Kritik an Ortsdurchfahrt Sandershausen: Radwege nicht eingeplant

Zu schmal für einen Radweg: Ab Beginn des ersten Bauabschnitts kurz hinter dem Abzweig zur Heiligenröder Straße (Foto) verliert sich der aus Kassel kommende Radweg im Nichts. Die Fahrbahn selbst ist keine sieben Meter breit. Foto: Naumann

Niestetal. Für Radfahrer ein Unding: Nach der Sanierung der Ortsdurchfahrt Sandershausen (L 562, Hannoversche Straße) wird es auf der gesamten Länge von 3500 Metern keinen Fahrradweg geben.

Das bringt Anwohner auf die Palme. Die Lobby der Geschäftsleute habe sich durchgesetzt und den Bau eines Radweges verhindert, sagt zum Beispiel Thomas Middendorf. Dabei gebe es gesetzliche Bestimmungen, die besagen, dass die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden müssten.

„Die Entscheidung, dass kein Radweg entlang der neuen Hannoverschen Straße gebaut wird, ist schon vor fast fünf Jahren im Gemeindeparlament gefallen - und zwar so gut wie einstimmig“, sagt Niestetals Bürgermeister Andreas Siebert. Grund war die Einsicht: "Die Ortsdurchfahrt ist einfach zu schmal, um allen Verkehrsteilnehmern hundertprozentig gerecht zu werden."

Stattdessen habe es eine Abwägung verschiedener Interessen gegeben - mit dem Ergebnis: „Statt eines Radweges wird es auch künftig entlang der Straße Stellplätze für Autos geben, weil das für den Erhalt der Geschäfte entlang der Hannoverschen Straße unerlässlich ist“, sagt Siebert.

Andreas Siebert

All das sei schon in den Jahren 2010 und 2011 bei Bürgerversammlungen intensiv diskutiert worden. „Wir haben von Anfang an die Bürger mit ins Boot genommen und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Zuletzt habe die Politik den Erhalt der Geschäfte in Sandershausen als wichtiger erachtet als den Bau eines Radweges.

So erkennt auch Hessen-Mobil als Baulastträger der Landesstraße kein Fehlverhalten seitens der Gemeinde. „Tatsächlich gibt es keine festen Regeln, die vorsehen, dass die Anlage von Radwegen entlang von Landesstraßen im Zuge von Sanierungsvorhaben obligatorisch ist“, sagt Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil. Lediglich gebe es die ,Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen’, die in dieser Hinsicht Empfehlungen ausspreche.

„Doch wenn der Platz einfach nicht da ist, ist die Abwägung von verschiedenen Interessen der einzige Weg. Und genau das hat die Gemeinde Niestetal korrekt gemacht.“

Im Gegenteil wäre es kaum realisierbar gewesen, die Hannoversche Straße durch Grundstückzukäufe entsprechend zu verbreitern. „Das hätte nicht nur viel Geld gekostet, sondern auch einen erheblichen Aufwand bei der Baurechtschaffung verursacht“, sagt Sinemus.

So werde es letztlich noch nicht einmal einen Schutzstreifen für Radfahrer auf der L 562 geben - aus Sicherheitsgründen. „Wegen der Parkplätze entlang der Straße ist solch eine Lösung viel zu gefährlich“, sagt Siebert. „Da geht plötzlich eine Autotür auf, und schon rasselt der Radfahrer hinein.“ Stattdessen sollten Radfahrer künftig ganz normal und selbstbewusst die Hannoversche Straße als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer nutzen.

Abgesehen davon gebe es im Ort genügend zur L 562 parallel verlaufende Schleichwege auf weniger stark befahrenen Wohnstraßen.

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