Abenteuer für alle Beteiligten

Deutsch lernen ist schwer: „Dass is ain Abfel“

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Unterricht im Jugendzentrum: „Das ist ein Apfel“, sagt die pensionierte Lehrerin Edith Sucher (63), und bringt den Flüchtlingen aus Syrien im Jugendzentrum Lohfelden so die deutsche Sprache näher. Mohammad Sheab (21, von links), Alias Nalache (47) und Abdul Rhman Abdulbaki (38) schreiben die Worte von der Tafel ab.

Lohfelden. 150 Bürger greifen in Lohfelden als Ehrenamtliche Flüchtlingen unter die Arme und helfen ihnen dabei, die deutsche Sprache zu lernen.

„Ich komme aus du“, sagt Alias Nalache - und erntet ein Lächeln von Edith Sucher. Die pensionierte Kasseler Lehrerin verbessert den 47-jährigen Syrer, der in seiner Heimat einen Laden für Installationszubehör betrieben hat. Sein Geschäft wurde im Bürgerkrieg zerstört und ausgeplündert, nun ist er in der Flüchtlingsunterkunft Hornbach in Lohfelden gelandet und macht seine ersten holprigen Versuche in deutscher Sprache: „Where do you come from?“, fragt die 63-Jährige nach. Er versteht nicht.

Landsmann Abdul Rhman Abdulbaki (38), der als Finanzwirt bei der syrischen Zentralbank in Hama gut Englisch spricht, springt ihm zur Seite und übersetzt ins Arabische. „Ich komme aus Homs“, verbessert sich Nalache.

Deutschunterricht im Jugendzentrum Lohfelden, das ist ein kleines Abenteuer für alle Beteiligten. Doch es macht allen sichtlich Spaß. „Das ist ein Apfel“, sagt Edith Sucher, und hält die rote Frucht hoch. Die Männer sprechen nach: „Dass is ain Abfel“ und schreiben die Worte von der Tafel ab.

Auch Katja Schmidt (49) aus Lohfelden engagiert sich, den Flüchtlingen Deutsch beizubringen. Sie schreibt Begriffe des Alphabets an - Apfel, Ball, Computer, Daumen...

Mohammad Sheab ist dazu gestoßen. Der 21-Jährige aus Damaskus ist 2011 als Zwölftklässler aus der syrischen Hauptstadt geflohen und lebte dann drei Jahre im Libanon. Nun würde er gerne in Deutschland die Voraussetzungen schaffen, um ein Studium zu beginnen.

„Die Menschen sind sehr dankbar“, sagt Katja Schmidt. Sie hat sich für den Deutsch-Unterricht gemeldet, weil sie Zeit hat und helfen möchte: „Ich weiß, wie wichtig die deutsche Sprache für die Flüchtlinge ist.“

Rund 200 Bürger haben bisher bei der Gemeinde Lohfelden ihre Unterstützung angeboten, berichtet Maike Oertel, die seit der Eröffnung der Unterkunft Hornbach vor drei Wochen in der Gemeinde die Flüchtlingshilfe koordiniert. 150 kommen bisher zum Einsatz. „Das ist super angelaufen“, sagt sie voller Anerkennung. Und: „Wir sind nicht die Richter um zu beurteilen, warum sie gekommen sind. Jeder hat seinen Grund.“

Die Ehrenamtlichen sind bei der Essensausgabe aktiv, in drei Schichten geben sie ab 7 Uhr, 11 Uhr und 17 Uhr das angelieferte Essen aus. Sie verteilen Kleidung aus der DRK-Kleiderkammer. Sie betreuen die mittlerweile 50 Kinder in der Einrichtung. Sie stricken und basteln mit Frauen.

Auch die Kirchen und Vereine engagieren sich. So bietet der FSC Lohfelden sonntags ein Fußball-Training im Nordhessenstadion an. Auch in der Sporthalle Waldau wird gemeinsam Fußball gespielt. Der Schachverein will zum königlichen Spiel einladen.

Hilfe und Ideen sind willkommen

Etwa 200 Menschen haben sich in Lohfelden registrieren lassen, weil sie bei der Unterstützung der zurzeit 500 Flüchtlinge im früheren Hornbach-Gartenmarkt mitwirken wollen. Wer sich engagieren möchte:

Kontakt: Maike Oertel, Dienstag 13.30 bis 15 Uhr und Freitag 10 bis 12 Uhr im Rathaus, Tel. 0561/51102833 oder 0171/2041866, E-Mail an: wirhelfen@lohfelden.de

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