Vorher galt dort 50

Ärger in Martinhagen: Blitzer auf Tempo 30 gestellt

Blitzgewitter direkt am Ortseingang Martinhagen: Seit Dienstag sind die „Starenkästen“ an der Korbacher Straße auf Tempo 30 eingestellt. Das Bild entstand am Donnerstagabend gegen 18.30 Uhr. Selbst drei Tage nach der Umstellung wurde zu dieser Zeit immer noch etwa jeder sechste Autofahrer geblitzt. Die Tempo-30-Schilder sind ordnungsgemäß aufgestellt. Links im Bild ist die Einfahrt zur Silberkopfstraße zu sehen, die noch bis September erneuert wird. Die Blitzer blitzen auch, wenn kein Baustellenbetrieb herrscht. Foto: Naumann

Schauenburg. Für mächtig Wirbel sorgen derzeit die stationären Blitzer in Martinhagen, die in beiden Richtungen in Höhe der Silberkopfstraße an der Ortsdurchfahrt aufgestellt sind.

Am Dienstag wurden sie von 50 auf 30 Stundenkilometer umgestellt. „Seither sind sicher Hunderte Autofahrer geblitzt worden, weil sie es über viele Jahre gewohnt sind, dort 50 fahren zu dürfen“, beschwert sich Lars Halberstadt aus Bad Emstal. Auch ihn habe es jetzt „mit Strich 50“ erwischt.

Karsten Becker, auch aus Bad Emstal, hat beobachtet, dass dort aktuell fast jeder zweite Verkehrsteilnehmer geblitzt werde. Zwar seien Tempo-30-Schilder mit Baustellenhinweis aufgestellt. „Jedoch ist von einer Baustelle weit und breit nichts zu sehen“, sagt Becker. Lediglich eine Seitenstraße (Silberkopfstraße) direkt an den Blitzern sei geschottert.

Auch Linienbusse geblitzt 

„Selbst Linienbus-Fahrer erwischt es“, sagt Jürgen Kramer aus Naumburg, der mit der NVV-Linie 152 regelmäßig durch Martinhagen nach Kassel fährt. Am Mittwochmorgen gegen 6.45 Uhr seien die Tempo-30-Schilder zudem verschwunden gewesen. „Erst um 8.30 Uhr ist wenigstens ein Schild wieder aufgestellt worden“, sagt Kramer.

Gemeinde nimmt Kritik hin 

Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) lässt sich von derlei Kritik nicht beunruhigen. „Wir haben die Blitzer wegen der Baustelle auf der Silberkopfstraße von 50 auf 30 Stundenkilometer umgestellt“, sagt Gimmler. Der Abzweig Korbacher Straße/Silberkopfstraße sei die Hauptzufahrt für den Baustellenverkehr. Die Baustelle existiere seit Ende April und seither seien an der Ortsdurchfahrt auch Tempo-30-Schilder aufgestellt. „Wir haben also nichts plötzlich gemacht.“

Zuvor habe es vielfach Anwohnerbeschwerden gegeben, nach denen Autofahrer keineswegs die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer im Baustellenbereich einhielten - auch Busse nicht. „Deshalb haben wir jetzt die Blitzer auf Tempo 30 umgestellt“, sagt Gimmler.

Schild war verschwunden

Tatsächlich sei in der Nacht auf Mittwoch wenigstens ein Tempo-30-Schild von einem bislang Unbekannten entfernt worden. Dennoch will die Gemeinde keine Kulanz walten lassen. „Geblitzte Autofahrer, die sagen, es sei kein Tempo-30-Schild aufgestellt gewesen, sollten das beweisen können“, sagt Gimmler. Selbst wenn in den kommenden Wochen Tausende Ordnungsverfahren eingeleitet werden müssten, „werden wir keines auslassen“, sagt Gimmler.

Tempo 30 bis Herbst 

Das Tempolimit werde erst dann wieder aufgehoben, wenn die Bauarbeiten an der Silberkopfstraße beendet seien. Das ist voraussichtlich Ende September der Fall. „Bis dahin werden die Blitzer auf Tempo 30 eingestellt bleiben“, sagt Gimmler.

Hintergrund

Geldregen für die Gemeinde Schauenburg

Seit Dienstag sind die Blitzer in Martinhagen auf Tempo 30 eingestellt. Wie viele Autofahrer seither geblitzt wurden, sei noch nicht ausgezählt worden, sagt Schauenburgs Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU). Möglich sind mehrere Tausend. Die Korbacher Straße wird laut Angabe der Gemeinde täglich von rund 9000 Verkehrsteilnehmern pro Richtung genutzt.

Vorsichtig vorausgesetzt, dass gleich am ersten Tag der Umstellung jeder dritte Autofahrer geblitzt wurde, sind das 3000 Blitzerfotos (es ist immer nur eine Blitzersäule mit einer Kamera bestückt). In Hessen schlägt eine Geschwindigkeitsübertretung von 20 Stundenkilometern innerorts mit 35 Euro zu Buche. Rechnerisch macht das also gleich am ersten Tag für die Gemeinde 105.000 Euro brutto.

Gimmler betont, dass es sich bei der Umstellung der Blitzer nicht um eine Geldbeschaffungsmaßnahme zur Aufbesserung der Gemeindekasse handele. „Die Mehreinnahmen werden sich in Grenzen halten“, sagt Gimmler. Jedes Jahr, sagt Gimmler, kalkuliere Schauenburg mit etwa 80.000 Euro Einnahmen durch Verkehrsverstöße. Die Einrichtung der Tempo-30-Zone sei der Polizeidienststelle Baunatal sowie Hessen Mobil (Amt für Straßen- und Verkehrswesen Kassel) mitgeteilt worden. „Das Vorgehen der Gemeinde Schauenburg ist legitim“, bestätigt Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil.

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