Dampfüberhitzer reisen per Schwertransport von Lohfelden nach Indien

Lohfelden / Hann. Münden. Zwei riesige Dampfüberhitzer der Kasseler Firma Schmidtsche Schack verlassen in der Nacht von Samstag auf Sonntag Lohfelden. Ihr Ziel: Indien.

Sie sind zusammen fast 400 Tonnen schwer und so sperrig, dass sie für den Transport zerlegt werden mussten: Die Dampfüberhitzer der Kasseler Firma Schmidtsche Schack (Arvos GmbH) treten heute Abend ihre Reise nach Indien an. Sie sind für eine Kohlevergasungsanlage in Jamnagar bestimmt.

Drei bis vier Schwertransporte finden pro Jahr im Landkreis Kassel statt, sagt Ingo Pies von der Verkehrsinspektion des Präsidiums Nordhessen. Ein Transport in dieser Größenordnung sei eher selten - einmal im Jahr komme es dazu.

Vorbereitung 

Der Ablauf und die Organisation eines solchen Transports sind streng geregelt. Den Transport übernimmt die Schwerlastspedition Bohnet mit Hauptsitz in Kirchdorf bei Ulm. Bereits seit Mittwoch ist dessen Mitarbeiter Ulrich Böhmer in Lohfelden, um die Vorbereitungen zu begleiten. Gestern Mittag fuhr er ein letztes Mal die Strecke ab, auf der die beladenen Lkw heute Abend entlanggeführt werden.

Zwei Lastwagen, jeweils mit Zug und Anhänger, werden die Dampfüberhitzer transportieren - begleitet von Funkwagen der Polizei. Diese war am Mittwoch mit der Prüfgesellschaft Dekra in Lohfelden, um zu kontrollieren, ob alle Voraussetzungen für den Transport erfüllt sind. Die Genehmigung für den Transport umfasst etwa 40 Seiten. Dafür wurde die Ladung gewogen und auf die zulässige Achsbelastung der Fahrzeuge abgestimmt. Das Gewicht spiele auch eine Rolle für den Transport, erläutert Ingo Pies. Denn die Schwergewichte passieren auch die Werratalbrücke, deren Statik nicht gefährdet werden dürfe.

Transport 

In Lohfelden soll es gegen 19.30 Uhr losgehen. Über Vollmarshausen gehe es nach Kaufungen-Papierfabrik, wo die KVG zwei Oberleitungen hochziehen muss, damit die Lkw die Gleise überqueren können. Damit die Fahrzeuge schließlich bei Kassel-Nord auf die Autobahn fahren können, müssen sie zuvor um einige Zentimeter angehoben werden. Grund dafür sei ein Hubbel auf der Straße, sagt Pies. Ab 22 Uhr wolle man auf die Autobahn 7 fahren, wo die Lkw erst wieder gesenkt werden, um dann mit mindestens 60 km/h weiterzufahren.

Auf der weiteren Strecke werde der erste Lkw erfahrungsgemäß mehrfach anhalten müssen, um auf den zweiten zu warten, sagt Pies, dessen niedersächsische Kollegen ab Lutterberg die Begleitung übernehmen.

Mit Schiff nach Hamburg

Von der A 7 fahre man über die Abfahrt Hann. Münden/Hedemünden. Von dort über die Bundesstraße 80 an der Weser entlang bis zur Schwerlastplatte an der Weserumschlagstelle in Hann. Münden, die am rechten Weserufer gegenüber dem Weserstein liegt. Hier wartet das Binnenschiff MS Keisar, das die Dampfüberhitzer auf dem Wasserweg in den Hamburger Hafen und von dort aus nach Indien bringt.

Die wohl kritischste Stelle sei die Werratalbrücke, sagt Maren Anacker, die für die Firma Schmidtsche Schack die Faden in der Hand hält. Um die Brücke ordnungsgemäß zu passieren, werden die Lastwagen separat über die Brücke fahren, erklärt Pies. „Erst wenn der erste Lkw über die Brücke gefahren ist, bekommt der zweite das Zeichen zur Weiterfahrt“, so Pies, der das Gewicht der Lkw auf jeweils 350 Tonnen schätzt.

Bis Freitagnachmittag war unklar, ob es überhaupt zu dem Transport kommt. Grund dafür sind die Hangarbeiten an der Bundesstraße 80 in Hann. Münden. Hier sei die Fahrbahn verengt - hätte die Prüfung ergeben, dass die Breite nicht ausreicht, hätte der Transport nicht stattgefunden. Gegen 3 Uhr nachts wird der Transport an der Weser erwartet.

Am Sonntagmorgen gegen 8 Uhr werden zwei 400-Tonnen-Kräne aufgebaut, die die Teile ab 10.30 Uhr auf das Binnenschiff MS Keisar verladen. Damit das Schiff nicht auf Grund setzt, wird der Pegel der Weser auf 1,45 Meter angehoben. Dazu wird zeitweise mehr Wasser durch die Edertalsperre gelassen.

Einschränkungen im Verkehr

Wenn die beiden Lastwagen gegen 22 Uhr bei Kassel-Nord auf die Autobahn 7 fahren, wird der Verkehr einspurig an den Lastwagen vorbeigeführt. Mit Verkehrsbehinderungen rechnet die Polizei nicht. Sobald der Transport zwischen 22 und 23 Uhr an der Werratalbrücke angekommen ist, werde diese für etwa zehn Minuten gesperrt.

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