Vorerst kein Energiezentrum in den Richter-Hallen

Lohfelden. Die Pläne für das seit Jahren geplante Energiezentrum in den Richter-Hallen in Lohfelden liegen auf Eis. Grund dafür ist die wirtschaftliche Situation der Solarbranche.

Im November 2011 meldete die HNA: „Die Richter-Hallen in Lohfelden werden zu einem Zentrum für erneuerbare Energien (ZEED) umgebaut.“ Doch wo einst ein Energiezentrum entstehen sollte, das Besuchern erneuerbare Energie erklärt, werden heute Kühler für Anlagen zur Gewinnung von Gas und Rohöl gefertigt. Denn die 2012 vom Fotovoltaikunternehmen Kirchner Solar Group aus Alheim (Kreis Hersfeld-Rotenburg) gekauften Richter-Hallen an der Langen Straße sind derzeit vermietet.

Die Firma Schmidtsche Schack in Kassel (früher Schmidt’sche Heißdampf), die seit 2014 zur Arvos GmbH gehört, nutzt die Hallen als Erweiterung ihres Hauptstandortes an der Ellenbachstraße, sagt Wolfgang Klecker, Leiter Geschäftsentwicklung und Kommunikation. „Sie bieten uns die Möglichkeit, Aufträge abzuwickeln und in die Zukunft zu planen.“ Zur Verfügung steht ihnen dafür eine Halle, die auf dem neusten Stand ist. Denn mit dem Ziel, aus den Richter-Hallen ein Energiezentrum zu machen, wurden sie vom Investor umfangreich saniert.

Allein in den vergangenen zwölf Monaten sei über eine Million Euro in Umbau und Sanierung der Hallen gesteckt worden, sagt Kirchner Solar-Geschäftsführer Lars Kirchner auf HNA-Anfrage. Man habe den „Löwenanteil“ der Sanierung der Langen Straße getragen, die komplette Fassade entlang der Langen Straße saniert und die Infrastruktur für Strom und Wasserleitungen erneuert. Aber: Die Pläne für das Energiezentrum liegen derzeit auf Eis.

Auf dem 32 000-Quadratmeter-Grundstück - einer Fläche von etwa fünf Fußballfeldern - sollte bereits bis Ende 2013 ein Marktplatz für neue Technologien rund um die Energieerzeugung durch Sonne, Wind, Biogas, Erdwärme und Elektromobilität entstehen - eine Art Besucherzentrum mit Dauerausstellung, wechselnden Messen und Veranstaltungen.

Begehbares Windrad, Probewohnen in einem „Energie Plus“-Haus, Tankstelle mit Sonnenstrom - die Ideen des Unternehmens, die aus dessen Aktivität in Forschung und Entwicklung resultieren, seien vorerst nicht umsetzbar, sagt Lars Kirchner. Grund sei der Einbruch der Solarindustrie, die sich noch immer auf einem „niedrigen wirtschaftlichen Niveau“ bewege. Deutschland befinde sich nicht mehr in der Vorreiterrolle wie noch vor fünf Jahren, ein Blick in die Zukunft sei schwierig. Dennoch: „Dass wir die Halle vermieten, ist eine Notlösung“, so Kirchner.

Für Bürgermeister Michael Reuter (SPD) ist die Idee „nicht grundsätzlich vom Tisch“. Er betont, dass die Fotovoltaikanlage als Bürgerbeteiligungsanlage auf dem Dach der Richter-Hallen zustande gekommen ist. Die weitere Nutzung der Halle „obliegt dem Eigentümer der Immobilie“, so Reuter.

Hintergrund

In den 60er- und 70er-Jahren waren in der etwa 30 000 m2 großen Industriehalle mehrere Firmen beheimatet, die viele Arbeitsplätze boten. Als der damalige Inhaber Harald Quandt das Gelände kleinteilig verkaufen wollte, beschloss die Gemeindevertretung 2006, den Komplex zu kaufen. Ideen zur Nutzung sollte ein Wettbewerb unter Architekturstudenten liefern. Aus einer Machbarkeitsstudie resultierte 2008 die Idee des Kompetenzzentrums für erneuerbare Energien. 2012 kaufte die Kirchner Solar Group die Immobilie, um diesen Plan in die Tat umzusetzen.

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