Mähne verfilzt, Kletten im Fell - Polizei ermittelt

Spaziergänger meldet verwahrloste Pferde auf Weide bei Nieste

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Allein auf der Weide: Die Pferde auf der Koppel unterhalb der Niester Riesen sind schon mehr als 35 Jahre alt. Das entspricht fast 115 Menschenjahren. 

Nieste. Zwischen Unkraut und Gräsern blicken dunkle Augen hervor. Es sind drei verwahrloste Pferde, die auf einer Koppel bei Nieste stehen, unterhalb des Rundwanderweges P11 und der Niester Riesen.

Ihr Fell ist zottelig. Die Mähne ist verfilzt. Kletten hängen darin. Der Schweif ist verklebt. Einzelne Strähnen sind nicht mehr zu erkennen. Die Tiere wirken abwesend, fast apathisch. Ein trauriges Bild.

Das sagt der Augenzeuge

Entdeckt hat die Pferde Nils Huntemann. Sonntagvormittag, berichtet er der Redaktion am Telefon, sei er auf dem Wanderweg spazieren gewesen, der unterhalb der Niester Riesen verläuft. „Es war ein trauriges Bild“, sagt er. „Ich fand das sehr bedrückend.“

Auf seinem Spazierweg habe er nur eines der Pferde auf der Weide entdeckt. Erschrocken über den seiner Meinung nach verwahrlosten Zustand des Tieres, habe er umgehend die Polizei per Notruf verständigt. Dort sei die Weide, ebenso wie die Pferde, die darauf grasen, nicht unbekannt. Laut Sprecher Torsten Werner kann die Polizei Kassel dies bisher jedoch noch nicht bestätigen. „Wir ermitteln noch“, sagte er auf HNA-Anfrage.

Das sagt der Halter

„Die Pferde sind alt, nicht verwahrlost“, sagt Stefan Althans. Er ist Leiter des Gestütes Ellenbach in Kaufungen, gibt den Tieren auf der Weide bei Nieste Unterschlupf. Eigentümer ist er jedoch nicht.

Mehr als 35 Jahre zählten die Pferde nun schon. „Das sind fast 115 Menschenjahre“, erklärt Althans. Im Regelfall würden Pferde nicht älter werden als 25 Jahre. Deshalb seien die Tiere auf der Koppel auch so dünn.

Kletten in der Mähne: Bald sollen die Tiere davon befreit werden.

Ausgehungert sind sie laut Althans aber nicht. Die Pferde würden immer versorgt - mit Futter und Wasser. „Die Tiere bekommen bei uns ihr Gnadenbrot“, sagt er. Die Entscheidung, ob und wann die Pferde wegen ihres hohen Alters eingeschläfert würden, liege bei den Eigentümern. Und denen fiele es sehr schwer, Abschied zu nehmen.

Und die verfilzten Mähnen? Die Tiere stünden leider auf einer Weide, die von Unkraut und Kletten überwuchert sei. „Kletten bleiben in der Mähne hängen“, sagt Althans. „Das ist ganz normal.“ Sobald er Zeit dafür habe, werde er oder einer seiner Mitarbeiter die Pferde von den Kletten befreien.

Das sagt das Veterinäramt

Auch das Veterinäramt des Landkreises Kassel hat Nils Huntemann verständigt.

Die Tiere, die älter als 35 Jahre sein sollen, erhielten ausreichend Wasser und Futter, erklärte Kreissprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage. „Die Hufe sind gepflegt, das ist ein Zeichen dafür, dass man sich um die Tiere kümmert“, erklärte der Sprecher.

Kühlborn lobte gleichwohl ausdrücklich die Spaziergänger, die sich an die Polizei gewandt hatten. Es sei wichtig, wenn Missstände entdeckt und gemeldet würden. Im vorliegenden Fall sei dem Halter der Tiere allerdings nichts vorzuwerfen. Kühlborn: „Er ist auch noch nie negativ aufgefallen“.

Dass die Tiere voller Kletten waren, sei dem Zustand der Weide geschuldet, schade den Pferden aber nicht, so die Amtstierärzte.

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