Experte: In und um Kassel gibt es noch viele unentdeckte Weltkriegsbomben

Kassel. Unter Kasseler Erde liegen noch mehrere Tausend Stabbrandbomben. Von den größeren Sprengbomben sind noch mindestens 100 Blindgänger nicht entdeckt worden, schätzt Wolfgang Evers, Leiter des Liegenschaftsamtes der Stadt Kassel.

Bild: Hier liegen noch überall Bomben im Stadtgebiet.

Wenn Evers von größeren Bomben spricht, dann meint er solche wie die 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe, die am Mittwoch bei Niestetal entschärft wurde oder die Fünf-Zentner-Bombe, die am 4. März bei Baggerarbeiten am neuen Auebad an der Fulda entdeckt worden war.

Es gehört fast schon zur Normalität in Kassel, dass auch noch 66 Jahre nach Kriegsende Straßen gesperrt und Gebäude evakuiert werden müssen, weil wieder schweres Kriegsgerät zu Tage gekommen ist. In der Regel passiert das bei Bauarbeiten.

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Um Blindgänger hätten sich die Menschen nach den Bombenabwürfen in Kassel nicht sorgen können, sagt Evers. „Da mussten sie sich um die vielen Toten kümmern.“ Nach dem Krieg habe in allen Baugenehmigungen allerdings der Hinweis gestanden, dass man mit Bomben unter der Erde rechnen müsse. Dieser Hinweis sei in den 60er-Jahren verschwunden, weil alle gedacht hätten, dass man sich um Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg keine Gedanken mehr machen müsse.

Bomben im Stadtgebiet

In Kassel dachte man bis Anfang der 90er-Jahre so: Damals hatte der Käufer eines Grundstücks im Baugebiet am Harzweg (Süsterfeld-Helleböhn) die Stadt aufgefordert, nach Bomben zu suchen. Erst habe er gedacht, dass der Kampfmittelräumdienst nichts mehr findet, räumt der Leiter des Liegenschaftsamtes heute ein. Er täuschte sich: Die Experten vom Regierungspräsidium Darmstadt entdeckten unter anderem eine fünf Zentner schwere Sprengstoffbombe. Seitdem lasse die Stadt jedes neue Baugebiet vom Kampfmittelräumdienst untersuchen, sagt Evers. „Wir finden immer etwas.“

Laut Evers kostet die Untersuchung durch den Kampfmittelräumdienst etwa einen Euro pro Quadratmeter. Er macht das am Beispiel Baugebiet Schloßäckerstraße deutlich. Für die Untersuchung der knapp 15 000 Quadratmeter könne man mit rund 15 000 Euro rechnen. Für die Entsorgung von Bomben, die von den Alliierten abgeworfen worden sind, müsse die Stadt aufkommen. Anders ist es bei deutschen Waffen, die damals oft in Bombentrichtern entsorgt worden sind. Die Entsorgung deutscher Panzerfäuste oder Flakmunition muss nach den Bestimmungen des Kriegsfolgenlastengesetzes vom Bund bezahlt werden, sagt Evers.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Fotos: 250-Kilo-Bombe am Kasseler Auebad entschärft

250-Kilo-Bombe am Kasseler Auebad entschärft

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