„Unsere Verbindung zur Welt“

Lossetalbahn verkehrt seit zehn Jahren zwischen Kassel und Hessisch Lichtenau

Betrachten die Lossetalbahn als erfolgreiches Gemeinschaftswerk: Die Geschäftsführer der Regionalbahn Kassel GmbH (RBK) Dr. Thorsten Ebert (links), Chef der KVG, und Veit Salzmann, Geschäftsführer der Hessischen Landesbahn (HLB). Foto: Lischper

Kassel/Hessisch Lichtenau. Dicht an dicht drängten sich neugierige Besucher bei der Jungfernfahrt der blauen Lossetalbahn von Hessisch Lichtenau nach Helsa.

„Kalt war’s, aber die Sonne hat geschienen“, erinnert sich Hessisch Lichtenaus Bürgermeister Jürgen Herwig (SPD) im Betriebshof der KVG in Kassel. Zum zehnjährigen Bestehen der Lossetalbahn-Strecke wurde die blaue Bahn in Form einer Torte aufgegessen.

Am 28. Januar 2006 war der vierte Abschnitt zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau eröffnet worden und damit die 22 Kilometer lange Strecke zwischen Hessisch Lichtenau und Kassel komplettiert. „Nach der Stilllegung der Waldkappeler Bahn bedeutete der Betriebsbeginn nach 21 Jahren wieder den Anschluss der Lossetalgemeinden an den Personennahverkehr“, so Herwig.

Für das Ehepaar Ariane und Edmund Pliefke aus Hessisch Lichtenau bedeutete das eine Erleichterung. „Die Lossetalbahn ist unsere Verbindung zur Welt, also nach Kassel“, sagt Edmund Pliefke, der die Bahn einmal in der Woche nutzt. Auch seine Frau genieße die Flexibilität.

Jahreskarten-Besitzerin Michaela Ullrich aus Hessisch Lichtenau bietet die Bahnverbindung Entlastung im Alltag. „Seit zehn Jahren fahre ich täglich von Heli nach Kassel zur Arbeit.“

Anderthalb Jahre war an dem letzten Streckenabschnitt gebaut worden. Die Erschließung der Trasse sei nicht ganz unkompliziert gewesen, erzählt Herwig. Helsas Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) nennt den Kammmolch als Beispiel, wegen dem die Gleise aufgeständert werden mussten, um dem Tier den Balzsprung auch weiterhin zu ermöglichen.

KVG-Chef Dr. Thorsten Ebert bezeichnet die Lossetalbahn trotz verschiedener Hürden und Probleme als Erfolgsprojekt. 1998 erwarb man den Abschnitt bis Hessisch Lichtenau von der Deutschen Bahn zum symbolischen Preis von einer D-Mark (50 Cent). „Das war eine einmalige Sache“, sagt er. Hintergrund sei damals die Umwandlung der Deutschen Bahn in eine Aktiengesellschaft gewesen.

Und die Zukunft der Lossetalbahn? Man arbeite an dem Thema Geschwindigkeit, sagt Ebert, „aber das ist schon sehr komplex“. Weil die größtenteils eingleisige Strecke neben der Straßenbahn auch von Eisenbahnen befahren werde, sei der Begegnungsverkehr ein großes Problem.

„Es wird keinen großen Knall geben und plötzlich fährt die Bahn ein paar Minuten schneller.“ Das sei ein schrittweiser Prozess.

Relevanter sei ohnehin die Zuverlässigkeit der Verbindung: „Uns darauf zu 98 Prozent verlassen zu können, ist uns wichtiger, als die Fahrgäste schneller ans Ziel zu bringen.“

Das sagt der Bürgermeister

Hessisch Lichtenaus Bürgermeister Jürgen Herwig (SPD) ist von der Lossetalbahn überzeugt: „Ich habe eine chronische Bronchitis und fahre oft zur Nordsee – und das meist mit dem öffentlichen Nahverkehr. Ich steige dann in Hessisch Lichtenau ein, in Kassel-Wilhelmshöhe um in den ICE nach Cuxhaven und dort mit dem Bus zur See. Und wenn ich von meiner Reise zurückkehre, freue ich mich als Bürgermeister immer ganz besonders, wenn auf der Tram am Bahnhof steht: Hessisch Lichtenau. Mein Haus steht 50 Meter von der Wendeschleife entfernt und wenn ich abends manchmal draußen sitze und die Straßenbahn sehe, dann macht mich das glücklich.“

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