Anlieger-Fahrzeuge dürfen weiter fahren

Schilder hängen nun, aber: „Lkw-Verbot wird nichts bringen“

Eingeschränktes Lkw-Verbot: Antoine Otto und Lars Witzel (von links) von der Firma Verkehrsanlagenbau Führ brachten gestern acht Schilder an neuralgischen Stellen rund um Lohfelden an. Das Bild zeigt den Waldauer Weg in Richtung Lohfelden in Höhe der Otto-Hahn-Straße. Foto: Naumann

Lohfelden. Fast 20 Jahre haben Bürger aus Lohfelden gegen Lkw-Verkehr, Lärm und Abgase vor allem in den Ortsteilen Ochshausen und Crumbach gekämpft. Am Freitag wurden die lang eingeforderten Verbotsschilder für Lkw in Lohfelden aufgestellt. Doch richtig Freude kommt nicht auf.

„Diese Schilder werden nichts bringen“, sagt Heidi Rudolph von der Bürgerinitiative Ochshausen. „Das Lkw-Verbot ist eingeschränkt. Nach wie vor dürfen Anlieger durch die Ortskerne von Ochshausen und Crumbach fahren“, sagt Rudolph.

Genau das sei das Problem. „Es gibt Firmen, die diese Routen zwischen den Gewerbegebieten Kassel-Waldau und Kaufungen-Papierfabrik weiterhin und zu jeder Tages- und Nachtzeit nutzen werden, weil sie dort ihre Standorte haben“, sagt Rudolph. Es sei schlicht nicht nachvollziehbar, warum die Alternativroute über die A7 für diese Firmen nicht zumutbar sei. Rudolph: „Wirtschaftliche Interessen haben hier schon immer eine größere Rolle gespielt als Lebensqualität.“

Auch dem Gemeindeältesten Rudi Gippert (CDU) geht das Lkw-Verbot nicht weit genug. „Wegen dieser Einschränkung werden die Schilder keinen Effekt haben“, sagt Gippert, „schon gar nicht, wenn die Polizei nicht regelmäßig kontrolliert.“ So hat Heidi Rudolph bereits auf eigene Faust eine Petition an den Hessischen Landtag geschickt mit der Forderung nach einem totalen Fahrverbot für Lkw in Lohfelden. Ob etwas dabei herauskomme, sei noch nicht absehbar.

Acht Schilder aufgestellt

Bürgermeister Michael Reuter (SPD) sieht die Situation zunächst nicht ganz so dramatisch. „Ich freue mich, dass die Schilder jetzt aufgestellt worden sind. Wir haben nun die Gelegenheit zu prüfen, ob die Schilder tatsächlich die erwartete Relevanz zur Verkehrsreduzierung haben werden“, sagt Reuter. Allerdings werde man einige Zeit beobachten müssen, um belastbare Aussagen machen zu können.

Insgesamt acht Schilder mit dem Durchfahrtsverbotszeichen für Lkw wurden gestern in Lohfelden an neuralgischen Stellen angebracht (siehe Grafik). Unter jedem der Schilder hängt die Einschränkung: „Be- und Entlader in der Stadt Kassel und im Landkreis Kassel frei“. Damit dürfen Anlieger weiterhin die Ortsdurchfahrten entlang der Kreisstraßen K8 (Ochshäuser Dorfstraße), K10 (Eschweger Straße) und K11 (Waldauer Weg) nutzen.

Jahrelanges Ringen

Dem Aufstellen der Schilder war ein jahrelanges Ringen um die Reduzierung von Lkw-Verkehr in Lohfelden vorausgegangen. Erste Bürgeraktivitäten gab es bereits Mitte der 1990er-Jahre. „Von der Verwaltung sind wir lange nicht ernst genommen worden“, erinnert sich Gippert. Erst nach einer Bürgerversammlung im Jahr 2014 habe Bürgermeister Michael Reuter im November 2014 ein Fahrverbot für Lkw für die Gemeinde Lohfelden beantragt. Es gab zwei Verkehrszählungen von Hessen Mobil und schließlich die Genehmigung des Regierungspräsidiums, Schilder für ein eingeschränktes Lkw-Verbot aufzustellen.

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