Naturschutz stand im Mittelpunkt beim Dialog-Forum des RP

Aspekte des Naturschutzes spielen bei der Festlegung von Vorrangflächen für Windparks eine große Rolle. Unser Bild zeigt den Windpark im Söhrewald von Kassel-Niederzwehren aus gesehen. Archivfoto: Malmus

Kreis Kassel. Wie können die Interessen von Mensch und Natur unter einen Hut gebracht werden? Das Naturschutz-Dialog-Forum des Regierungspräsidiums hat versucht, auf diese Frage eine Antwort zu finden.

Wie werden Windparks mit Blick auf den Naturschutz geplant? Was wird getan, um für die Beseitigung von Abfallprodukten aus der Kali- und Salzproduktion einen Ausgleich für die Natur zu schaffen? Was kann gegen das allgegenwärtige Artensterben in der Region unternommen werden? Fragen wie diese standen im Fokus des Naturschutz-Dialog-Forums des Regierungspräsidiums Kassel, zu dem Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke anerkannte Naturschutz-, Bauern-, Waldbesitzer-, Jagd- und Fischereiverbände eingeladen hatte.

Wichtigstes Ergebnis des Treffens: Der Dialog zwischen den einzelnen Akteuren und der Behörde ist der Schlüssel, um effektiv die Interessen von Mensch und Natur unter einen Hut zu bekommen. Handlungsbedarf - das zeigte das Forum auch - besteht allemal.

Beispiel Artensterben: „Von 240 Tier- und Pflanzenarten in der Region sind inzwischen über 80 Arten extrem gefährdet - Tendenz steigend“, sagte Diplom-Biologe und RP-Mitarbeiter John Barz, der in der Behörde im Rahmen der Hessischen Biodiversitätsstrategie für die Umsetzung verschiedener Artenschutz-Projekte zuständig ist. „Wir können lokal begrenzt etwas unternehmen. Doch das Problem bleiben die großen Flächen. Da kommen wir nicht ran“, sagte Barz.

Jochen Wulfhorst von der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in Hessen sowie Reinhard Kolb von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz machten dafür die Landwirtschaft verantwortlich. Zu hoher Stickstoffeintrag und das Fehlen von Rückzugsgebieten seien wesentliche Gründe für den Artenrückgang im Bezirk.

Dass anderswo durchaus sinnvoll geplant werden kann, zeigte Arno Schütz von der Naturschutzbehörde. Mit Blick auf Ausgleichsflächen für die Beseitigung von Abfallprodukten aus der Kali- und Salzproduktion erklärte er, wie ehedem landwirtschaftlich genutzte Flächen in vielseitig strukturierte Landschaften mit großer Biotop-Vielfalt umgewandelt werden können.

Welch planerischen Aufwand das RP bei der Realisierung von Windkraftanlagen betreibt, zeigten Susanne Linnenweber, zuständig für die Teilregionalplanung Energie, und Dietrich Vahle, Leiter der Oberen Naturschutzbehörde. So kämen in Hessen nur zwei Prozent der Fläche für den Bau von Windkraftanlagen infrage.

„Die Ausschlusskriterien mit Blick auf den Naturschutz und die Erträglichkeit für den Menschen sind hoch gehängt“, erklärte Linnenweber. Dennoch seien im Regierungsbezirk inzwischen 151 Anlagen genehmigt worden. „In puncto Energiewende sind wir auf einem guten Weg.“ Dietrich Vahle erklärte mit Blick auf Windräder, wie der Vogelschutz (Rotmilan) Einzug in die Planungsarbeit nimmt. „Wir nutzen das Avifauna-Gutachten, das Helgoländer Papier, den Hessischen Leitfaden für Windkraft und Naturschutz und vor Ort gesammelte Daten als Quellen, um Vogelschutz bestmöglich zu realisieren“, sagte Vahle. Doch auch hier wurden seitens der Naturschützer Bedenken laut.

Im Fazit sprach sich Lübcke für die Intensivierung des Dialogs zwischen den Akteuren und der Behörde aus. „Naturschutz kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen“, appellierte Lübcke.

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