Mähen statt Giftkeule am Straßenrand

Mangelhafte Grünpflege: Kritik an Hessen Mobil und Landkreis 

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Wucherndes Grün zwischen Straße und Feld: Entlang der K4 zwischen Heiligenrode und der Aussflugsstatte Königs-Alm hat Hessen Mobil auf etwa vier Metern den Straßengraben gemäht – der Streifen dahinter unterliegt der Zuständigkeit des Landkreises. Unten im Bild ist das giftige Jakobskreuzkraut zu sehen, dessen Samen verteilen sich auf die angrenzenden Felder verteilen. 

Kreis Kassel/Niestetal. Grünzeug am Straßenrand ärgert Landwirte – vor allem wenn es nicht rechtzeitig gemäht wird. 

„Es führt zu erhöhtem Herbizid-Einsatz auf den Felden, was niemand will“, sagt Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Er richtet seine Kritik an Hessen Mobil, aber auch an den Landkreis Kassel. Beide Behörden sind, je nach Flächenzuordnung, für die Mahd entlang von Landstraßen verantwortlich.

Erich Schaumburg

Schaumburg spricht für viele Bauern im Landkreis, aber auch er selbst ist betroffen. Direkt an der Kreisstraße 4 von Heiligenrode rüber zur Königsalm hat er einige seiner Felder. Eine vor etwa zehn Jahren gepflanzte Eichen-Allee steht oberhalb der Straßenböschung. „Der Graben ist wunderbar gemäht. Nur zwischen den Bäumen wuchert das Grünzeug und droht von dort auf die Äcker überzugreifen“, sagt Schaumburg. Er selbst dürfe nicht mähen, weil ihm die Flächen nicht gehörten.

Horst Sinemus

Tatsächlich sind die Zuständigkeiten nicht immer klar. Fakt ist: Hessen Mobil ist für die Mahd am Straßenrand bis zu maximal vier Meter tief ins Gelände hinein verantwortlich – allerdings nur aus Gründen der Verkehrssicherheit und nicht, um heimische Wildkräuter zu bekämpfen oder um Samenflug zu verhindern. „Wir haben an der K4 gemäht und alles ist in Ordnung“, sagt Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil. Jedoch sei die Mähtiefe auch abhängig von der jeweiligen örtlichen Situation. Stehen also – wie an der K4 – Bäume im Weg, oder ist die Böschung zu hoch, „müssen wir nicht mähen, solange die Verkehrssicherheit nicht gefährdet ist“.

Alles was dahinter liegt, ist dann oft Sache des Landkreises. So auch entlang der K4. „Tatsächlich sind wir für den Geländestreifen hinter der Straßenböschung zuständig“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Nicht geregelt sei jedoch bisher gewesen, wer dort mäht. So werde nun die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises mit Hessen Mobil nach einer Lösung suchen. Dabei geht es entlang der K4 um einen weniger als zwei Meter breiten Streifen. Hier wächst jedoch das giftige Jakobskreuzkraut.

Das Gelände dahinter wiederum dient auf etwa 1200 Metern Länge und vier Metern Breite entlang der K4 der Gemeinde Niestetal als Ausgleichsfläche für ein Bauprojekt. Ein Landwirt betreibt hier im Rahmen des Vertragsnaturschutzes extensive Landwirtschaft. Das heißt: Auch hier wird gemäht, aber eben nicht so oft, wie es erforderlich wäre, um Pflanzen verlässlich an der Samenbildung zu hindern. „Das ist aber auch im Sinne des Naturschutzes so geregelt“, sagt Kühlborn. Im Fall der Kreisstraße 4 verhalte sich der zuständige Landwirt korrekt. Insofern müsse hier nicht nachgearbeitet werden.

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