Blindgänger vermutet - Vorsicht bei Bauarbeiten geboten

Altlast in Niestetaler Boden: Hier könnten noch Bomben liegen

Niestetal. In Sachen Blindgänger offenbar gar nicht so harmlos ist der Bereich entlang der Kreisstraße 4 zwischen Niestetal-Heiligenrode und dem Abzweig zur Kreisstraße 5 nach Niederkaufungen.

Aktuell wird dort bis Ende November die K 4 unter Vollsperrung auf zwei Kilometern Länge saniert, den Bauarbeitern ist äußerste Vorsicht geboten worden.„Dieses Gebiet zählt definitiv zu den belasteten Bereichen“, sagt René Bennert vom Kampfmittelräumdienst des RP Darmstadt. Eine entsprechende Kampfmittelsondierung sei bereits im Vorfeld der Bauarbeiten von Hessen Mobil in Auftrag gegeben worden, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn. Der gesamte Straßenbereich entlang der K 4 sei von einer Spezialfirma mit metallempfindlichen Messgeräten abgesucht worden.

Ergebnis: „Weil keine Verdachtspunkte aufgetaucht sind, ist bislang der Kampfmittelräumdienst des RP Darmstadt nicht zum Einsatz gekommen“, sagt Kühlborn. Verdachtspunkte gebe es lediglich südlich im Bereich an der Straße Am Möncheberg nahe des Friedhofs. „Da werden die Bagger aber nicht hinkommen“, sagt Kühlborn.

„Tatsächlich sind im Krieg auf Heiligenrode und Kaufungen-Papierfabrik immer wieder Angriffe geflogen worden“, bestätigt Bennert. Südlich von Heiligenrode zwischen Sportplatz und Kacksberg habe es Flakstellungen gegeben, wie auch rund 400 Meter nordwestlich von Gut Windhausen, nur einen Steinwurf von der K 4 entfernt.

Es sei daher nicht auszuschließen, dass dort noch Blindgänger im Boden liegen. Zumindest ließen sich auf Luftbildern der Alliierten viele Bombentrichter erkennen. „Und da, wo Bombentrichter sind, sind meist auch Blindgänger. Denn bis zu 30 Prozent aller abgeworfenen Bomben, explodierten eben nicht.“

So sage die Existenz von nur drei Verdachtspunkten östlich des Friedhofs nichts darüber aus, „ob nicht noch weitere Blindgänger in der Umgebung liegen“. Die drei bekannten Verdachtspunkte ließen sich durch eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1945 belegen. „Das Foto zeigt die typischen Spuren“, sagt Bennert. Mögliche Spuren von weiteren Blindgängern könnten zum Zeitpunkt dieser Luftaufnahme längst verwischt worden sein.

So sei es unablässig, in diesem „massiven Bombenabwurfgebiet“ stets Sondierungen vorzunehmen, bevor irgendwo ein Bagger seine Arbeit aufnimmt. Ob die drei Verdachtspunkte nahe des Friedhofs nun noch einmal gesondert geprüft werden, werde erwogen. „Kann gut sein, dass hier schon einmal gegraben wurde“, sagt Bennert. Nicht alle Aufräumarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg seien lückenlos dokumentiert worden. 

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