Solartechnik-Hersteller treibt Internationalisierung voran

Volle Bücher bei SMA: Der US-Markt boomt

Niestetal/Kassel. Als SMA vor genau einem Jahr über Perspektiven berichtete, herrschte zwar Aufbruchstimmung.

Aber vor dem Management und der Belegschaft lag der Radikalumbau des Unternehmens, bei dem kein Stein auf dem anderen blieb und dem 1250 Stellen allein am Firmensitz zum Opfer fielen. Ganz anders gestern.

Die Restrukturierung ist weitgehend abgeschlossen, das Unternehmen hat gegenüber der damaligen Prognose vor allem dank des boomenden US-Markts ein Drittel mehr Umsatz eingefahren und statt eines dicken Minus ein respektables Plus von gut 30 Millionen Euro erzielt.

Solarmarkt wächst

„Das hat niemand erwartet“, sagte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon zu Beginn seiner Präsentation vor etwa 40 Analysten, Banken- und Aktionärsvertretern. Eineinhalb Stunden lang berichtete er über Strategien und den solaren Weltmarkt, der in diesem Jahr um 17,5 Prozent auf 60 Gigawatt installierte Leistung wachsen soll. Rein rechnerisch entspricht dies 60 konventionellen Großkraftwerken.

Weltmarktführerschaft

Auch für die kommenden Jahre wird veritables Wachstum erwartet, und SMA will seine Weltmarktführerschaft bei Wechselrichtern mit einem Anteil von derzeit 21 Prozent mindestens halten. Die fünf nächstgrößten Hersteller aus China und Japan haben Anteile zwischen sechs und acht Prozent.

Neue Märkte im Kommen 

Die solare Musik spielt aber längst im Ausland. Fats 90 Prozent der SMA-Produktion geht in den Export. Neben den USA brummen auch einzelne Märkte in Europa und Fernost, wobei SMA im abgeschotteten chinesischen Markt nie richtig Fuß fassen konnte. Andere wie Brasilien, Türkei, Jordanien, der Mittlere Osten, Australien, Südkorea, Thailand, Japan und Indien kommen. In Brasilien will SMA in diesem Jahr eine Niederlassung eröffnen, weitere sollen folgen.

Bekenntnis zu Nordhessen

Urbon betonte aber auch, dass die weitere Globalisierung keine Gefahr für den Standort Nordhessen sei. „Wir bleiben hier mit Forschung, Entwicklung und Produktion. Wir fühlen uns wohl in Nordhessen“, sagte er. Die heimischen Werke belieferten auch künftig Europa und Asien. Mit den Kostenstrukturen nach dem Umbau sei SMA absolut wettbewerbsfähig. Hinzu kämen die Liefertreue und die hohe Qualität.

Dickes Auftragsploster

Seine Zuversicht für das laufende Jahr stützt sich auf den Auftragsbestand von 700 Mio. Euro, davon gut die Hälfte aus den USA. Damit haben die Niestetaler 70 Prozent des angepeilten Umsatzes schon so gut wie in der Tasche.

Aktie stürzt ab

Im Gegensatz zu Europa dominiert in den USA das Geschäft mit solaren Großkraftwerken. Dieses Marktsegment steuert fast 40 Prozent zum SMA-Gesamtumsatz bei, gefolgt von kleinen Hausdach- (28) und mittelgroßen Anlagen (23) sowie Speichertechnik mit neun Prozent. Letztere ist immer stärker im Kommen. 2018 will SMA 22 Prozent seines Umsatzes mit Akkus machen.

Der Aktie half das gestern nicht. Der Kurs sank um 7,22 Prozent auf 45,01 Euro. Einigen Analysten war die Prognose nicht gut genug. Es gab aber auch Gewinnmitnahmen.

Rubriklistenbild: © Fischer

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