Kleinkrieg um Elektrorollstuhl

Elgershausen: Busfahrer ließ Rentner wiederholt an Haltestelle stehen

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Liegt im Clinch mit einem Fahrer: Jürgen Reißmann wartet häufig an Haltestelle bei der Raiffeisenbank in Elgershausen auf den Bus.

Schauenburg. Es ist Samstagmittag. Jürgen Reißmann wartet in seinem Elektrorollstuhl an der Haltestelle Raiffeisenbank in Elgershausen auf den Bus.

Der Rentner hat einen dringenden Termin in Fritzlar. Als der Bus, Linie 52, kommt, sieht der Elgershäuser, dass kaum Passagiere drin sitzen. Auch die besonders gesicherte Fläche für Kinderwagen, Rollstühle oder Rollatoren ist frei. Doch der Busfahrer winkt nur ab und fährt ohne Reißmann weiter.

Nicht das erste Mal

So schildert der Elgershäuser den Vorfall, der sich vor gut einer Woche ereignete. Das sei nicht das erste Mal gewesen, schon im Sommer 2014 sei er am Bahnhof Wilhelmshöhe einfach stehen gelassen worden, erzählt er.

„Es ist immer derselbe Fahrer“, sagt Reißmann, er empfinde das als „persönlichen Kleinkrieg“. Mit allen anderen Bus- und Straßenbahnfahrern komme er gut zurecht. Sie seien immer freundlich.

Sabine Herms von der Pressestelle des Verkehrsverbunds NVV bestätigt den von Reißmann geschilderten Sachverhalt im Wesentlichen. Die Hessische Landesbahn (HLB), die diese Linie bedient, werde ein intensives Gespräch mit dem betreffenden Fahrer suchen. Die HLB hat sich bei dem Elgershäuser entschuldigt, der wegen einer Muskelerkrankung auf den Rolllstuhl angewiesen, Leiter des „Kasseler Muskelstammtischs“ und Vorstandsmitglied im Landesverband Hessen der Deutschen Gesellschaft für Muskelerkrankte ist. Auf das von der HLB angebotene Taxi nach Fritzlar habe er verzichtet, sagt Reißmann. „Für mich war der Tag gelaufen.“

Aus Sicherheitsgründen

Tatsächlich kann es vorkommen, dass Bus- oder Tramfahrer Rollstuhlfahrer zu Recht abweisen: Das passiere aus Sicherheitsgründen, wenn der Bus zu voll oder das Gefährt des behinderten Menschen zu groß und zu schwer sei, sagt Herms. Sogenannte Scooter dürfen daher nicht mitfahren. Auch wenn Fahrer samt Rollstuhl mehr als 250 Kilo wiegen, müssen sie draußen bleiben. Er selbst habe schon freiwillig auf eine Busfahrt zugunsten einer Familie mit Kinderwagen verzichtet, sagt Reißmann.

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