Neue Technologie erhöht Solarstrom-Leistung

SMA kauft sich in den USA ein: 17 Millionen für US-Tüftler

Kassel. Solaranlagen haben eine Schwachstelle: Bei Verschattung eines oder zweier Module auf dem Dach etwa durch einen Schornstein oder Bäume sinkt nicht nur die Leistung des betroffenen Teils, sondern des Gesamtsystems, weil es sich am schwächsten Glied orientiert.

Abhilfe können so genannte Optimierer bringen, die unter den Modulen angebracht werden.

Allerdings muss in der Regel jedes Modul mit diesen Schokoladentafel-großen Geräten ausgestattet werden – also auch die, die es gar nicht brauchen. Anders bei einer neuartigen Technologie des kleinen US-Technologie-Unternehmens Tigo Energy im Silicon Valley unweit von San Francisco, an dem sich SMA jetzt für 17,6 Millionen Euro mit 27 Prozent beteiligt hat. Deren Tüftler haben eine Technologie entwickelt, mit der für wenig Geld nur die betroffenen Module nachgerüstet werden müssen.

„Der Anlagenbetreiber“, erklärt SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon, „bekommt und zahlt nur das, was er braucht“. Er misst dem Einstieg und der Option auf den Erwerb des gesamten Unternehmens große strategische Bedeutung zu. Nicht nur, weil bestehende Anlagen problemlos nachgerüstet werden könnten.

Mit dem Tigo-Produkt können die optimierten Anlagen an die SMA-Datenbank angebunden und damit fernüberwacht werden. „Das ist ein echter Gewinn für unsere datenbasierten Geschäftsmodelle“, erklärt der Vorstandssprecher. Gemeint ist damit der zunehmende Handel mit Solardaten.

Lexikonwissen:

SMA im Regiowiki

Denn niemand hat so viele Erkenntnisse über den Sonnenstrom-Markt in Deutschland und Europa wie die Niestetaler. Mit speziellen Prognosesystemen, die von der SMA-Datenbank gespeist werden, kann SMA bei jeder Wetterlage sehr verlässlich vorhersagen, wie viel Solarstrom in den nächsten 72 Stunden zu erwarten ist, was vor allem für Kraftwerks- und Netzbetreiber von größter Bedeutung ist. Sie können je nach Solarstrom-Erwartung ihre Kraftwerke entsprechend herauf- oder herunterregeln und wissen, was auf die Netze zukommt.

17,6 Mio. Euro für gut ein Viertel der Gesellschaftsanteile eines Unternehmens mit nur 55 Mitarbeitern und einem Umsatz im überschaubaren hohen einstelligen Millionen-Bereich – ein ganz schöner Batzen Geld. Aber Urbon verweist auf das große Potenzial der Tigo-Technik, die erst durch den weltweiten Vertrieb von SMA zum Massengeschäft werden soll.

Auf jährlich 700 Mio. Euro Umsatz schätzt er das globale Volumen für derartige Optimierer, und SMA will ein ordentliches Stück von diesem Kuchen abhaben. In welchem Umfang das neue Produkt bereits in diesem Jahr umsatzwirksam werden kann, sagte der SMA-Chef nicht.

Mit dem Tigo-Produkt habe man eine „technisch überlegene Lösung im Angebot, die eine kostengünstige Leistungsoptimierung ermöglicht“. Neue SMA-Wechselrichter werden künftig ab Werk mit der Tigo-Technik ausgerüstet, ganz gleich ob sie später benötigt wird oder nicht.

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