Bauarbeiten am Sandershäuser Berg

Umspannwerk in Niestetal: Trafo kam als Schwertransport 

Niestetal/Kassel. Das neue Umspannwerk am Sandershäuser Berg in Niestetal nimmt Form an. Jetzt ist auch dessen Herzstück auf der Baustelle angekommen: ein riesiger Trafo.

Das 200 Tonnen schwere Teil, das aussieht wie ein großer, grauer Container, wurde am Wochenende per Schwertransport nach Nordhessen gebracht. Es soll den Überlandstrom so umwandeln, damit dieser letztlich als 230-Volt-Strom in den Haushalten ankommt. Das 13 Millionen Euro teure Umspannwerk wird von den Städtischen Werken Netz und Service gebaut. Mit dem bereits erneuerten 380-Volt-Umspannwerk in Fuldabrück-Bergshausen soll damit die Stromversorgung der kompletten Stadt Kassel gewährleistet werden. Der neue Trafo kommt aus den Niederlanden. Die Größe des Geräts hatte eine EU-weite Ausschreibung nötig gemacht. Eine Firma aus dem niederländischen Nijmegen war mit dem Bau des Trafos beauftragt worden.

Die derzeitige Baustelle kann man sich als ein Puzzle vorstellen: Die Hauptbestandteile stehen bereit und müssen noch miteinander verbunden werden. Dazu muss noch einiges an Vorarbeit geleistet werden, berichtet Projektleiter Holger Teichler. Sind Kühler und Isolatoren montiert, wird der Trafo mit Öl gefüllt, um ihn zu kühlen und zu isolieren. Unter dem Trafo befindet sich ein etwa zwei Meter tiefes Becken – eine Ölauffanggrube – abgedeckt mit einen Brandschutzgitter. Im Falle eines Brands könne brennendes Öl aus dem Transformator direkt durch das Gitter fließen und werde unter dem Gitter wegen fehlenden Sauerstoffs erstickt, so Teichler. Bis Mitte November sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. 

Dass es zum Brand kommt oder etwas anderes schiefgeht, habe Holger Teichler in seiner 20-jährigen Erfahrung in dem Beruf nicht erlebt. Welche Gefahr sich hinter der Arbeit mit dem Strom verbirgt, ist für den Laien nur an einer Stelle erkennbar: Am Strommast knistert es heftig. Das nenne man Korona-Entladung, erklärt Teichler. Das Geräusch komme bei hoher Luftfeuchtigkeit zustande, durch die die Luft um die Hochspannungsleitung leitfähiger werde. 

Von diesem Strommast aus wird schließlich der Strom über Rohre in ein Schaltfeld geleitet. Wie einen Sicherungskasten könne man sich das vorstellen, so der Projektleiter. Nur, dass nicht, wie Zuhause 400 Volt, sondern 400 000 Volt hindurch fließen. Von dem Schaltfeld wird der Strom in den großen Transformator geleitet. Nachdem der Strom hier von 380 000 auf 110 000 Volt herunter transformiert wurde, läuft er über dicke Kabel in ein Schalthaus. Hier wird der Strom durch eine Schaltanlage über zwei 110kV-Kabel nach Kassel geleitet sowie in zwei weitere kleine Transformatoren des Umspannwerks. Sie sollen künftig Niestetal und Kaufungen mit Strom versorgen. In die kleinen Trafos fließt zudem der Strom aus den Windrädern der Städtischen Werke ein. Derzeit wird die von der Windkraft erzeugte Energie noch in das Netz von der EAM-Tochter Energienetz Mitte eingespeist.

Hintergrund

Wenn das neue Umspannwerk in Betrieb genommen wurde, wird das alte auf der anderen Seite der A 7 zurückgebaut. Vorteil des Standorts ist die Nähe zur Wahle-Mecklar-Trasse, einer Tennet-Überlandleitung, die den Strom von Braunschweig bis nach Bad Hersfeld transportiert. Die Trasse verläuft parallel zur Autobahn 7. Von der 380kV starken Leitung versprechen sich die Städtischen Werke weniger Probleme mit Überlastung.

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