Christa Siebert aus Breitenbach leidet unter seltener Krankheit

Nervenkrankheit Blickparese: Gefangen im eigenen Körper

Versorgung: Die beiden Enkelinnen Rebecca Bradasevic (links) und Larissa Blum unterstützen ihren Großvater Reinhard Siebert bei der Pflege seiner Ehefrau Christa.

Schauenburg. Christa Siebert aus Breitenbach ist unheilbar krank. Die 69-Jährige leidet unter Progressiver supranukleärer Blickparese (PSP), einer sehr seltenen degenerativen Erkrankung des Gehirns.

Deutschlandweit gibt es nur etwa 12.000 Menschen, die an der Blickparese leiden. Aufgrunddessen wird die Krankheit oftmals erst spät erkannt.

Die Betroffenen beschreiten meist einen langen Leidensweg, suchen immer wieder Fachärzte auf, bis die Krankheit erkannt wird. Die Blickparese ähnelt der Parkinsonschen Krankheit und wird oft fälschlicherweise bei PSP-Patienten diagnostiziert. Auch Christa Siebert wurde zwei Jahre lang auf Parkinson behandelt – ohne dass sich ein therapeutischer Erfolg einstellte. Erst im Oktober 2014 während eines Aufenthalts in der Kasseler Elena-Klinik wurde bei der Breitenbacherin die Blickparese diagnostiziert.

Wann die Krankheit ausbrach, kann Christa Siebert nicht genau bestimmen. Die ersten Symptome traten vor etwa sechs bis sieben Jahren auf. Damals klagte die heute 69-Jährige zunehmend über Schwindelanfälle. Im Krankheitsverlauf traten weitere Symptome auf: Die Seniorin ist in ihrer Motorik eingeschränkt, ihre Bewegungen werden immer langsamer. Auch das Sprachzentrum weist erhebliche Störungen auf. Christa Siebert fällt es zunehmend schwer, sich mitzuteilen – ihre Sprache wird immer leiser und langsamer, dabei besitzt die 69-Jährige aber ein gestochen scharfes Gedächtnis. Ihr wacher Geist ist gefangen in einem gelähmten Körper.

„Es ist ein schleichender Prozess“, erzählt ihr Ehemann Reinhard Siebert, der sich rund um die Uhr um seine pflegebedürftige Frau kümmert. Allein lassen kann der 67-Jährige sie nicht mehr. Sie benötigt Unterstützung in allen Bereichen. Ihr Mann hilft ihr beim Waschen, Anziehen und beim Toilettengang. Weil PSP-Patienten oft stürzen, können sie nicht allein gelassen werden. „Meine Frau ist zweimal so schwer gestürzt, dass sie sich die Arme gebrochen hat“, erzählt er.

Einen Pflegedienst möchten die Sieberts nicht beauftragen, um sich ihr selbstbestimmtes Leben zu erhalten und ihre Tage zumindest ein wenig flexibel gestalten zu können. Zweimal die Woche bringt er seine Frau zur Krankengymnastik und einmal in der Woche zum Logopäden. Außerdem besucht Christa Siebert dienstags die Awo-Tagespflege, damit ihr Ehemann etwas entlastet wird.

Früher sind die Sieberts sehr aktiv gewesen, haben sich regelmäßig mit Freunden zum Kegeln getroffen. „Wir sind froh, dass wir Familie, Freunde und eine gute Nachbarschaft haben, die uns unterstützen.“ Christa Siebert leidet sehr unter ihren Einschränkungen. Am meisten vermisst sie das Kochen und Backen. Früher war sie bekannt für ihre kreativen Torten.

„Wie die Krankheit weiter verläuft, wissen wir nicht, es gibt kaum Erfahrungen“, sagt Reinhard Siebert. Er und seine Frau würden gern in Kontakt mit weiteren Betroffenen kommen. Mit zwei Pärchen aus dem Schwalm-Eder-Kreis tauschen sich die Sieberts bereits regelmäßig aus.

Kontakt: Familie Siebert, Tel. 05601/9999958.

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