Kraftakt für alle Beteiligten

Tonnenschwere Dampfüberhitzer traten Reise von Lohfelden nach Indien an

Lohfelden. Eine schwere Reise im doppelten Sinne startete am Samstagabend in Lohfelden: Zwei tonnenschwere Dampfüberhitzer der Firma Schmidtsche Schack wurden transportiert. Ein Kraftakt für alle Beteiligten.

Aufgeregt läuft Ulrich Böhmer, Projektleiter der Schwerlastspedition Bohnet aus Kirchdorf bei Ulm, auf und ab. In dieser Nacht sollen zwei zusammen fast 400 Tonnen schwere Dampfüberhitzer der Firma Schmidtsche Schack (Arvos GmbH) nach Hann. Münden gebracht werden, wo sie dann per Schiff in Richtung Hamburger Hafen weiterreisen.

Doch noch ist nicht sicher, ob die beiden Kolosse ihre Reise wie geplant antreten können. Das Problem sind zwei Oberleitungen der Losseltalbahn. „Laut unserer Transportgenehmigung ist das Hochnehmen der Leitungen nicht nötig“, sagt Maren Anacker (Schmidtsche Schack). Das Absenken der Lkw mit einer Höhe von etwa 4,15 Meter sei ausreichend, um gefahrlos darunter hindurchzufahren, betont sie. Die Polizei ist nicht sicher - die Angelegenheit muss vor Abfahrt mit der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) geklärt werden. Kurze Zeit später heißt es glücklicherweise: Es passt. Die Leitungen werden für die Durchfahrt nur abgeschaltet.

Bevor die Reise an den Richterhallen in Lohfelden tatsächlich starten kann, sind jedoch noch einige Vorbereitungen nötig, um die überdimensionale Fracht sicher auf die Straße zu bringen. Während der ADAC die Falschparker abschleppt, demontieren Mitarbeiter vom Baustellen-Absperr-Service Verkehrsschilder, die im Weg stehen.

Kurz vor der Abfahrt: Bevor es losgehen konnte, verkuppelte Fahrer Ottmar Längst Lkw und Anhänger miteinander. Später wurden alle Verbindungen noch einmal überprüft.

Ottmar Längst, einer der beiden Fahrer, verkuppelt in der Zeit den Lkw mit dem Anhänger und beantwortet geduldig die Fragen der Passanten. Regina und Dieter Werner sind aus Kaufungen gekommen, um die Aktion live mitzuerleben. Sie hätten in der Zeitung davon gelesen und wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen, sagt das Ehepaar. Mit eineinhalb Stunden Verspätung setzen sich dann die beiden Kolosse auf insgesamt 320 Reifen kurz hintereinander - begleitet von der Polizei - in Bewegung.

„Wir begleiten viele Schwertransporte, aber in dieser Dimension im ländlichen Bereich ist es auch für uns etwas Besonderes“, betont Hauptkommissar Hermann Kohlhase. Im Schritttempo rollt das erste 53 Meter lange Ungetüm von seiner Parkposition um die enge Kurve auf die Lange Straße. Die vielen Schaulustigen fachsimpeln währenddessen, ob es wohl passt. Hier ist Millimeterarbeit gefragt - für Ottmar Längst kein Problem. Nachdem die beiden Fahrer das erste Hindernis bravourös gemeistert haben, führt der Weg nun weiter nach Vollmarshausen und von dort nach Kaufungen Papierfabrik. An der Auffahrt Kassel Nord geht es dann auf die Autobahn Richtung Hann. Münden.

Da das Bugruder des Binnenschiffes defekt ist und erst repariert werden muss, werden die beiden Dampfüberhitzer nun noch ein paar Tage in Hann. Münden bleiben, bis die Reise weiter nach Hamburg und von dort nach Indien geht.

Hintergrund: Reise wird sich verzögern

Trotz des reibungslosen Starts des Schwerlasttransports in Lohfelden wird sich die Reise der Dampfüberhitzer verzögern. Der Grund dafür liegt zum einen in einem Messfehler: Das Gewicht der Bauteile wurde bei der Messung in Lohfelden für leichter befunden als es tatsächlich ist. Das heißt: Die Ladung war bei einem Wasserstand von ungefähr 1,35 Meter auf der Weser zu schwer für die MS Keisar.

Zudem ist bei der MS Keisar, die die Bauteile zum Hamburger Hafen bringen soll, ein Schaden entstanden. Offenbar beim Wenden in der Nähe des Wesersteins ist ein Bugseil beschädigt worden, sagte Maren Anacker, Projektmanagerin der Firma Schmidtsche Schack. Dieser Defekt muss behoben werden, deswegen kann derzeit nicht genau gesagt werden, wann die MS Keisar auslaufen kann.

Schwertransport von Lohfelden nach Indien 

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