Genehmigungsverfahren laufen

Neues Wasserwerk für Kassel wird bei Nieste gebaut

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Mitten im Tal der Nieste soll das neue Wasserwerk der Städtischen Werke für die Trinkwasserversorgung Kassels entstehen: Aktuell befinden sich hier schon ein Chlorhäuschen sowie der eingezäunte Brunnen 3 (siehe Grafik), für den die Städtischen Werke jetzt die Nutzungsrechte beantragt haben.  

Nieste/Kassel. Ein neues Wasserwerk bei Nieste soll ab Ende 2016 die Stadt Kassel mit Trinkwasser versorgen. Die Städtischen Werke investieren dafür 4,2 Mio. Euro.

Die Städtischen Werke Netz und Service Kassel bauen für 4,2 Millionen Euro ein neues Wasserwerk in Nieste. Die Anlage soll der Trinkwasserversorgung Kassels dienen.

Die Genehmigungsverfahren laufen noch. „Ziel ist es, dass wir die Anlage spätestens Ende des Jahres in Betrieb nehmen können“, sagt Tobias Krohne von den Städtischen Werken Netz und Service.

Entstehen soll die Anlage in unmittelbarer Nähe der Sensensteinmühle direkt an der Grenzlinie zu Niedersachsen, dort, wo sich schon jetzt eine Chlorstation mit Brunnen zur Trinkwassergewinnung befindet.

„Mit dem Wasserwerk wollen wir gewonnenes Brunnenwasser sowie Quellwasser der Nieste gleich auf Trinkwasserqualität bringen und zur Kasseler Verteilstelle an der Kölnischen Straße leiten“, sagt Krohne. Derzeit wird das Nieste-Quellwasser zunächst noch von einem Sammelbehälter bei Buntebock östlich von Nieste aufgefangen und dann ungefiltert mit dem Wasser der Brunnen 1 und 2 bei Dahlheim vermengt und dann nach Kassel geleitet.

Gute Wasserqualität 

„Das Sammelbecken wollen wir dann aufgeben“, sagt Krohne. Das Quellwasser der Nieste werde künftig direkt ins neue Wasserwerk zur Reinigung geleitet. Der Vorteil: Auch stark mit Schwebeteilchen durchsetztes Wasser könne dann noch genutzt werden.

Zudem seien zusätzlich die Wasserrechte an dem Brunnen 3 beim Regierungspräsidium beantragt worden. Das Verfahren läuft noch. So soll das neue Wasserwerk bis zu 400 Kubikmeter Trinkwasser pro Stunde für Kassel liefern, das sind etwa drei Mio. Kubikmeter Wasser pro Jahr, was etwa einem Viertel des gesamten Wasserbedarfs Kassels entspricht (elf Mio. Kubikmeter).

„Die Aufbereitung des Wassers aus dem Niestetal macht nur wenig Mühe“, sagt Krohne. Die Qualität sei sehr hoch. Zudem müsse es nicht nach Kassel gepumpt werden, weil das Tal der Nieste höher liege als die Verteilstelle Tannenwäldchen in Kassel. „Das spart viel Energie“, sagt Krohne. Nicht zuletzt stimme die Wassermenge, ergänzt Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD). „Selbst bei einer Leistung von 400 Kubikmetern pro Stunde wird nicht mehr Wasser entnommen als nachfließt.“

Auch die Gemeinde Nieste bezieht ihr Wasser aus dem Niestetal (Brunnen 4). „Für den Brunnen 5 haben wir jetzt zusätzlich das Wasserrecht beantragt - als Notnagel“, sagt Paul. Konflikte mit dem Wasserverband Peine, der das unmittelbar nördlich angrenzende Staufenberg (Niedersachsen) mit Trinkwasser versorgt, gebe es keine. „Die Staufenberger gewinnen ihr Wasser aus Brunnen im Bereich der Hanglage“, sagt Paul.

Verstärkung der Brücke 

Um das Wasserwerk zu bauen, muss der von der Landstraße L563 kommende schmale Wirtschaftsweg mitsamt Brücke über die Nieste (noch auf niedersächsischer Seite) von 2,8 auf zwölf Tonnen verstärkt werden. Die Kosten hierfür übernehmen die Städtischen Werke Netz und Service Kassel.

Wasserstreit zwischen Kassel und Nieste in Bildern

Hintergrund: Genau 30 Jahre währte der sogenannte Wasserstreit zwischen Kassel und Nieste, „von 1974 bis 2004“, erinnert sich Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD), damals selbst einer der federführenden Protagonisten der Auseinandersetzung. Im Kern ging es um die Frage, wer wann wie viel Wasser bekommt. Oft führte das zu Komplikationen. „Mal war gar nichts mehr da, mal lief alles über“, erinnert sich Paul. Längst sei der Streit beigelegt. „Die Kooperation läuft inzwischen einwandfrei, sodass beide Kommunen vom Wasserreichtum der Nieste profitieren“, sagt Paul.

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