Gegen die Langeweile: Pensionäre hacken mit Flüchtlingen Holz

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Kurze Pause, dann geht’s weiter: Die Mitglieder der Aktion „Lohfelden hilft“, Ottfried Nießner (links) und Heino Kirchhof (Dritter von links), haben mit Flüchtlingen Holz gehackt, darunter Omer (Zweiter von links) und Edlib (rechts) aus Syrien. Sie wurden unterstützt von Frank Stelljes von den Johannitern.

Lohfelden. Statt sich die Füße in der Erstaufnahme am ehemaligen Hornbach-Gartenmarkt zu vertreten, steht eine Gruppe von Flüchtlingen mit Axt und Beil im Kaufunger Wald.

Omer (39) aus Qamischli und Edlib (22) aus der Nähe von Aleppo in Syrien gehören dazu. Begleitet von Ehrenamtlichen hacken sie Holz. Es soll schließlich verkauft werden und der Erlös soll der Flüchtlingsarbeit zugutekommen.

„Man merkt, dass die Flüchtlinge zum Nichtstun verdammt sind“, sagt Heino Kirchhof (79). „Ohne Aufgabe einfach nur herumzusitzen, ist wie Folter“, stimmt ihm Ottfried Nießner (81) zu. Die beiden engagieren sich bei „Lohfelden hilft“ und sind unter anderem aktiv in der Gemeinschaft Agenda 21, die sich um einen nachhaltigen Umgang mit Natur einsetzt - eine Mischung, die sie auf die Idee brachte, Flüchtlingshilfe mit dem Umweltgedanken zu verknüpfen.

Ziel: Sinnvolles tun

„Wir haben beide ein erfülltes Leben hinter uns und wollen uns sinnvoll an der großen Aufgabe beteiligen“, erzählt Nießner. Mit „großer Aufgabe“ meint er den Zustrom an Flüchtlingen und deren Integration in die Gesellschaft. Im Hinterkopf habe man, dass sich nicht wiederhole, was vor 70 Jahren endete. „Wir müssen vorsichtig sein, dass sich die Stimmung nicht ins Gegenteil umkehrt“, so Nießner.

Mehrere Male waren die Pensionäre schon mit einer kleinen Gruppe von Flüchtlingen aus der Erstaufnahme in dem Waldstück. Das Holz hatten sie extra gekauft und sich um Arbeitskleidung und -geräte gekümmert.

Ihre Erfahrung mit den Flüchtlingen: „Sie wollen gar keine Pause machen.“ Was nicht verwundert, schließlich hatten die meisten in ihrer Heimat gut zu tun, waren berufstätig oder haben studiert. Omer zum Beispiel war im Gartenbau beschäftigt, Edlib studierte VWL.

Der gemeinsame Aufenthalt im Wald mache möglich, sich kennenzulernen - zumindest, so weit die Worte reichen. Denn die meisten sprechen kein Deutsch und oft nur wenige Brocken Englisch.

„Viele Klimaflüchtlinge“

Von der Tatkraft der Männer sind die beiden Pensionäre begeistert. Es gebe eben solche und solche, merkt Nießner an. So haben sich vor allem die Flüchtlinge zum Mithelfen gemeldet, denen man den Willen zur Integration anmerke. „Das hat uns Mut gemacht.“

Kirchhof sieht sich gewissermaßen in der Pflicht, die Neuankömmlinge zu unterstützen. Man müsse sich fragen, was die Menschen hierhertreibt. Ein Fluchtgrund seien Klimakatastrophen. Dazu passe die Verwertung des nachwachsenden Rohstoffes Holz sehr gut. Das in den vergangenen Wochen gehackte Holz muss nun aus dem Wald abtransportiert werden, um es danach auf Ofenlänge zu kürzen. Das getrocknete Holz soll dann über die Kirchengemeinde verkauft werden. Wann, werde dann über die örtlichen Mitteilungsblätter bekannt gegeben.

Hintergrund

Der Klimawandel macht Weltregionen unbewohnbar. Besonders betroffen sind die Sahelzone in Afrika, Bangladesch und viele Inseln im Südpazifik. 2007 prognostizierte die Umweltorganisation Greenpeace, es gebe in den nächsten 33 Jahren weltweit 200 Millionen Klimaflüchtlinge. Das sei in etwa auch so eingetreten, sagt Klimaexperte Karsten Smid auf HNA-Anfrage.

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