Gruppe kam vom Weg ab

Grimmsteig: Wanderer  aus Stuttgart verirrten sich in der Söhre

Söhrewald/Nieste. Es war Sonntagabend gegen 20.30 Uhr, als bei Helmut Lippert in Nieste das Handy klingelte. Aus der Dunkelheit erreichte den Chef der Grimmsteig-Touristik der Hilferuf einer Wandergruppe.

Die vier Stuttgarter, die eine Viertagestour auf dem Grimmsteig inklusive Hotelaufenthalt und Gepäcktransfer gebucht hatten, waren von der mit dem grünen G gekennzeichneten Route abgekommen und hatten sich verirrt - und zwar im dichten Wald der Söhre irgendwo zwischen Wellerode und Wattenbach. Lippert hatte an diesem Wochenende Bereitschaftsdienst für den Fall der Fälle. „Es kommt immer wieder mal vor, dass sich Wanderer verirren“, sagt Lippert, der die Wanderschule Nieste mit aufgebaut hat.

Die Stuttgarter hatten beim Geocaching, der elektronischen Schatzsuche, die Zeit vergessen und überdies nicht berücksichtigt, dass es wegen der Umstellung auf die Winterzeit nun deutlich früher dunkel wird. Bei der Grimmsteig-Touristik ist man auf Notfälle wie den der Stuttgarter eingestellt. Entlang des 82 Kilometer langen Grimmsteigs stehen - aufgeteilt in Abschnitte - ausgebildete Wanderführer bereit, die vom Weg abgekommene Wanderer aufspüren und evakuieren können.

Grimmsteig: Wanderer  aus Stuttgart verirrten sich in der Söhre

Grimmsteig: Wanderer aus Stuttgart verirrten sich in der Söhre

Im Fall der Stuttgarter machte sich Lippert am Sonntagabend selbst auf den Weg. Mithilfe von GPS-Koordinaten, die die Gruppe durchgeben konnte, entdeckte der Retter schnell die Gruppe - und brachte sie ins Hotel nach Wattenbach, wo man sie bereits vermisst hatte. Man wolle im Wald nicht riesige Schilder aufstellen, sagt der Grimmsteig-Touristik-Chef. „Dieser Weg hat etwas Abenteuerliches, das mögen die Wanderer.“

Damit das Abenteuer in der Söhre, am Hohen Meißner und im Kaufunger Wald nicht zum Alptraum wird, setzt man bei der Wanderschule auf eine gute Vorbereitung der Wanderer. Wer eine Tour bucht, erhält ein Briefing zum richtigen Verhalten auf der Strecke, einen GPS-Track und die Notfallnummer. Auf letztere kann man aber nicht überall zählen: Denn in den Wäldern gibt es für Mobiltelefone nicht überall Empfang. Für den Notfall können sich die Wanderer aber auch anders rüsten: Die Wanderschule veranstaltet regelmäßig ein Überlebenstraining.

www.grimmsteig.de

www.wanderschule-nieste.de

Das rät die Polizei

Die Polizei rät Wanderern eindringlich, ihre Touren gut vorzubereiten, vor allem dann, wenn sie durch Waldgebiete führen. Tourengänger sollten laut Polizeisprecher Torsten Werner immer eine Taschenlampe im Gepäck haben. „Diese hilft auch, Wanderer zu finden.“ Weiterhin unabdingbar: eine Wanderkarte und ein Handy. Das Mobiltelefon kann geortet werden - allerdings nur, so Werner, wenn Gefahr im Verzug ist.

Die Ortung verrät der Polizei allerdings nur sehr grob, wo sich ein verirrtter oder verunglückter Wanderer aufhält. „Wer reden von einem Radius von acht Kilometern“, sagt der Polizeisprecher. Wanderer sollten andere Personen über die gewählte Route informieren. Wer sich verirrt hat, sollte laut Werner nicht einfach im Wald stehen bleiben, sondern markante Stellen wie Schutzhütten und Rettungspunkte aufsuchen.

Das sagt Hessen-Forst

Dem Forstamt Melsungen sind 127 Rettungspunkte zugeordnet, aufgeteilt nach Nummern mit der Bezeichnung „KS“ für den Landkreis Kassel oder „HR“ für den Schwalm-Eder-Kreis. Über die Aktivierung der App durch Wanderer lägen keine Fallzahlen vor, sagt Forstmatsleiter Christian Peter Foet. „Bei einem schweren Arbeitsunfall haben wir von der Rettungskette und den beschilderten Rettungspunkten profitiert. Es erfolgte schnelle Hilfe durch Notarzt und Hubschrauber, das hat dem beschäftigten Forstwirt das Leben gerettet.“

Waldbesucher sollten laut Foit die Wettervorhersage beachten und den Wald möglichst nicht bei Sturm betreten. Abgesperrte Wege (zum Beispiel wegen Holzfällung oder während einer Jagd) dürfen nicht betreten werden, es bestehe Lebensgefahr. (ppw)

Von Peter Ketteritzsch

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