Mit Umfrage

Milchbauern im Landkreis kritisieren geplantes Hilfsgeld

Der Milchpreis fällt: Molkereien zahlten den Bauern pro Liter Milch derzeit zwischen 17 Cent in Norddeutschland und 29 Cent in Bayern. Foto:  dpa

Kreis Kassel. Weil der Milchpreis immer weiter sinkt, soll es für die Bauern jetzt mehr als 100 Mio. Euro Soforthilfe vom Bund geben. Das wurde beim sogenannten Milchgipfel mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) entschieden. Die Landwirte im Kreis Kassel sind damit nicht zufrieden.

Bei deutschlandweit rund 75 000 Betrieben seien das rund 1333 Euro pro Betrieb, sagt Helmut Flörke, Milchbauer aus Wolfhagen. „Das ist Quatsch.“ Für ihn ist der Knackpunkt der Literpreis: Von der Molkerei Deutsches Milchkontor (DMK) bekommt Flörke derzeit 21 Cent für den Liter Milch, 35 Cent müssten es allerdings sein, um davon leben zu können.

Er mache derzeit „einen ziemlichen Verlust“. Wie viele andere Milchbauern auch habe er die Produktion ausgeweitet, um überhaupt auf sein Einkommen zu kommen. „Jetzt lege ich drauf.“ Von einer Quote halte er deshalb nichts. Große Discounter wie Aldi und Lidl müssten etwas an ihrer Preispolitik ändern, sonst passiere überhaupt nichts, sagt er.

Die versprochenen 100 Mio. Euro „sind ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt auch Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Kassel. Verluste, die pro Betrieb bei bis zu 7000 Euro monatlich lägen, könnten damit nicht ausgeglichen werden. Ob das Geld „eins zu eins“ bei den Bauern ankomme, sei unklar. „Das bringt uns nicht grundlegend weiter“, sagt er.

Er sieht den Staat in der Pflicht, der das Kartellrecht nutzen müsse, um gegen das „Marktungleichgewicht“ durch Märkte wie Aldi, Lidl und Edeka vorzugehen. Das müsse man endlich angehen. „Aber auch die Molkereien müssen ihre Hausaufgaben erledigen“, sagt Schulte-Ebbert. Diese müssten die Milchmengen selbst regulieren und, so sagt er, „für zu viel gelieferte Milch einen anderen Preis zahlen“.

Von Julia Renner

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