Wenige Beschwerden von Flüchtlingen in Niestetal

Essen auf dem Präsentierteller: Familie Taimuri (mit Mutter Golafronz, links, und Vater Barat am Kopfende des Tischs) wohnt seit zwei Monaten in der Niestetaler Halle. Die Wohnkabinen (kleines Bild) sind viel zu eng, um dort Mahlzeiten einzunehmen. Links im Hintergrund sind Kühlschränke zu sehen, in denen die Bewohner jeweils eigene Fächer haben. Fotos: Dilling

Niestetal. Flüchtlingsunterkünfte sind oft eng, laut und wenig privat. Darüber gibt es immer wieder Beschwerden. In Niestetal halten diese sich laut Kreissprecher jedoch im Rahmen.

Bereits im vergangenen Jahr berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) über Proteste von Asylbewerbern, die in einer Sporthalle in Dortmund untergebracht waren. Auch in Niestetal-Sandershausen ist es zu Beschwerden gekommen. Dort sind derzeit 240 Flüchtlinge in einer ehemaligen Halle des Solarspezialisten SMA untergekommen.

Der Kreis bestätigte auf Anfrage, dass bei ihm Beschwerden über die „nächtliche Geräuschkulisse in der Gemeinschaftsunterkunft“ eingegangen seien. Diese bewegten sich aber im Rahmen dessen, was an Problemen bei einem derartigen engen Zusammenleben von Menschen zu erwarten sei. Es gebe auch Asylbewerber, „die sich dort wohlfühlen und auf jeden Fall länger bleiben wollen als die normale Verweildauer von sechs bis acht Wochen“, sagte Pressesprecher Harald Kühlborn. Man sei trotz derzeit sinkender Flüchtlingszahlen auf absehbare Zeit auf diese Form der Unterbringung angewiesen.

Schulkinder darunter 

Der Gemeinschaftsbereich der ehemaligen Gewerbehalle an der Bettenhäuser Straße an einem Nachmittag: Einige Asylbewerber spielen Tischtennis. Ein paar Meter weiter sitzt Familie Taimuri aus Afghanistan an einer Bierzeltgarnitur und ist mit den Resten ihres selbst zubereiteten Mittagessens beschäftigt.

Ab und zu rauschen ein paar Kinder auf Inlineskates vorbei und kurven zwischen den nach oben offenen Wohnkabinen der Halle herum. Die Lüftungsanlage brummt. Die Kinder der Taimuris, die seit zwei Monaten hier sind, werden in einigen Tagen erstmals die Schule besuchen: Masumeh (14) geht dann in die Gesamtschule Heiligenrode, Fatemeh (12), Zahra (10), Ali (9), Laila (8) und Jawad (7) werden in der Grundschule Sandershausen eingeschult.

Können denn seine Kinder in der Halle nachts gut schlafen? „Da gibt es manchmal Probleme“, räumt Vater Barat ein.

Spätabends könne es durchaus richtig laut werden, berichtet Hans-Joachim Ullrich, beim Landkreis für die Flüchtlingsunterbringung zuständig. Das komme vor, wenn berauschte jüngere Flüchtlinge in die Unterkunft zurückkehrten. „Da ist schon mal eine Ansprache, Ruhe zu halten, nötig.“ „Die Familienväter sind da sehr hilfreich“, ergänzt Sozialamtsleiter Jörg Roßberg. Familien, deren Kinder zur Schule müssen, kämen ganz oben auf die Liste für ein anderes Wohnquartier. Doch häufig wollten Flüchtlinge nicht von Kassel weg.

„Keine Dauerlösung“ 

Die Hallen seien „keine Dauerlösung“, sagt Roßberg. Man versuche, die enge Unterbringung nach und nach zu entzerren.

In den Osterferien seien dem Kreis überhaupt keine Flüchtlinge zugewiesen worden. „Das war schön. Wir konnten mal durchatmen.“ Doch wie die Zukunft aussehe, wisse man nicht.

Hintergrund

Die Flüchtlinge in Sandershausen werden ständig betreut. Es gibt außerdem einen Sicherheitsdienst. Vier Mal pro Woche wird Deutschunterricht angeboten. Die Polizei ist laut Landkreis nur noch selten vor Ort. Seit Wochen herrsche Ruhe, was solche Einsätze betreffe. In der Anfangszeit habe es allerdings Probleme mit zwei Algeriern gegeben, gegen die die Polizei wegen Straftaten ermittelt habe, sagt Hans-Joachim Ullrich vom Landkreis. Außerdem sei es im Dezember 2015 zu einem Protest von Flüchtlingen auf der Straße gekommen, weil die Heizung in der Halle ausgefallen war.

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