Interview mit Direktor Karl-Christian Schelzke

Hessischer Städte- und Gemeindebund: "Flüchtlinge über Werte informieren"

Lohfelden. Flüchtlinge müssen an Integrationskursen teilnehmen, sagt Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. Wir haben mit ihm über den Umgang mit dem Flüchtlingsstrom gesprochen.

Die millionenfache Zuwanderung und Integration von Flüchtlingen vor allem aus dem arabischen Raum wird in Deutschland bislang über das Asylrecht geregelt. Reicht das aus oder muss der Gesetzgeber den rechtlichen Rahmen erweitern? 

Karl-Christian Schelzke (65), Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes.

Karl-Christian Schelzke: Vor dem Hintergrund der hohen Flüchtlingszahlen ist es deutlich wichtiger, statt über Verschärfungen im Asylrecht zu reden, ein Zuwanderungsgesetz auf den Weg zu bringen. In dem neu zu schaffenden Integrationsgesetz muss der Grundsatz „Fördern und Fordern“ festgeschrieben sein. Dazu gehört etwa die verpflichtende Teilnahme an Integrationskursen. Wir benötigen keine Sonderregelungen für Flüchtlinge, sondern sollten die bisherigen Erfahrungen mit der Zuwanderungspolitik auf die wachsende Zahl der neuen Migrationsbewegungen anwenden.

In Lohfelden kündigten Sie an, der Landesregierung einen Vorschlag über die Unterrichtungsverpflichtung für in Hessen eintreffende Flüchtlinge zu unterbreiten. Unser Bundesland könnte so eine Vorbildfunktion übernehmen. Wie stellen Sie sich das konkret vor? 

Schelzke: Es geht bei den Integrationskursen nicht nur um den Spracherwerb, sondern auch um Informationen über die Aufnahmegesellschaft, ihre Kultur, ihre Wer-te, ihre Gesetze, ihre Alltagsregelungen. In der Regel sind die bei uns eintreffenden Flüchtlinge nur sehr unzureichend über unsere Lebenswelt, über unsere Werte und Normen informiert. Ich halte es daher für notwendig, dass ein entsprechender Informationsfilm produziert wird, der in den Erstaufnahmeeinrichtungen verpflichtend gezeigt wird.

Der Hessische Städte- und Gemeindebund fordert eine bessere finanzielle Ausstattung seiner Mitglieder, auch als Folge der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. Was erwarten Sie von Berlin und Wiesbaden? 

Schelzke: Die Integration hängt von finanziellen und von personellen Ressourcen ab. Die Unterbringung der Flüchtlingskinder in Schulen und Kindergärten und die gesellschaftliche Integration sind mit finanziellen Anstrengungen verbunden, die von den Kommunen nicht zu bewältigen sind. Je mehr Flüchtlinge in den größeren Städten aufgenommen werden, umso mehr besteht die Gefahr von Ghettos und Parallelgesellschaften. Ich halte es daher für sinnvoll, den ländlichen Raum derart finanziell zu unterstützen, dass dort erfolgreiche Integrationsbedingungen geschaffen werden.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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