„Stelle mich der Verantwortung“

SMA-Vorstandssprecher Urbon: Trotz Krise kein Rücktritt

Niestetal/Kassel. Umsatzeinbruch, dreistelliger Millionenverlust, drastischer Personalabbau – über die Entwicklung bei SMA sprachen wir mit Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon.

Herr Urbon, die aktuelle Umsatz- und Verlustprognose übertrifft die schlimmsten Erwartungen. Haben Sie schon über Rücktritt nachgedacht?

Urbon: Nein. Ich stelle mich der Verantwortung, kämpfe dafür, dass SMA in die Profitabilität zurückkehrt und habe das Vertrauen der Hauptaktionäre.

Wie kommt es, dass Sie vor nicht einmal vier Wochen von wesentlich besseren Zahlen ausgingen? Es war doch da schon abzusehen, dass Sie das Jahresziel verfehlen würden? 

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Urbon: Wir sind zuletzt von 850 Millionen Euro Umsatz ausgegangen. Das war schon ambitioniert, und die Prognose stützte sich darauf, dass sich der Markt bis Jahresende beleben würde. Das ist nicht eingetreten. Im Inland waren die Zubauraten bei Solaranlagen deutlich rückläufig, in Großbritannien haben sich Großprojekte verschoben. Mit dieser Dramatik haben wir nicht gerechnet. Aus dem niedrigen Umsatzniveau resultiert logischerweise auch ein höherer Verlust. Hinzu kamen Einnahme-Ausfälle durch Insolvenzen bei Kunden sowie Wertberichtigungen von 30 Mio. Euro infolge eingestellter Entwicklungsprojekte.

Bislang wurden die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen stets erhöht. Warum kürzen Sie sie jetzt um ein Drittel auf 80 Mio. Euro? 

Urbon: Wir müssen die Strukturen an das derzeitige Umsatzniveau von 800 Mio. Euro anpassen. Da bleibt es nicht aus, dass wir nun auch bei Forschung und Entwicklung sparen. Wir müssen uns fokussieren, damit Erfolg versprechende Entwicklungen auch weiterhin konsequent verfolgt werden können.

Sie wollen „deutlich mehr als 600 Stellen abbauen“. Wie viele werden es am Ende? 

Urbon: Das kann ich mit Bestimmtheit noch nicht sagen. Anfang 2015 werden wir das mit Betriebsrat und Gewerkschaft beraten und bis Mitte kommenden Jahres umsetzen.

SMA hat in den vergangenen vier Jahren fast zwei Drittel seiner Bar-Reserven von einst 532 Mio. Euro aufgebraucht. Noch ein zwei Jahre und das Tafelsilber ist ganz weg. 

Urbon: Deshalb nehmen wir die schmerzlichen Anpassungen ja vor – aus eigener Kraft, weil wir so liquide sind. Aber die Situation ist unbestritten ernst, und wir begegnen ihr mit aller Kraft.

Eine erkennbare Strategie gegen die schwere Krise ist Personalabbau. Was tun Sie noch, um den Niedergang von SMA abzuwenden? 

Urbon: Wir investieren konsequent in neue Produkte. 2015 läuft eine Produktoffensive an. Wir haben die Fertigung schlanker gemacht und die Effizienz erhöht. Außerdem profitieren wir vom gemeinsamen Einkauf mit unserem Großaktionär Danfoss, und wir arbeiten mit Hochdruck am Thema Solar-Diesel-Hybrid-Anlagen zur kombiniertren Stromerzeugung sowie an der Weiterentwicklung von Speichertechnologien.

Bitte wagen Sie einen Ausblick auf 2015. 

Urbon: Keine Frage, es wird ein schwieriges Jahr, weil komplexe Anpassungsprozesse anstehen und die Unwägbarkeiten in den Märkten groß bleiben. Konkrete Ziele kann ich noch nicht nennen.

Von José Pinto

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