Schilder für Lkw-Durchfahrtsverbot: „Erleichterung gleich null"

Ist enttäuscht von seiner Gemeinde: Der Gemeindeälteste Rudi Gippert (75), Vertreter der Bürgerinitiative und CDU-Mitglied, wohnt direkt an der Kreuzung, die täglich viele Lastwagen passieren. Foto: Lischper

Lohfelden. Die Lohfeldener haben sich schon einiges einfallen lassen, um ihrem Ärger über den Lkw-Verkehr Luft zu machen. Jetzt werden Verbotsschilder aufgestellt - aber auch diese befriedigen nur bedingt.

Ein hohes Verkehrsaufkommen und Lastwagenfahrer, die rücksichtslos durch die örtlichen Straßen brettern - ein Ende des Streits um den Lkw-Verkehr in Lohfelden ist noch nicht in Sicht.

In den kommenden Tagen sollen die Verbotsschilder für Lkw über 3,5 Tonnen aufgestellt werden, teilte Kreissprecherin Ute Jäger auf HNA-Anfrage mit. Vertreter der Bürgerinitiative äußern sich dennoch ernüchtert - denn nach wie vor dürfen Be- und Entlader der Unternehmen mit Standorten vor Ort die Straßen befahren. Die seien aber das eigentliche Problem.

„Die Erleichterung ist gleich null“, sagt Anwohnerin Heidi Rudolph (73), die bislang als Sprecherin der Bürgerinitiative in Erscheinung getreten ist. „Ich fühle mich im Stich gelassen von der Gemeinde.“ Sie habe sich mittlerweile aus der Bürgerinitiative zurückgezogen - nach einem Jahr kämpfen ohne Erfolg. Auch Rudi Gippert (75), der sich bei der Einigung im November noch zufrieden geäußert hatte, sagt: „Man muss das jetzt erst mal so hinnehmen, aber so ganz begeistert sind wir nicht.“

Nachdem die erhebliche Lärmbelastung anhand von Messungen bestätigt worden war, hatten sich Vertreter der Bürgerinitiative, Mitarbeiter von Hessen Mobil und Regierungspräsidium (RP) sowie von Stadt und Kreis Kassel zusammengesetzt und entschieden: Das RP sperrt auf dem Gemeindegebiet von Lohfelden die Kreisstraßen 8, 10 und 11 für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen. Derzeit warte das Regierungspräsidium Kassel auf den Beschilderungsplan des Landkreises, teilte RP-Sprecher Michael Conrad auf HNA-Anfrage mit. Vom Kreis heißt es, morgen gebe es eine Ortsbegehung, um die Standorte der Schilder festzulegen.

Das Aufstellen der Schilder bringe keine große Entlastung, meint Heidi Rudolph, deren Garten an die stark befahrene Kreisstraße grenzt. Belastend sei nämlich der Verkehr, der sich zwischen Industriegebiet Waldau und Kaufungen Papierfabrik bewege. „Es geht uns um Lebensqualität und Gesundheit. Im Sommer im Garten zu sitzen, ist bei dem Lärm unerträglich.“

Ändern würde sich dieser Zustand nur, wenn die ansässigen Spediteure bereit wären, grundsätzlich die Umgehung über die A7 zu nehmen. „Der Lohfeldener Rüssel wurde doch extra gebaut. Warum nimmt man nicht den kleinen Umweg in Kauf?“ Das sei eine zumutbare Lösung. Was die ansässigen Unternehmen für zumutbar halten, will Bürgermeister Michael Reuter (SPD) in einem zeitnahen, nicht öffentlichen Gespräch mit Spediteuren und Vertretern der Bürgerinitiative feststellen. „Ich möchte das Verständnis bei den Spediteuren der Gemeinde und der Nachbarschaft suchen“, sagte er auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das sagen die Spediteure:

Die im Gewerbegebiet Kaufungen Papierfabrik ansässige Firma DB Schenker teilt auf HNA-Anfrage mit: „Für überregionale Transporte fahren die von der Schenker Deutschland AG beauftragten Lkw-Fahrer grundsätzlich direkt auf die nächstgelegene Autobahn. Für Anlieferung oder Abholungen bei unseren Kunden in Lohfelden - zu denen Supermärkte, Kleinunternehmen und auch Privatpersonen zählen -, sowie für Lieferungen ins benachbarte Kaufungen ist die Ortsdurchfahrt mit Lkw jedoch unerlässlich.“ Eine Sprecherin des ansässigen Lebensmittellogistikers Nagel-Group sagt, ihre Fahrer würden „regelmäßig trainiert und sensibilisiert“ für den Straßenverkehr. Dazu zähle auch die Benutzung zugelassener Strecken. Da die Verkaufsstellen wie Supermärkte, Discounter und Einzelhandel mit den Produkten ihrer Kunden versorgt werden müssten, seien Nagel-Lkw „auch in Zukunft in Lohfelden anzutreffen“.

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