Nordhessens Dachverein für Wanderer sagt Kunststoff-Wegmarken den Kampf an

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Der Grimmsteig bei Wellerode: Die kleinen grünen Schilder zeigen die Silhouette der Brüder Grimm – und sind genau deshalb unverwechselbar. Die Schilder sind mit kurzen Aluminium-Stiften an Bäumen befestigt, nicht mit Schrauben. Die beiden gelben Wegmarkierungen kennzeichnen zwei Rundwege durch den Naturpark Meißner-Kaufunger Wald.

Kreis Kassel. Mit markigen Sätzen macht der neue Vorsitzende des Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatvereins (HGWHV), Hubert Thorwirth, von sich reden - und stößt damit nicht auf Gegenliebe.

„Plastik hat im Wald nichts zu suchen“, sagt er und meint damit jene Wanderweg-Markierungen, die inzwischen rund um Kassel wie auch in ganz Nordhessen wichtige Wanderrouten kennzeichnen.

Die kleinen Schildchen bestehen aus Plastik oder Metall - was allerdings kaum unterscheidbar ist - und sind meist an Pfosten oder Bäumen aufgeklebt oder mit kurzen Aluminium-Stiften befestigt, sodass Bäume nicht geschädigt werden. So sind zum Beispiel weite Teile des Kasselsteigs, Habichtswaldsteigs und des Grimmsteigs gekennzeichnet.

Keine Schrauben in Bäumen 

„Es war ungeschriebenes Gesetz, dass sich die Wandervereine um die Markierung kümmern“, sagt Thorwirth. Und zwar mit Holztafeln und farbigen Markierungen. Neuerdings griffen aber manche Gemeinden bei neuen Wegen mit anderen Zeichen ins Netz der Spazierwege ein, auch mit Kunststoffteilen, die Wanderfreunden ein Graus seien. „Wir wollen keine Plastiktafeln im Wald stehen haben und auch keine Schrauben in den Bäumen“, sagt Thorwirth.

Schilder halten länger 

Mit Alu-Plaketten ist der Habichtswaldsteig markiert. Die Schilder sind meist an Pfosten angebracht.

Mit Aussagen wie diesen erntet Thorwirth eher Kritik als Zustimmung. „Dabei ist die Markierung des Grimmsteiges mit Schildern sogar zuvor mit dem HGWHV abgestimmt worden“, sagt Michael Steisel, Sprecher der AG Grimmsteig und Bürgermeister von Söhrewald. Niemand habe interveniert, wohl auch deshalb, weil Plastikschilder schneller anzubringen sind, nicht zu Verwechselungen führen und viel länger halten als mit Farbe aufgemalte Wegzeichen. Ins gleiche Horn stößt Dieter Hankel, Vorsitzender des Hessisch-Waldeckischen Gebirgsvereins Kassel, der den Kasselsteig mit ins Leben gerufen hat. „Wir müssen auf diese kleinen Schilder zurückgreifen, weil wir sonst mit dem Markieren nicht mehr nachkommen“, sagt Hankel. So gebe es in den 34 Zweigvereinen unter dem Dach des HGWHV immer weniger Wegezeichner. „Selbst wir haben nur noch sechs Wegezeichner, vor 20 Jahren waren es noch zwei Dutzend“, sagt Hankel.

Davon abgesehen erhöhten Schilder - vor allem in Kombination mit Infotafeln - den touristischen Wiedererkennungswert von Routen zu bestimmten Themen erheblich. „Wege, die lediglich mit einem x gekennzeichnet sind, sind heute kaum noch kommunizierbar“, sagt Hankel. Letztlich habe der HGWHV selbst die Kennzeichnung des Kasselsteigs abgesegnet und beauftragt - mit Schildern.

Mit Plaketten, die meist an Holzpfosten, demnächst auch an Bäumen befestigt sind, arbeitet auch die AG Habichtswaldsteig. Geschäftsführerin Claudia Thöne: „Unsere komplette Wegkennzeichnung ist in Einvernehmen mit dem HGWHV umgesetzt worden. Insofern verwundert der Vorstoß Thorwirths schon.“

Auch RP wird bemüht 

Zur Durchsetzung seines Anliegens bemüht Thorwirth sogar den Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke. Der habe angekündigt, sich für einheitliche Kennzeichen der Wanderwege in Nordhessen einzusetzen, teilt Thorwirth mit.

Auf Nachfrage beim Regierungspräsidium fällt die Einsatzbereitschaft Lübckes etwas moderater aus. „Der RP kann qua seines Amtes keine Veränderungen erwirken“, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. Dennoch signalisiere Lübcke Gesprächsbereitschaft.

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