Strom für Kassel: Am Sandershäuser Berg entsteht neues Umspannwerk

Baustelle am Sandershäuser Berg: Bis Ende 2016 soll hier ein neues Umspannwerk für die Stromversorgung Kassels ans Netz gegangen sein. Projektleiter Holger Teichler (links) und Andreas Kreher, Geschäftsführer Städtische Werke Netz & Service, begutachten regelmäßig den Baufortschritt. Direkt hinter den beiden steht der Strommast der 380-Kilovolt-Überlandleitung, die später an das Umspannwerk angeschlossen wird. Foto: Naumann

Niestetal/Kassel. Bagger, Kipper, aufgerissene Erde: Noch sieht es wüst aus auf dem fußballfeldgroßen Gelände am Sandershäuser Berg oberhalb des Guts Ellenbach in Niestetal direkt an der A 7.

Bis zum Ende des Jahres wird dort ein hochmodernes Umspannwerk entstanden sein.

Das Besondere: In dieser Anlage wird 380 Kilovolt-Hochspannungsstrom in 110 Kilovolt-Strom (kV) für die Stromversorgung Kassels heruntertransformiert. „Nur wenige Städte mit der Größe Kassels verfügen über solch leistungsstarke Umspannwerke“, sagt Andreas Kreher, Geschäftsführer der Städtischen Werke Netz & Service.

13 Millionen Euro lässt sich die 100-prozentige Tochter der Städtischen Werke die Investition kosten. „Dabei schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagt Kreher. Zum einen entspreche das alte Umspannwerk in Sandershausen aus den 1950er-Jahren längst nicht mehr dem technischen Standard. „Wir werden es komplett abbauen“, so der Geschäftsführer. Zum anderen baue der Netzwerkbetreiber Tennet seine 220-kV-Leitungen bei Kassel, mit denen auch das alte Umspannwerk in Sandershausen betrieben werde, ohnehin bald ab.

„Was bleibt, ist die 380 kV-Hochspannungsleitung parallel zur A 7“, sagt Kreher. „Die können wir aber nur für die Stromversorgung Kassels nutzen, wenn wir ein komplett neues Umspannwerk bauen“.

Kartenansicht: A7 und Gut Ellenbach

Ende 2016 soll die Anlage fertig sein. Mit ihr und dem zweiten bereits erneuerten 380-kV-Umspannwerk in Fuldabrück-Bergshausen werde dann die komplette Stromversorgung Kassels gesichert. Die Vorteile einer 380- statt 220- kV-Versorgung: „Wir haben weniger Probleme mit Überlastungen und eine höhere Versorgungssicherheit“. Das Stromnetz Kassels sei bereits in den vergangenen 15 Jahren schrittweise von 60 kV auf die nun erforderlichen 110 kV umgerüstet worden (siehe Hintergrund). 70 Kilometer kunststoffisolierte Starkstromkabel wurden dabei neu verlegt. „Früher waren die Kabel ölisoliert“.

Relikt aus den 1950er-Jahren: Das alte Umspannwerk in Sandershausen wird komplett abgebaut. Foto: Naumann

Herzstück der neuen Anlage am Sandershäuser Berg wird ein 200 Tonnen schwerer Transformator sein, der im August aus der Schweiz via Tieflader über die Autobahn angeliefert werden soll. „Allein die Planung und Genehmigung des Transportes ist spektakulärer als der Transport selbst“, sagt Kreher. Sechs Brücken auf der langen Strecke von der Schweiz nach Kassel hätten bereits statisch nachberechnet werden müssen. „Dann werden wir womöglich noch extra eine Behelfsausfahrt von der A 7 auf den Sandershäuser Berg schaffen müssen, um den Trafo an Ort und Stelle zu bringen.“

Aber der Aufwand lohne sich. Die neue Anlage werde für viele Jahrzehnte Bestand haben, „und ist ohnehin deutlich wirtschaftlicher im Betrieb als die alte 220-kV-Station“, sagt Kreher.

Hintergrund: Umspannwerke dienen dem Stromtransport

Um Städte wie Kassel mit elektrischer Energie zu versorgen, müssen enorme Mengen Strom transportiert werden. Strom lässt sich mit großer Leistung besonders gut transportieren, wenn die Spannung stark heraufgesetzt wird (Hochspannung). 380 Kilovolt ist eine übliche Spannung, mit der Strom via Überlandleitungen über weite Strecken befördert wird. Das sind 380 000 Volt. Aus unseren Steckdosen kommt dagegen nur 230 Volt.

Um solch hohe Spannungen zu produzieren (und um sie nach dem Transport wieder herabzusenken), bedarf es der Umspannwerke. In Kassel sorgen zwei Umspannwerke dafür, dass der 380 000-Volt-Überlandstrom zunächst in 110 000-Volt-Strom heruntertransformiert wird. Das leisten Transformatoren (Trafos). Dieser 110 000-Volt-Strom wird innerhalb Kassels zu neun weiteren, deutlich kleineren Umspannwerken weitergeleitet. Sie senken die Spannung weiter auf 10 000 Volt herab. Dieser Strom läuft wiederum via Kabel zu den kleinen grünen Trafohäuschen, die überall in der Stadt zu finden sind. Derer gibt es in Kassel an die 1000 Stück. Sie sind es, die letztlich den 10 000-Volt-Strom in unseren 230-Volt-Haushaltsstrom umwandeln.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.