Messerattacke in Vellmar: Revision vor Landgericht

Vellmar. Ging es um eine Lektion für das Opfer, wie es der Angeklagte darstellt, oder um einen versuchten Totschlag?

Mit dieser Frage befasste sich die 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel auch am dritten Verhandlungstag um die Messerattacke, bei der Ende Juni 2013 ein türkischstämmiger Mann von zwei Angreifern mit fünf Stichen lebensgefährlich verletzt worden war. Das Opfer überlebte; einer der Täter steht seit Mitte Dezember vor Gericht. Am Montag will die Jugendstrafkammer die Schwester des 22-jährigen Angeklagten als Zeugin hören.

Das Opfer, zur Tatzeit verheiratet und doppelt so alt wie die Schwester, habe diese vergewaltigt. Das will der Angeklagte am Tattag erfahren haben. Schon länger missbilligte er die Beziehung seiner Schwester zu dem deutlich älteren Mann.

Beim Prozessauftakt sagte der Angeklagte, ein breitschultriger, sehr erwachsen wirkender 22-Jähriger im dunklen Anzug mit hellblauem Hemd und rosé-blau-weiß gestreifter Krawatte: „Ich fühle mich als einziger männlicher Schutz meiner Familie.“

Auch deshalb werde er die Identität seines Komplizen nicht preisgeben, der mit ihm gemeinsam dem Opfer vor dessen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Vellmar auflauerte.

Im März 2014 war der junge Mann von einer anderen Kammer des Landgerichts wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Auf die von ihm eingelegte Revision hob der Bundesgerichtshof dieses Urteil auf und beanstandete, dass nicht geprüft worden sei, ob der junge Mann freiwillig von der Tat zurückgetreten sei, als er das Opfer blutend und schwerstverletzt zurückließ und mit seinem Komplizen flüchtete.

Für die Annahme der Freiwilligkeit sei allein der Umstand entscheidend, dass der Täter nicht mehr habe erreichen wollen, sagte Richter Volker Mütze am ersten Prozesstag. Das zu prüfen, ist jetzt Aufgabe des Gerichts.

Von Andrea Liese

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