DLRG Niestetal bildet Mimen für Unfallübungen aus

Darsteller für Katastrophenübungen: Je tiefer die Wunde, desto besser

Niestetal. Kathrin Becker von der DLRG Niestetal bildet Mimen für Unfall- und Katastrophenübungen aus. So nennen sich die Darsteller der "realistischen Unfall- und Notfalldarstellung" (RUND) der DLRG. HNA-Volontärin Viktoria Degner hat sie gezeigt, wie sie die Darsteller vor der Unfallübung schminkt. 

Eine Platzwunde klafft auf der Stirn des Unfallopfers. Blut, dunkelrot und klebrig, läuft an seinem linken Auge vorbei die Schläfe hinab. "Pass auf, dass es nicht ins Auge tropft", sagt Kathrin Becker. "Das Blut ist mit Seife vermischt. Das könnte brennen." Die Platzwunde am Kopf des Unfallopfers ist eine Fälschung, auch das Unfallopfer ist in Wahrheit nicht verletzt, sondern nur geschminkt. 

Kathrin Becker, 25 Jahre alt, von der DLRG Niestetal, hat die junge Frau hergerichtet. Sie bildet Mimen für Unfall- und Katastrophenübungen aus. So nennen sich die Darsteller der "realistischen Unfall- und Notfalldarstellung" (RUND) der DLRG.

Seit 16 Jahren Mitglied der DLRG Niestetal, hat die 25-Jährige Anfang August die Prüfung zur RUND-Ausbilderin abgelegt. Vom Autounfall bis zum Erdbeben – Kathrin Becker weiß, wie ein Mime in den verschiedenen Unfallübungen aussehen muss. 

Ihre Aufgabe ist es, die Mimen für den vermeintlichen Ernstfall zu schminken und ihnen zu zeigen, wie sie sich in der Unfallübung verhalten müssen. Wer beispielsweise eine Platzwunde am Kopf trägt, kann im realen Leben nicht mehr geradeaus laufen.

Um dem Darsteller eine Platzwunde am Kopf zu verpassen, braucht Kathrin Becker nicht länger als 15 Minuten. Foto: Malmus

Die Wunden, die die Studentin den Darstellern verpasst, reichen von blutigen, gespaltenen Fingernägeln über offene Knochenbrüche am Schienbein bis zu einer Brandwunde dritten Grades auf Brust- und Rückenbereich. Die Verletzungen, aber auch das Schauspiel der Mimen soll den Einsatzkräften dazu dienen, ihre Sanitätskenntnisse unter realistischen Bedingungen und unter psychischem Druck auszubauen, sagt Becker. "Im Ernstfall wissen sie dann, was zu tun ist."

Für das vermeintliche Unfallopfer, das sie im Vereinshaus der DLRG Niestetal schminkt, bleibt es nicht bei einer Platzwunde am Kopf. Nach etwa einer Stunde hat die junge Frau zwei gespaltene Fingernägel und eine großflächige Brandwunde dritten Grades am rechten Unterarm. "Im echten Leben wäre die Haut in diesem Zustand schon abgestorben", sagt die Becker. Die Verletzungen seien in ihrem Zusammenspiel realistisch, so Becker, und die junge Frau in diesem Fall Opfer eines Brandes geworden.

Wenn Kathrin Becker aus einem gesunden Menschen ein filmreifes Unfallopfer macht, sind ihre wichtigsten Utensilien Spachtel, Latex, Wachs und natürlich Kunstblut. Für die Brandwunde der vermeintlich Verletzten hat Becker Speisegelatine mit heißem Wasser verrührt und die klebrige Masse auf dem Unterarm verteilt. 

Was andere Menschen vielleicht anekelt, macht Kathrin Becker großen Spaß. "Das ist eine Kunst der anderen Art", sagt sie, als sie den Arm mit einem Schwämmchen betupft, das mit Kunstblut getränkt ist.

Für ein realistisches Bild: Kathrin Becker (25) verwendet hauptsächlich Latex, Wachs und ihren Spachtel, um die Mimen zu schminken.

Die 25-Jährige studiert Wirtschaftswissenschaften an der Uni Kassel. Eine Laufbahn als Medizinerin kommt für sie jedoch nicht in Frage. Seit 2000 ist sie Mitglied der DLRG Niestetal, war zunächst Schwimmerin, Trainerin und Jugendwartin. Sieben Jahre später ist sie dem RUND-Team beigetreten. "Ich habe früher in der Schule Theater gespielt", erzählt sie. Das Schauspiel der Mimen habe ihr gefallen. "Also bin ich beigetreten. Die Unfallübungen sind jetzt mein Theaterspiel."

Organisiert wird die "realistische Unfall- und Notfalldarstellung" (RUND) vom Kreisverband DLRG Fulda-Weser. Die Unfall- und Katastrophenübungen ebenso wie das Schauspiel und die Verletzungen der Mimen soll Einsatzkräften dabei helfen, ihre Kenntnisse in Erster Hilfe auszubauen. Wer Mime für eine Unfallübung werden will, muss sowohl Mitglied in der DLRG sein als auch einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben. Weitere Informationen gibt es auf www.facebook.com/fuldaweserrund .

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