dies der Landkreis Kassel, würden zu wenig Geld für die Unterhaltung einstellen. Das Beispiel der Söhreschule in Lohfelden zeige: „Wenn man an einer Halle über Jahre hinweg nichts macht, dann ist es eben irgendwann eine Bruchbude.“

Diese Aussage sei in ihrer Pauschalität nicht gerechtfertigt, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage. „Es gibt die eine oder andere Halle, an der etwas zu machen ist.“ Etwa sechs Millionen Euro ständen dem Landkreis pro Jahr aus Eigenmitteln für Schulen und Straßen zur Verfügung. Über zwei Millionen Euro habe man in diesem Jahr in die Sanierung von Hallen gesteckt – in etwa so viel werde auch im kommenden Jahr benötigt. Was möglich ist, könne man erst nach der Haushaltsplanung für 2017 sagen.

Der Schwerpunkt liege im laufenden Jahr auf der energetischen Sanierung. In vielen Hallen seien Heizung, Beleuchtung und Sanitäranlagen erneuert worden – andere Hallen, beispielsweise die der Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal, wurden komplett saniert. Eine Mehrfelder-Halle zu sanieren, koste um die 2,5 Millionen Euro, so Kühlborn. „Wir haben nicht das Geld, alle 53 Hallen im Kreis neu zu machen. Das machen wir peu à peu.“

Kreis setzt Prioritäten

Deshalb würden „im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten“ Prioritäten gesetzt. So hätten die Hallen Vorrang, deren Schulen den Sportunterricht auf besondere Weise in den Schulalltag einbinden. Etwa die Gustav-Heinemann-Schule in Hofgeismar, in der es extra Sportklassen gibt und Bewegung ein großer Bestandteil des Schullebens sein soll.

Eine Situation wie in Lohfelden gebe es im Kreis nicht noch einmal, so der Kreissprecher. Neben der Halle der Söhreschule sind derzeit die Sporthalle der Regenbogenschule (Wilhelm-Richter-Halle) und die Sporthalle Vollmarshausen nicht nutzbar. Einzig intakte Halle ist derzeit die Mehrzweckhalle, die neben der Söhrehalle steht, so Bürgermeister Uwe Jäger (SPD). Alle Hallen werden zum Schulsport, aber auch von Vereinen genutzt. Bis auf die Halle in Vollmarshausen ist der Landkreis als Schulträger zuständig.

Die Situation in Lohfelden

Die einzige Halle in Lohfelden, die derzeit nutzbar ist, ist die Mehrzweckhalle neben der Söhreschule. Die drei weiteren Hallen sind derzeit geschlossen.

Halle der Regenbogenschule 

Wegen eines Wasserschadens muss der Fußboden der Halle ausgetauscht werden. Ursprünglich hatte der Standort bereits zum Beginn des neuen Schuljahres fertiggestellt sein sollen. Der Schaden an der Fußbodenheizung habe sich als größer herausgestellt, als ursprünglich vermutet, erläutert Kreissprecher Harald Kühlborn. Durch das Dach war Wasser in die Halle eingedrungen – die Kosten von etwa 210 000 Euro zahlt die Versicherung. Nachdem durch Fachfirmen entfeuchtet wurde, werde nun gemessen, ob sich irgendwo Schimmel gebildet hat. Das Ergebnis der Messung werde wohl noch diese Woche vorliegen, so Kühlborn. Im nächsten Schritt müsse dann der neue Boden verlegt werden. Erst wenn der Termin dafür mit den Firmen vereinbart ist, kann man abschätzen, wann die Halle wieder nutzbar ist. Auf einem Zettel an der Tür steht lediglich: „Bis auf Weiteres geschlossen.“ Ein Schaden wie an der Halle der Regenbogenschule könne vorkommen, besänftigt Kreiselternbeirat Stephan Wassmuth. Beispielhaft für den Umgang des Kreises mit dem „Hallenproblem“ ist seiner Meinung nach die Söhrehalle.

Söhrehalle 

„Diese Toiletten würde privat kein Mensch mehr nutzen“, so Wassmuth. Besonders ärgert ihn, dass die Schäden an der Söhrehalle absehbar gewesen seien – so zum Beispiel ein Riss in der Decke der Halle. „Das hätte man längst angehen können.“ Die 1977 gebaute Sporthalle weist aber auch an vielen anderen Stellen Schäden auf. Eine umfassende Sanierung der Halle würde 1,5 Millionen Euro kosten. Da dafür das Geld fehle, beschränke man sich auf die Löcher und Wellen im Hallenboden, so Kreissprecher Kühlborn. Für 165 000 Euro werden der Hallenboden und der Prallschutz an den Seitenwänden erneuert. Geplant war die Fertigstellung bis Ende der Sommerferien, jetzt bis zum 28. Oktober.

Halle Vollmarshausen 

Für die Vollmarshäuser Halle ist die Gemeinde zuständig. Etwa 835 000 Euro sind laut Hast hierfür vorgesehen. Die Dachkonstruktion werde saniert, dann der Hallenfußboden und zudem müssten Brandschutzauflagen erfüllt werden. Geplant war, die Halle bis Dezember fertigzustellen. Zuletzt wurde der 1. März 2017 als nächstmöglicher Termin genannt.

 

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