Pasta zur Stärkung

400 Teilnehmer trotzten bei Grimmsteig-Tagen dem Extremwetter

Nieste. Einen gewissen Grad an Verrücktheit muss man wohl mit bringen, um bei strömendem Regen 111 Kilometer in weniger als 30 Stunden zu wandern.

„Sagen wir lieber, wir sind etwas speziell“, sagt Silke Born am Freitagabend lachend. Sie ist eine von rund 40 Teilnehmern der GrimmSteig-Tage, die sich der Königsdisziplin 2XL gestellt haben und ist gerade auf der Königsalm angekommen, wo sie sich mit Laufpartner Andreas Friedrich eine riesige Portion Spaghetti gönnt. „Die haben wir uns verdient“, sind sich die Zwei nach Bewältigung des ersten Streckenabschnitts einig, der es wirklich in sich hatte. „Es hat so geschüttet, das Wasser ist regelrecht in Bächen über die Wege gelaufen, gehagelt hat es auch.“

Um die Wichtigkeit ihrer Pasta wissen Born und Friedrich genau, warten schließlich noch eine lange Nacht ohne Schlaf und über 80 Kilometer auf sie - „da will der Energiehaushalt ordentlich gefüllt sein“. Die Wanderfreunde sind bestens gerüstet: Stirnlampe, Regenkleidung und Ersatzschuhe haben sie im Rucksack verstaut, gegen die drohenden Gewitter mit gefährlichen Blitzen nehmen sie eine gesunde Portion Respekt mit auf die Tour. „Mit Leichtsinn ist man schlecht beraten“, sagt Friedrich. „Man muss stets abwägen und auf sein Gefühl hören, notfalls auch unterbrechen und sich der normalen Verhaltensregeln bedienen: Beine zusammen, in die Hocke gehen, Metall weg und erhobene Stellen meiden.“

400 Teilnehmer trotzen Wetter bei den Grimmsteig-Tagen

So weit kommt es glücklicherweise nicht. Die nächtlichen Unwetter ziehen zwar nicht spurlos vorbei, toben sich in ihrer vollen Wucht aber einige Kilometer von den 2XL-Wanderern aus, zu denen sich mittlerweile noch an die 100 weitere gesellt haben, die sich den Klassiker - 84 Kilometer über den kompletten Grimmsteig - vorgenommen haben. Als „nicht ganz ohne“ erweist sich der Marsch durch das Dunkel der Nacht dann aber doch. Starkregen und Nebel beeinträchtigen die Sicht, aufgeweichte Wege verlangen höchste Konzentration. Das gesteckte Ziel, nach insgesamt 23 bis 24 Stunden die Königsalm zu erreichen, scheint für Born und Friedrich in Gefahr. Doch das ist für die sympathischen Wanderer zweitrangig. „Uns geht es um den Spaß und das Gefühl, es geschafft zu haben.“

Geschafft haben sie es dann tatsächlich, und das sogar im gesetzten Zeitfenster: 23 Stunden und 41 Minuten steht auf den Urkunden, die sie sich am Samstagmittag noch vor all jenen abholen, die nach erholsamem Nachtschlaf zu den verschiedenen Tagestouren angetreten waren. „Das Gefühl, es geschafft zu haben, ist einfach unbeschreiblich“, sagt Friedrich, und dafür sei er am Ende gern auch klatschnass und ein klein wenig verrückt - oder auch speziell, wie Wanderfreundin Silke Born es nennt.

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Sie haben es geschafft

Auf den zwei längsten Strecken kamen ins Ziel:

GrimmSteig 2XL (111 Kilometer)

Wilhard Boettcher (Soest), Silke Born (Friedberg), Peter Brede (Fritzlar), Christian Däschner (Kassel), Peter Eiffert (Grebenstein), Bernd Erkelenz (Calden), , Andreas Friedrich (Oerlinghausen), Ronny Gleichmann (Erfurt), Manfred Muschter (Hessisch-Lichtenau), Jens Nähler (Kassel), Thomas Pusinelli (Wuppertal), Markus Rasch (Königshain-Wiederau), Manuel Rößler (Berlin), Martin Schenker (Baunatal), Ada Schmeizl-Wagner (Kassel), Barbara Seewald (Kassel), Oliver Seipp (Borken), Steffen Tasler (Söhrewald), Dirk Trusheim (Münchhausen/Niederasphe), Martine Vallin-Lange (Göttingen), Ewa van de Haar (Elshout), Horst Wenzel (Guxhagen), Tanja Wurmbach-Berger (Niestetal) und Kurt Becker (Kassel)

GrimmSteig Classic (84 Kilometer)

Thomas Bettger (Wesel), Aiko Böhm (Hamburg), Sonka Böhm (Göttingen), Winfried Cramer (Warstein), Christiane Dittrich (Calden), Michael Eck (Hess.-Lichtenau), Florian Ehrenberg (Bad Grund), Harald Ermler (Felsberg), Erich Frohnapfel (Kassel), Heike Frohnapfel (Kassel), Andreas Götte (Remscheid), Matthias Grund (Kassel), Carsten Helferich (Schauenburg), Kai Hollstein (Kaufungen), Thomas Kämmerer (Schauenburg), Rita Klahold (Wiesbaden), Jennifer Koch (Herzberg), Lars Koch (Herzberg am Harz), Karsten König (Kassel), Jörn Kranigk (Roßbach), Annette Krug (Guxhagen), Andrea Landgrebe (Schauenburg), Jens Leferink, (Kassel), Sandra Mackewitz (Calden), Volker Magdeburg (Zierenberg), Michael Milde (Guxhagen), Verena Müller (Göttingen), Matthias Ochs (Helsa-Eschenstruth), Andrea Pfister (Wesel), Karsten Poppenhäger (Hessisch Lichtenau), Stefan Rohr (Mülheim), Stefan Rosenthal (Herzberg am Harz), Annika Rovers (Waake), Daniel Sack (Brilon), Hartmut Scheede (Bovenden), Dietrich Schiemann (Kassel), Felix Schmidt (Hessisch Lichtenau), Michael Sistovaris (Frankfurt am Main), Katrin Stoll (Hessisch Lichtenau), Karsten Stumpf (Felsberg), Nadia Thorwirth-Vahl (Korbach), Sven Waschke (Walkenried), Torsten Weidauer (Leipzig), Conchita Welker (Zierenberg), Heike Windmann (Liebenburg), Stefan Horn (Söhrewald), Peter Gruneberg (Söhrewald), Gisela Hertz (Steinfurt), Dieter Wiederhold (Melsungen) und Birgit Beltermann (Sundern)

Rubriklistenbild: © Hoffmann

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