Nach 40 Jahren: Partnerschaft Eschenstruth / Krimpen aan de Lek (NL) löst sich auf

Die Erinnerungen bleiben: Gerhard Klinge, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Eschenstruth, pflegt zu dem Vorsitzenden der Stiftung Jumelage der Gemeinde Krimpen aan de Lek, Jan van de Vrie und dessen Frau Ada (kleines Bild) ein freundschaftliches Verhältnis. Fotos: Lischper

Helsa / Nederlek. Sie feiern ihre 40-jährige Partnerschaft und beenden sie zugleich: Der Helsaer Ortsteil Eschenstruth und der Ortsteil Krimpen aan de Lek in den Niederlanden.

Vielleicht wird es das letzte Mal sein, wenn heute etwa 65 Niederländer aus Eschenstruths Partnergemeinde Krimpen aan de Lek nach Nordhessen kommen.

Vor 40 Jahren haben sich der Helsaer Ortsteil Eschenstruth und der Ortsteil Krimpen aan de Lek der niederländischen Gemeinde Nederlek verschwistert. Nach mehr als 60 gegenseitigen Besuchen löst sich der Verein nun auf, weil der Nachwuchs fehlt.

Gerhard Klinge, seit 2002 stellvertretender Vorsitzender und seit 2014 Vorsitzender der Vereinigung, hat mit seinen beiden Vorstandskollegen Gisela Blumenstein und Ottfried Manns ein Wochenende geplant. Er sei schon etwas aufgeregt, erzählte er wenige Tage zuvor, schließlich solle die letzte Zusammenkunft besonders schön werden.

Es sei enorm, wie viele Treffen zusammengekommen sind, sagt Klinge. Besonders in Erinnerung bleibe ihm der Besuch der Helsaer in Holland im Juni 1998: Bei einem Ausflug zur Feuerwehr wurde in einer Schreinerei gegrillt. „Das wäre hier gar nicht zulässig“, sagt er und schwärmt von der Gelassenheit der Niederländer und ihrer Gastfreundschaft, in der die Geschichte der beiden Länder nie eine Rolle gespielt habe. „Die Niederländer lieben den Wald und die Berge und wir freuen uns immer auf das Meer.“ Gemeinsamkeiten boten stets die Musikzüge, Chöre und die Freiwillige Feuerwehr - gemeinsame Auftritte und Übungen gehörten zum Besuch. Bis zu 80 Personen nahmen an den gegenseitigen Ausflügen teil.

Spendenkonto eingerichtet

Dass sich der Verein nun auflöse, liege an dem Vorstand, der größtenteils über 70 Jahre ist. Jetzt seien junge Leute gefragt. Die müssten allerdings in die eigene Tasche greifen, seien die EU-Fördermittel für die Pflege von Partnerschaften doch „flachgefallen“. Damit ein zukünftiger Austausch nicht an den Finanzen scheitert, will der Eschenstruther Kirchenvorstand jetzt ein Spendenkonto einrichten, sagt dessen Mitglied Wolfgang Zielke. „Wir wollen das nicht versanden lassen. Die jungen Leute, zum Beispiel unsere Konfirmanden, sollen die Verbindung halten können.“

Wenn auch die offizielle Vereinigung nun aufgelöst wird: Die Freundschaften, die sich in 40 Jahren gebildet haben, bleiben, merkt Klinge an.

Die Gospelchöre „Rejoice“ und „The Chariot Gospel Singers“ der Partnergemeinden treten am Samstag ab 20 Uhr in der Thomaskirche in Eschenstruth auf.

Hintergrund

Wie es zu der Begegnung der beiden Ortsteile gekommen ist, ist schon eine Geschichte für sich. Mit einer Kontaktanzeige hatte sich der Gründer und langjährige Vorsitzende Fritz Linge 1973 an den Rat der Gemeinden Europas gewandt. Er leitete den Musikzug des TSG Eschenstruth und suchte nach einem „Ort im Ausland, möglichst am Meer gelegen, wo es einen Musikzug gibt“. Zeitgleich suchte auch die niederländische Gemeinde über den Rat der Niederländischen Kommission in Maastricht eine Partnergemeinde. Im Juni 1976 wurde die Verschwisterung besiegelt.

Der Vorstand bis zuletzt: Gerhard Klinge (Vorsitzender), Gisela Blumenstein (Schriftführerin) und Ottfried Manns (Kassierer).

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