Abgelegener Standort ist das Problem

Museum Währungsreform: Leiter Bernd Niesel fürchtet um Fortbestand

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Das Museum Währungsreform im Haus Posen in Fuldatal.

Fuldatal. Die Vorzüge von einst erweisen sich heute als Problem. Auf diesen Nenner bringt Bernd Niesel, Leiter des Museums Währungsreform, die Situation der Einrichtung im Haus Posen.

Denn er fürchtet um den Fortbestand des historischen Ortes. Die Eigentumsverhältnisse seien noch immer ungeklärt und mit ihnen auch die Frage, ob und wie es mit dem Museum weitergehe. Noch ist der Bund Eigentümer des Hauses. Will es aber der Gemeinde Fuldatal, derzeit Mieter des Gebäudes, für einen symbolischen Betrag übereignen. Ob es soweit kommt, scheint derzeit fraglich.

Damals, 1948, fand in dem Haus unter strengen Sicherheitsvorkehrungen das Konklave deutscher und amerikanischer Sachverständiger statt, bei dem die D-Mark aus der Taufe gehoben wurde. Das Gebäude wurde gewählt, "weil es auf dem ehemaligen Kasernengelände der Wehrmacht gut versteckt lag", sagt Niesel.

Gut versteckt und praktisch von der Außenwelt abgeschnitten, dies treffe heute wieder zu. Nachdem die letzten Bundeswehrsoldaten vor zwei Jahren abzogen, folgt eine zivile Nutzung schleppend, ist das Gelände der heutigen Fritz-Erler-Anlage nicht frei zugänglich. Wer das Währungsmuseum besuchen will, muss sich bei Niesel anmelden  0561/8202442  der dann das Eingangstor und das Haus Posen aufschließt.

Immerhin 20 Besuchergruppen empfing Niesel in diesem Winter an Tagen, an denen Eis und Schnee dies nicht verhinderten. Letzten Samstag und vorgestern hielt er wieder Vorträge vor Besuchern des geschichtsträchtigen Ortes. "Vorher drehe ich die beiden Industrieheizlüfter hoch." Nach zwei Stunden Vortrag krieche die Kälte im Dachgeschoss aber die Beine hoch, "das ist die Schmerzgrenze", sagt der Museumsleiter.

"Mein Herzblut lässt eine andere Sache gefrieren", betont Niesel. Solange die Bundeswehr sich um Haus Posen und das seit 1993 öffentlich zugängliche Museum kümmerte, "haben sich auch die lokalen Politiker mit dem besonderen Ort gebrüstet". Aber jetzt, wenn sie es selber verantworten müssten, "machen sie einen Rückzieher".

Auch Falk Kössinger, Sohn des verstorbenen Museumsgründers Alfons Kössinger, fürchtet "um den historischen Ort, die Wiege der D-Mark, die eng mit dem wirtschaftlichen Wohlstand Deutschlands zusammenhängt".

Dank Heizlüftern und Frostwächtern für die Wasserleitung vom Wassertank im Keller zur Toilette im Dachgeschoss habe das Haus den Winter trotz einiger Schäden gut überstanden, sagt Niesel. Und hofft mit den Besuchern selbst aus den fernen USA, die ins Gästebuch schreiben: "Das Währungsmuseum muss erhalten bleiben.

Von Michael Schräer

Das sagt die Bürgermeisterin

Die Gemeinde steht zu dem Museum Währungsreform, sagt Bürgermeisterin Anne Werderich. Derzeit werde eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Die solle zum Beispiel klären, was eine Sanierung des Hauses kostet, wie das Gebäude genutzt und wie das Museum auch unter pädagogischen Aspekten gestaltet werden kann. Werderich sieht durchaus Chancen für den Erhalt des Museums, wenn erst die Erler-Anlage durch Betriebe belebt und wie geplant durch eine öffentliche Buslinie erschlossen sei.
Das Museum stoße außerhalb Fuldatals auf höchstes Interesse. Es hat am Standort den größten Wert. Es aufzugeben, sei die schlechteste aller Möglichkeiten. (mic)

Fraktionen bekennen Farbe

Es waren die Entscheidungen zum Haushalt 2010, mit denen die Fraktionen der Fuldataler Gemeindevertretung beim Haus Posen und dem Museum Währungsreform Farbe bekannten. Und danach steht es eher schlecht um die Zukunft des Museums. Lediglich die FDP sprach sich uneingeschränkt für seinen Erhalt am Standort aus.
Die Koalition aus SPD und Grünen wollte eine Verpflichtungsermächtigung für das Haus Posen über 110 000 Euro zunächst nicht eingehen. Ein weiteres Vorgehen soll nach einem Museumskonzept beschlossen werden. Vielleicht müssten die Exponate aus dem Wald geholt und an anderer Stelle gezeigt werden, hieß es.
Die CDU wollte besagte 110 000 Euro komplett streichen. Eine teure Sanierung sei nur ein erster Schritt, mit dem Museum kämen weitere Kosten auf die Gemeinde zu, die sie sich nicht leisten könne.
Fuldatal häuft zu einem bestehenden Millionendefizit jährlich neue Fehlbeträge an.
Die FWG machte ihre Position unmissverständlich klar: Das Haus Posen brauchen wir nicht, es ist ein Klotz am Bein, hieß es aus den Reihen der Fraktion. (mic)


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