Schauenburgerin engagiert sich politisch bei Sinn Féin in Irland

Nebenrolle: In der vierten Staffel der Serie Vikings spielte die Schauenburgerin eine Angelsächsin. Das Bild entstand im Umkleideraum - am Set von Vikings herrscht Kameraverbot.

Schauenburg/Galway. „Du bist so lustig und nett für eine Deutsche“, diesen Kommentar hat Stephanie Flaherty-Klapp in den vergangenen 20 Jahre schon oft gehört. Die 38-Jährige gebürtige Schauenburgerin lebt seit 1998 in Galway im Westen von Irland und bereut diese Entscheidung bis heute nicht.

Nach dem Abitur am Friedrichsgymnasium war sie 1996 zunächst für ein Jahr als Au-pair nach Ohio gezogen. Von USA ging es zum Studium nach Irland. Dort absolvierte sie ein Studium der Erziehungswissenschaften. Mittlerweile arbeitet sie als Dozentin an der Universität von Galway und als Lehrerin an einem Gymnasium.

„Ich habe einen großen Freundeskreis und werde akzeptiert, aber ich bin immer noch die Deutsche“, erzählt die vielseitig interessierte Auswanderin, die sich auch in der Politik ehrenamtlich engagiert. Sie arbeitet unter anderem als Sekretärin für die Sinn Féin Partei und hat schon dreimal den umstrittenen Präsidenten Gerry Adams getroffen.

„Er ist sehr charmant, hochintelligent und sehr humorvoll.“ Schon als Kind habe sie Adams im Fernsehen wahrgenommen und bewundert. Flaherty-Klapp ist bewusst, dass Sinn Féin oft kritisch beobachtet wird. Die Partei wird bis heute als verlängerter Arm der IRA bezeichnet. „Ich stehe zu der Partei, hänge es aber nicht an die große Glocke“, erzählt sie und ergänzt: „Ich hoffe, in der nächsten Galway City Wahl als Councillor (Ortsbeirat) aufgestellt zu werden.“ Die Partei thematisiere die Wiederangliederung Nordirlands, sei sozial engagiert und kämpfe für die Gleichbehandlung im Gesundheitssystem - Schwerpunkte, die ihr sehr am Herzen liegen. Das Gesundheitssystem sei eines der schlechtesten in Europa. „Hier spürt man die typischen Probleme eines Kolonialstaats.“

In den vergangenen Jahren habe sich Irland weiterentwickelt. Es sei pluralistischer geworden. Mit dem Erwachen des keltischen Tigers (Wirtschaftswachstum) seien viele Osteuropäer nach Irland gezogen, um im Dienstleistungssektor zu arbeiten. „Die Iren sind sehr gastfreundlich, aber mit der systematischen Integration tun sie sich noch schwer.“ Trotzdem spüre man die Veränderungen im Land. „Seit 1998 ist die Scheidung möglich, das Verfahren dauert aber fünf Jahre“, erzählt Flaherty-Klapp, die selbst mit einem Iren verheiratet war, aber mittlerweile in einer neuen Partnerschaft lebt. Auch die Abtreibung sei in dem katholischen Land immer noch verboten: „Hier gibt es viele Pro-Lifer (Abtreibungsgegner).“

Aber Irland habe auch viel Reizvolles zu bieten: „Die Familienfeste und der Zusammenhalt sind hier viel wichtiger“, erzählt die Protestantin, die regelmäßig in die katholische Kirche geht - eben weil das so in Irland üblich ist.

Wieder in Deutschland zu leben, kann sich die Laienschauspielerin und Tierschützerin derzeit nicht vorstellen, hat sich aber ein Stück Heimat auf die Insel geholt. „Ich fahre einen VW Käfer Baujahr 1973 und habe mein Haus mit Dingen wie Porzellan aus Deutschland eingerichtet. Trotzdem gibt es etwas, das sie sehr vermisst - das Elgershäuser Schützenfest an Pfingsten. (alh)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.