Darmbakterien im Heiligenröder Trinkwasser

Hier kommt das Wasser her: Der Niestetaler Ortsteil Heiligenrode wird mit Wasser aus zwei Tiefbrunnen versorgt. In dem Haus oberhalb des Heiligenröder Friedhofs wird das Wasser aufbereitet. Dabei ist es zur Verunreinigung gekommen. Fotos: Lischper

Niestetal. Das Wassernetz, an dem der Niestetaler Ortsteil Heiligenrode angeschlossen ist, ist mit Darmbakterien verunreinigt. Grund dafür sind vermutlich Arbeiten an der Leitung.

Bewohner des Niestetaler Ortsteils Heiligenrode einschließlich des Gewerbegebietes Sandershäuser Berg und des Gutes Windhausen müssen derzeit das Leitungswasser vor der Benutzung abkochen. Die Gemeinde Niestetal hat deshalb ein Abkochgebot verhängt und chlort das Trinkwasser durch - laut Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) mindestens eine Woche lang.

Dass das Wasser belastet ist, war am Samstag bei einer Untersuchung herausgefunden worden. Es seien zwei Hähne ausgewechselt worden, die der Entnahme von Proben dienen, erklärt Claus Mattersberger. Der Ingenieur ist bei der Gemeinde Niestetal unter anderem für die Wasserversorgung zuständig. „Immer wenn etwas an den Leitungen gemacht wird, proben wir.“ Das schreibe die Trinkwasserverordnung vor.

Auf 100 Milliliter seien 14 Keime gekommen, so der Bürgermeister. Es handle sich dabei um sogenannte Enterokokken, das sind Bakterien, die unter anderem im menschlichen Darm vorkommen (siehe Hintergrund). „Das ist äußerst unangenehm, denn Wasser ist unser höchstes Gut“, so Siebert.

In Trinkwasser kommen Bakterien dieser Art selten vor, sagt Jens Groh, der beim Gesundheitsamt Kassel für Trinkwasser und Umwelthygiene zuständig ist. „Uns ist aus den letzten 15 Jahren kein solcher Fall bekannt.“

Wie die Bakterien in das Wasser gekommen sind, darüber könne man nur spekulieren, so Siebert. Laut dem Mitarbeiter des Gesundheitsamts könnten die Arbeiten an den Leitungen die Ursache sein. „Die Bakterien sind in der Umwelt weit verbreitet. Wenn zwei Rohre auseinander- und wieder zusammengebaut werden, dann hat man die Keime vielleicht schon drin.“ Weil dieser Keim nachgewiesen wurde, müsse man davon ausgehen, dass noch weitere Fäkalkeime vorkommen.

Wie viele Enterokokken-Keime es zum jetzigen Zeitpunkt seien, könne man nicht sagen, so Mettersberger. Denn aktuell werde die Konzentration des Chlors gemessen. Um die Bevölkerung aufzuklären, wurden die Haushalte in Heiligenrode bereits mit Flugblättern ausgestattet. Sie klären über das Abkochgebot auf, das bis zur Entwarnung verhängt ist und mit dem eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen wird und nennen die Nummer des Infotelefons (0561 / 52 02 418) der Gemeinde. Laut Jens Groh vom Gesundheitsministerium könnte der Verzehr von mit diesem Keim belasteten Wasser zu Durchfall führen. Besondere Vorsicht ist laut Gemeinde bei Säuglingen geboten. Auch während der Chlorung sei es nicht als Säuglingsnahrung geeignet, heißt es auf dem Flugblatt.

Hintergrund

Viermal im Jahr wird das Trinkwasser der Gemeinde Niestetal untersucht. Die Untersuchung erfolge nach bestimmten Parametern. So ist zum Beispiel das Vorkommen von Enterokokken ein Anzeichen für fäkale Verkeimung, sagt Jens Groh vom Gesundheitsministerium von Stadt und Kreis Kassel. Enterokokken fungieren in diesem Fall als Indikatorkeim für eine Verunreinigung. Sobald ein solcher Keim auftaucht, egal in welcher Menge, muss das Wasser laut Trinkwasserverordnung desinfiziert werden. Wasser aus dem Tiefbrunnen ist grundsätzlich keimfrei, so Groh. Trinkwasserleitungen seien ein geschlossenes System. Die Enterokokken müssen also durch äußere Einwirkungen zustande gekommen sein.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin werden Enterokokken zu den Milchsäurebakterien gerechnet. Sie kommen im menschlichen Darm vor, aber auch in Lebensmitteln wie Käse und Rohwurst. So tragen die Enterokokken beim Reifungsprozess zum Beispiel zum besonderen Geschmack von Camembert bei.

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