Niestetal: Schwere Zeiten für Ladeninhaber

Hassan Khavari

Niestetal. Baustelle total: Gar nicht begeistert sind Einzelhändler und Geschäftsleute von der Vollsperrung der Hannoverschen Straße im Ortskern von Niestetal-Sandershausen.

Bis Ende Mai - also noch gut 13 Wochen lang - wird dort die Ortsdurchfahrt zwischen den Einmündungen Theodor-Heuss-Straße und Mühlenweg erneuert. Es werden Versorgungsleitungen gelegt, die ganze Straße komplett neu gebaut. Anschließend sind bis Ende 2016 die unmittelbar benachbarten Bauabschnitte an der Reihe, auch dort werden viele Geschäfte die Baustelle zu spüren bekommen.

Aktuell ist gut ein Dutzend Geschäfte vom Autoverkehr abgeschnitten. Nur fußläufig sind sie zu erreichen, der Verkehr wird durch das Dorf umgeleitet, dort, wo keine Geschäfte sind. Für die meisten eine bittere Pille, obwohl sie auch der Meinung sind, dass die Ortsdurchfahrt neu gemacht werden muss.

Hassan Khavari, Chef der Änderungsschneiderei Jasmin, weiß nicht mehr, wie er seine Ladenmiete zusammenbekommen soll - 800 Euro im Monat. „Um das zu stemmen, benötige ich mindestens fünf Kunden pro Tag. Aktuell kommen aber nur zwei pro Woche“, sagt Khavari. Er denkt bereits über einen Kredit nach, weil er sonst seinen Landen zumachen müsste. „Dabei habe ich mein Geschäft erst im November eröffnet“, sagt Khavari.

Ordentlich Einbußen hinnehmen muss auch Katja Wäscher, auch wenn ihr Buchladen noch nicht direkt an der Baustelle liegt. „Viele Stammkunden kommen aus Staufenberg. Sie werden jetzt über den Sandershäuser Berg nach Heiligenrode umgeleitet - und kommen deshalb nicht mehr bei mir vorbei“, sagt Wäscher. Die Folge: Statt 500 Euro Umsatz pro Tag macht sie jetzt nur noch 100 Euro. Wäscher: „Wenn ich von dem Laden leben müsste, ich müsste ihn jetzt zumachen.“

Thomas Zollner vom Kiosk „Bienes Geschenkelädchen“ muss derzeit Einnahmeeinbußen von 25 Prozent hinnehmen. „Das ist sehr viel für solch einen kleinen Laden.“ Zollner überlebt nur, weil ihm seine Stammkunden treu bleiben und weil im Dezember der Kiosk an der Kirche zu gemacht hat, „sodass die Leute jetzt zu mir kommen“.

Glück hat da Joachim Wendel - sein Brillengeschäft hat einen Kundenparkplatz, der für Autofahrer noch erreichbar ist. „Wir merken, dass weniger Kunden kommen, von Umsatzeinbrüchen kann aber keine Rede sein. Insofern wird es uns auch nach der Baustelle noch geben“, sagt Wendel.

Trotz Einbußen erkennen die Geschäftsleute vor Ort die Notwendigkeit des Straßenneubaus im Ortskern an. „Es hat intensive Gespräche mit der Gemeinde Niestetal und Hessen Mobil bezüglich der Bauausführung gegeben“, sagt Raoul Gerhold, Vorsitzender des Gewerbevereins Niestetal. Die Beteiligten hätten sich für eine Vollsperrung ausgesprochen, um damit die Gesamtbauzeit um mehrere Monate zu verkürzen. Ursprünglich war eine einspurige Verkehrsführung mit Ampelsteuerung über die Hannoversche Straße geplant gewesen. Dann aber hätte das Gesamtvorhaben bis Mitte 2017 gedauert.

„Wir laden alle Einzelhändler und Geschäftsleute dazu ein, sich beim Gewerbeverein Niestetal zu melden, wenn Schwierigkeiten auftreten“, sagt Gerhold. Unter bestimmten Umständen sei auch finanzielle Unterstützung möglich. „Sicher helfen können wir in Sachen Werbung und Kundengewinnung“, sagt Gerhold. Bislang seien beim Gewerbeverein aber noch keine Beschwerden über die Baustelle eingegangen.

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