Neues Personalkonzept bei Hessen Forst

Revierförster im Kreis Kassel: Mehr Arbeit, aber gleicher Lohn

Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Kreis Kassel. In den kommenden zehn Jahren steht der Landesbetrieb Hessen Forst vor einem Generationenwechsel. Viele Mitarbeiter gehen in den Ruhestand. Außerdem wird der Personalstand um 18 Prozent (335 Stellen) reduziert.

Für die Revierleiter bedeutet das: Die von ihnen zu betreuenden Waldflächen werden größer. Mehr Geld bekommen sie dafür nicht.

Hessen Forst bezeichnet das als eine „Strategie des personellen Voranbaus“, sagt Petra Westphal auf HNA-Anfrage. Man verfolge das Ziel, „aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eine maß- und planvolle Reduzierung des Personalstands zu leisten“. Zehn Jahre stünden zur Verfügung, um die Reviere sozialverträglich an die neuen Strukturen anzupassen. 

Nach HNA-Informationen wurden bereits Zuständigkeiten im Landkreis Kassel geändert. So hat in einem der betroffenen Gebiete ein Revierförster, in dessen Zuständigkeitsbereich bisher 1600 Hektar Wald fielen, nach der Änderung 800 Hektar verloren. Im Gegenzug aber fielen 1200 Hektar für ihn unbekannten Waldes in seine Zuständigkeit, sodass der Revierförster, der seinen Namen nicht öffentlich bekannt geben wollte, nun eine Gesamtfläche von 2000 Hektar in seiner Obhut hat. 

Er arbeitet für das Forstamt Hessisch Lichtenau: Revierleiter Gert Snethlage (58) kommt zum Beispiel beratend zum Einsatz, wenn Wildschweine einen Sportplatz umgewühlt haben, so wie jüngst in Helsa-Waldhof. Foto: L ischper

Natürlich braucht diese Umstellung eine gewisse Zeit, da jeder Förster sein neues Gebiet erst erkunden und sich dort einarbeiten muss. Personalprobleme durch die Änderung der Zuständigkeiten seien laut Hessen Forst nicht zu erwarten, da in den größer werdenden Revieren zur Unterstützung der Revierleitungen vermehrt Forstwirtschaftsmeister zum Einsatz kämen. 

Laut Gert Snethlage, Revierleiter im Forstamt Hessisch Lichtenau, teilen sich derzeit drei Förster einen Meister. Der Landesbetrieb versichert: Im Laufe der nächsten Jahre werden alle betrieblichen Prozesse intensiv untersucht um die Arbeit der Revierförster zu verbessern. So solle zum Beispiel unnötiger Verwaltungsaufwand wegfallen. Außerdem kämen, so Westphal, zukünftig innovative technische Lösungen wie etwa Kameras zum Vermessen des Holzes zum Einsatz. 

Die Arbeit eines Revierförsters ist vielfältig. Neben Pflege- und Naturschutzmaßnahmen gehören auch die Jagd, die Organisation der Holzernte sowie der Einsatz von Arbeitskräften in ihren Aufgabenbereich. Ein Zwölf-Stunden-Tag ist dabei keine Seltenheit. 

Das sagt der Revierleiter

Gert Snethlage betreut seit 1. September etwa 1750 Hektar Kommunal- und Privatwald in Hessisch Lichtenau, Helsa und Großalmerode. Zuvor kümmerte er sich um etwa 1500 Hektar. Wie sich die Ausweitung des Gebiets auf seine Arbeit auswirke, könne er noch nicht abschätzen. Sicher sei aber, dass die Freiräume für die Überwachung des Waldes eingeschränkt sind. Schädlinge, wie der Borkenkäfer, durch den das Holz austrocknet, können nicht rechtzeitig behandelt werden. Das wiederum mache sich wirtschaftlich bemerkbar: „Trockenes Holz verkauft sich nicht gut“. Erschwerend komme hinzu, dass sich sein Zuständigkeitsbereich jederzeit vergrößern kann, weil Privatwaldbesitzer ihn über das Land für die Betreuung ihrer Flächen beauftragen. „So kann kurzfristig noch mehr Arbeit hinzukommen.“ In seinen Dienstjahren habe sich sein Revier bereits mehrfach vergrößert. Das wirke sich auch auf die persönliche Motivation der Förster aus. „Auch, weil die Arbeit der Revierförster in der Öffentlichkeit lange nicht so anerkannt ist wie etwa die von Lehrern und Polizisten.“

Hintergrund

Das Hessische Umweltministerium und der Hauptpersonalrat Umwelt haben das Personalkonzept für Hessen Forst im Januar 2013 verabschiedet. Dessen Kern sind laut Ministerium „berufliche Entwicklungsperspektiven für Nachwuchskräfte und Beschäftigte“ und der Ausbau von Teamstrukturen verbunden mit einer „sozialverträglichen Einsparung“. Das Konzept sei wichtig, weil „absehbar viele Beschäftigte in den Ruhestand treten“. Seit 2007 hat Hessen Forst nach eigenen Angaben 150 forstlich ausgebildete Mitarbeiter eingestellt. Seit 2014 kommen jährlich 20 Fachkräfte hinzu. Zusätzlich sollen künftig 94 Forstwirtschaftsmeister die Revierleiter unterstützen. Revierförster betreuen Staatswälder des Landes, Privatwälder wie zum Beispiel den Stiftswald in Kaufungen und Kommunalwälder, die im Besitz von Kommunen sind. Bei größeren Privat- und Kommunalwäldern wird oft Hessen Forst mit der Bewirtschaftung beauftragt.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.