Quarzsand bleibt in der Erde - Kirche lehnt Vertrag mit Fuldataler Unternehmer ab

+
Bodenschatz zwischen Denkmälern: Der historische Friedhof im Vordergrund und das Gut Eichenberg im Hintergrund sind geschützt. Unter der Fläche dazwischen lagert laut Unternehmer Manfred Wielebinski hochwertiger Quarzsand. Archivfotos: Schräer (2) / Hoffmann

Fuldatal. Es wird keinen Quarzsand-Abbau in Rothwesten geben. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck als Grundeigentümerin der Fläche zwischen Gut Eichenberg und dem historischen Friedhof werde keinen Vertrag mit dem Ihringshäuser Unternehmer Manfred Wielebinski schließen.

Dies sagt Ute Stey, Liegenschaftsdezernentin der Landeskirche, auf HNA-Anfrage.

Wielebinski hatte die Pläne seines Sohnes Thomas aufgegriffen, der Anfang 2013 verstorben war. Thomas Wielebinski, der ein Fuhrunternehmen mit Containerdienst betrieb, wollte auf einer Fläche von 8,74 Hektar (elf Fußballfelder) hochwertigen Quarzsand abbauen. Dies sollte über einen Zeitraum von 13 Jahren in mehreren Abschnitten erfolgen. Ein vom Unternehmer in Auftrag gegebenes Gutachten hatte auf dem abschüssigen Gelände hochwertigen Quarzsand in einer Stärke von fünf bis zehn Metern festgestellt.

Eigentlich sei alles klar gewesen, meint Manfred Wielebinski. Die Genehmigung durch die Bergaufsicht des Regierungspräsidiums war erteilt, die Gemeinde unterstützte das Vorhaben, mit drei Landwirten als Pächter der Flächen herrschte Einigkeit und auch die Kirche habe ihre Absicht bekundet, die Fläche an Thomas Wielebinski zu verpachten.

Er wolle mit seinem Container-Unternehmen jetzt den Abbau betreiben, sagt der 75-Jährige. Auch um eine größere fünfstellige Summe wieder zu erwirtschaften, die er als Vater in die Firma seines Sohnes unter anderem für Gutachten investiert hatte. Dass die Kirche jetzt die Kooperation verweigere, verstehe er nicht. Schließlich profitiere sie von dem Quarzsand-Abbau mit einem Anteil von zwei Millionen Euro, meint Wielebinski.

Ute Stey zweifelt Wielebinskis Angaben an, sowohl die Menge des Quarzsandes als auch den finanziellen Ertrag. Darüber hinaus gehe es „für uns als Kirche nicht nur ums Geldverdienen, ein Quarzsand-Abbau betrifft auch die Anwohner“, sagt die Kirchen-Dezernentin. Außerdem habe es nur eine allgemeine Absichtserklärung, nie einen Abbau-Vertrag gegeben.

Von Michael Schräer 

Hintergrund: Anlieger protestierten gegen Abbau 

Seit 2009 bemühte sich Thomas Wielebinski um die Genehmigung für einen Quarzsand-Abbau in Rothwesten. Anfang 2010 stimmte die Regionalversammlung einer Änderung des Flächennutzungsplans zu.

Gegen den Abbau protestierten Anwohner und Anlieger wie die Betreiber von Reitsportzentrum oder einer großflächigen Solaranlage, die Lärm- und Staubbelastungen durch Maschinen und Lkw-Verkehr befürchteten.

Der Petitionsausschuss des Hessischen Landtages beschäftigte sich mit dem Quarzsand-Abbau und auch das Landesamt für Denkmalpflege. Gut Eichenberg und historischer Friedhof stehen unter Denkmalschutz. Deren Bedenken wurden ausgeräumt. (mic)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.